E-Autos für Carsharing bereit gestellt BSAG teilt ihre Firmenwagen

Move About, der zweitgrößte Carsharing-Anbieter in Bremen, ist auf E-Autos spezialisiert. Nun können Kunden des norwegischen Unternehmens auch Fahrzeuge nutzen, die sonst als Firmenwagen dienen.
25.01.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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BSAG teilt ihre Firmenwagen
Von Milan Jaeger

Move About, der zweitgrößte Carsharing-Anbieter in Bremen, ist auf E-Autos spezialisiert. Nun können Kunden des norwegischen Unternehmens auch Fahrzeuge nutzen, die sonst als Firmenwagen dienen.

In der vergangenen Woche hat Move About dazu eine gemeinsame Carsharing-Station mit der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) eröffnet. „Wir stellen schon seit 2009 Elektrofahrzeuge für Unternehmensfuhrparks zur Verfügung“, erklärt Markus Spiekermann, Projektleiter bei Move About. Mittlerweile sei das Unternehmen einer der weltweit führenden Manager von reinen Elektrofahrzeugflotten. So ist Move About auch Partner im Projekt Unternehmensinitiative Elektromobilität der Modellregion Nordwest (Bremen/Oldenburg). Deutschlandweit hat Move About laut Spiekermann bereits rund 80 Elektrofahrzeuge für Unternehmenskunden bereitgestellt.

Pauschale Nutzungsgebühr

Bei diesem Modell zahlt der Kunde für die Nutzung und Wartung monatlich einen pauschalen Betrag an Move About. „Unser erster Kunde in Bremen war die Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen (Gewoba)“, erklärt Spiekermann. Dem Wohnungsunternehmen stellte Move About drei Fahrzeuge zur Verfügung. Er kenne in dieser Branche in Deutschland kein anderes Unternehmen, das ausschließlich mit E-Autos arbeite, sagt Spiekermann.

Mit ihrem gemeinsamen Projekt gehen Move About und die BSAG nun noch einen Schritt weiter. Die jetzt vor der BSAG-Zentrale eröffnete neue Carsharing-Station ist die neunte von Move About in Bremen. Das Besondere hierbei: Die Autos dienen unter der Woche tagsüber als Firmenfahrzeuge und stehen abends sowie am Wochenende als Carsharing-Autos für die Privatkunden von Move About bereit. Es handle sich um ein Projekt, das in dieser Form deutschlandweit bisher einzigartig sei. Die Carsharing-Kunden von Move About können die Fahrzeuge mit ihrer Kundenkarte öffnen und finden im Handschuhfach den Zündschlüssel.

Die Kooperation soll sich für beide, BSAG und Move About, rechnen. So spart die BSAG laut Sprecher Andreas Holling die Anschaffungskosten der Fahrzeuge. „Außerdem sind die Wartungskosten von E-Fahrzeugen geringer als von Autos mit einem Verbrennungsmotor“, sagt Holling. Move About hingegen kann die Autos seinen Kunden zur Verfügung stellen, wenn die BSAG sie nicht benötigt. Auf diese Weise baut Move About seinen Bremer Carsharing-Fahrzeugbestand aus. Der ist mit 14 E-Autos bei knapp 400 Nutzern in Bremen noch recht übersichtlich. Zum Vergleich: Marktführer Cambio hat 225 Fahrzeuge bei rund 11.000 Nutzern.

Lücken im Netz

Move-About-Gründer Jan-Olaf Willums sagt: „Ich spreche nicht gerne von Carsharing.“ Lieber verwende er den Begriff „mobility on demand“ (etwa: Mobilität nach Bedarf). So verändere sich das Nutzungsszenario von Autos: „Es geht nicht mehr darum, ein Auto zu besitzen, sondern es dann zur Verfügung zu haben, wenn ich von A nach B kommen will.“

