Jährlich sechs Millionen Euro benötigt

BSAG muss mehr Geld einfahren

Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) braucht jährlich sechs Millionen Euro und ändert dafür auch Fahrpläne und Strecken in Bremen.
04.05.2017, 22:25
Lesedauer: 3 Min
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BSAG muss mehr Geld einfahren
Von Pascal Faltermann
BSAG muss mehr Geld einfahren

Wegen Kanalarbeiten halten die BSAG-Busse voraussichtlich bis September nicht am Hohentorsplatz.

Frank Thomas Koch

Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) braucht jährlich sechs Millionen Euro und ändert dafür auch Fahrpläne und Strecken in Bremen.

Um in den nächsten 36 Jahren wesentlich mehr Geld zu erwirtschaften, muss die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) auch das Angebot an Bus- und Bahnlinien anpassen. Bis zum Jahr 2053 stecken die Stadt Bremen und die BSAG insgesamt 602,3 Millionen Euro in den öffentlichen Nahverkehr. Mit diesem gewaltigen Investitionspaket sollen große Teile des Fuhrparks und der gesamten Infrastruktur runderneuert werden.

Die BSAG muss von der Summe ein Drittel aus eigenen Mitteln übernehmen – das sind jährlich rund sechs Millionen Euro. Mit der Angebotsanpassung soll rund die Hälfte – also etwa drei Millionen Euro jährlich – finanziert werden. In Bremen-Nord oder Obervieland sind bereits erste Linien gestrichen oder die Führungen geändert worden. Beiratsmitglieder und betroffene Fahrgästen äußerten daraufhin viel Kritik.

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Ein großer Teil des Aufwandes, den die BSAG bei der Modernisierung ihrer Infrastruktur treiben muss, hängt mit der Beschaffung der neuen Schienenfahrzeuge zusammen. Das sei für die BSAG und deren Fahrgäste von zentraler Bedeutung, sagt Andreas Holling, Sprecher der BSAG.

Kosten belaufen sich auf 602,3 Millionen Euro

Die 77 alten Bahnen vom Typ GT8N haben laut BSAG mittlerweile ihr technisches Laufzeitende von rund 1,5 Millionen Kilometern erreicht. Daher begannen schon 2012/2013 Gespräche und Planungen für einen Ersatz. Ende 2015 beschloss der Bremer Senat, insgesamt 67 neue Bahnen zu kaufen und zehn weitere zu überholen. Die Kosten für das gesamte Paket für den öffentlichen Nahverkehr belaufen sich auf die insgesamt 602,3 Millionen Euro. Bremen trägt von der Gesamtinvestition insgesamt 401,5 Millionen Euro, da die Bremer Straßenbahn AG ein Drittel der Kosten aus eigenen Mitteln erwirtschaften soll.

In dem Investitionspaket sind zusätzliche Posten für die Infrastruktur enthalten, da für die neuen, etwas breiteren Fahrzeuge Schienenstränge vergrößert werden müssen. Das ist notwendig, da im gesamten 110 Kilometer langen Netz ein Begegnungsverkehr zwischen 2,65 Meter breiten Fahrzeugen möglich sein muss. Außerdem entstehen Kosten für Zinsen und notwendige Infrastrukturmaßnahmen in den Betriebshöfen Neustadt, Sebaldsbrück, Gröpelingen und Neue Vahr, erklärt Holling.

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Um die sechs Millionen Euro pro Jahr zu erwirtschaften, müsse die BSAG intern die Arbeitsabläufe optimieren und extern das Netz entsprechend anpassen. „Die Ticketpreise können und wollen wir dafür nicht einfach so erhöhen“, sagt BSAG-Sprecher Holling. Aber, und das sei seit Jahren der Fall, es werde geprüft, ob Bus- oder Bahnlinien so angenommen werden wie zuvor geplant. Dabei schaue man auch, ob kaum besetzte Fahrzeuge im Einsatz seien. Gebe es freie Kapazitäten, versuche die BSAG, entsprechend der Nachfrage umzuplanen, um möglichst viele Menschen in der Stadt zu erreichen. Das könne auch bedeuten, dass der Fahrplan geändert werde.

Kritik an Fahrplanänderungen

Darüber sind zahlreiche Kommunalpolitiker und Bürger in Bremen-Nord empört. „Es ist eine dramatische Verschlechterung eingetreten“, sagt Anke Krohne, Fraktionssprecherin der Linken im Beirat Bremen-Blumenthal. Beispiele kann sie einige aufzählen: So wurde in Burglesum aus einer Bus- eine Taxilinie, in Vegesack aus zwei Linien eine Linie. In Blumenthal könnten zwei weitere wegfallen. „In Bremen-Nord werden die Menschen nicht aus dem Individualverkehr herausgeholt, sondern hineingestoßen“, sagt Anke Krohne. Mehrere Schulen in Blumenthal würden die Anbindung an den ÖPNV verlieren, Wohngebiete abgeschnitten werden.

Ähnlichen Ärger gibt es in Obervieland. Spätestens ab 2019 sollen dort etliche Bushaltestellen ersatzlos gestrichen werden. Darunter auch die vorm Haupteingang des Klinikums Links der Weser sowie vorm Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland. Ortsamtsleiter Michael Radolla liegen bereits zahlreiche Unterschriften von Anwohnern vor, die die alte Linienführung behalten möchten. Auch wenn in einer Beiratssitzung ein Vertreter der BSAG auf zahlreiche Verbesserungen verwies, überwiegen für die Beiratsmitglieder die Nachteile.

Die BSAG überprüfe das Angebot, die Linien und die Umläufe der Busse und Bahnen regelmäßig, erklärt Sprecher Holling. Änderungen könnten somit alle Stadtteile betreffen. Allein schon, weil die Linien nicht an Stadtteilgrenzen haltmachen. Es sei klar, dass die Auswirkungen der Plananpassungen sehr individuell bewertet würden. „Was für den einen Fahrgast eine Verbesserung bedeutet, weil man ohne Umsteigen künftig in die City fahren kann, empfindet der nächste als Nachteil, beispielsweise weil sein Bus einen anderen Weg als bislang nimmt“, so Holling.

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