Um diesem Anspruch näherzukommen, arbeite Move About an einem „Verbundsystem der öffentlichen Mobilität“. So müssten Carsharing-Nutzer die Möglichkeit haben, mit der Straßenbahn oder dem Bus zu einer weiter entfernt gelegenen Station zu kommen“, sagt Willums. Auf diese Weise könnten die bestehenden Lücken im Carsharing-Netz geschlossen werden. Laut Spiekermann soll es langfristig auch möglich sein, dass BSAG-Kunden mit ihrer Bezahlkarte (Bob) die Move-About-Fahrzeuge nutzen können. Aber das ist derzeit noch Zukunftsmusik. Schon heute ist die neue Station am Flughafendamm 12 mit der Straßenbahnlinie 6 sowie der Buslinie 52 zu erreichen. Allerdings verfügt Move About, abgesehen von der neuen Station in der Neustadt, bisher über keinen innenstadtnahen Standort.

Move About hat das Problem, dass die Deutschen bislang kaum Elektroautos nutzen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verfügten von zuletzt 62,4 Millionen gemeldeten Fahrzeugen lediglich 18 948 über einen Elektroantrieb. In Bremen beträgt der Anteil der 258 E-Fahrzeuge an den insgesamt 280 107 zugelassenen Autos noch nicht einmal 0,1 Prozent. Im gesamten Jahr 2015 wurden demnach 49 E-Fahrzeuge in Bremen neu zugelassen.

Noch sind E-Autos selten auf deutschen Straßen

Spiekermann glaubt dennoch daran, dass den E-Autos die Zukunft gehört. Derzeit sei der deutsche Markt aber ohne Frage schwierig: „Elektrofahrzeuge haben hier noch keinen Massenmarkt“, sagt Spiekermann. Anders sei das beispielsweise in Norwegen, dort sei der Anteil der Elektrofahrzeuge deutlich höher. Tatsächlich verfügt Norwegen über den weltweit größten Anteil an Elektroautos bezogen auf die Einwohnerzahl. Allerdings gibt es dort auch erhebliche Kaufanreize wie etwa steuerliche Vergünstigungen. Insgesamt waren im vergangenen Jahr in dem skandinavischen Land mehr als 50.000 E-Autos gemeldet. Zwar bekennt sich auch Deutschland grundsätzlich zur E-Mobilität. Wie man das hochgesteckte Ziel von einer Million Fahrzeugen im Jahr 2020 erreichen will, ist jedoch völlig unklar. Der Streit hierüber tobt auch innerhalb der Bundesregierung.

So hält sich die Bremer Politik mit Zielvorgaben zurück. Michael Glotz-Richter, Referent für nachhaltige Mobilität in der Verkehrsbehörde, will keine konkrete Zahl nennen. „Wenn es bundesweit eine Million Elektroautos gäbe, könnten davon 10.000 in Bremen herumfahren“, sagt er. Allerdings sei man von beiden Zahlen noch sehr weit entfernt. Für Glotz-Richter ist aber klar: „Wer Elektroautos will, muss auf Bundesebene handeln.“

Gleichwohl gibt es auch auf kommunaler Ebene Handlungsmöglichkeiten. Denn die Stadt kann öffentliche Stellplätze an Carsharing-Anbieter vermieten. Bisher tut Bremen das nur für Cambio, also für Autos mit Verbrennungsmotor.

Nachweis fehlt noch

„Der Carsharing-Anbieter muss uns einen Nachweis darüber erbringen, wie viele privat genutzte Fahrzeuge seine Flotte ersetzt“, sagt Glotz-Richter. Cambio habe diesen Nachweis bereits vor ein paar Jahren erbracht, Move About noch nicht. Die Nachweise würden auf der Grundlage von Kundenbefragungen erhoben.

Markus Spiekermann sagt: „Wir arbeiten derzeit an dem Nachweis.“ Um auch öffentliche – möglichst innenstadtnahe – Stellplätze mieten zu können, muss Move About laut Verkehrsreferent Glotz-Richter belegen, dass ein Fahrzeug der Unternehmensflotte mindestens sechs herkömmlich genutzte Autos ersetze.

Spiekermann und Willums fühlen sich nach eigenen Angaben gut gerüstet für die Zeit, wenn die Elektromobilität eines Tages den Kinderschuhen entwachsen sein werde. Markus Spiekermann gibt sich sicher: „Dieser Tag wird bald kommen.“

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