Unternehmensgruppe übernimmt 31 Filialen Bührmann rettet Kiki Kindermoden

Die insolvente Modekette Kiki Kindermoden aus Stuhr ist zum Teil gerettet. Die Bremer Bührmann-Gruppe übernimmt 31 der aktuell noch 49 Filialen.
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Bührmann rettet Kiki Kindermoden
Von Carolin Henkenberens

Die insolvente Modekette Kiki Kindermoden aus Stuhr ist zum Teil gerettet. Die Bremer Bührmann-Gruppe übernimmt 31 der aktuell noch 49 Filialen.

Elf weitere Filialen werden als eigenständige Franchise-Stores weitergeführt, sieben Läden werden geschlossen. Etwa 140 der aktuell 195 Mitarbeiter behalten laut Insolvenzverwalter Christian Willmer von der Kanzlei Willmer-Köster ihren Job.

„Die Zeit der Unsicherheit ist vorbei. Unsere Hoffnung auf einen Neuanfang für das Unternehmen im Insolvenzverfahren hat sich erfüllt“, sagte die Gründerin von Kiki Kindermoden, Vera Klöhn. Im September hatte der Kindermoden-Filialist, der sich auf Markenkleidung, hochwertige Möbel und Accessoires spezialisiert hat, Insolvenz anmelden müssen.

Zu diesem Zeitpunkt gab es noch bundesweit 65 Filialen und rund 230 Mitarbeiter. Der Insolvenzverwalter begründete dies mit dem hohen Wettbewerbsdruck, Umsatzrückgängen im stationären Handel sowie dem zuletzt sehr schwierigen saisonalen Geschäft.

Bührmann-Gruppe besitzt nun 31 Filialen

Mit Wirkung zum 1. Dezember, dem Tag der offiziellen Insolvenzeröffnung, ist die Bührmann-Gruppe mit Sitz in Borgfeld der neue Eigentümer von 31 Filialen. Die Gruppe ist bislang in den Geschäftsfeldern Events, Catering, Immobilien und Casinos tätig.

Sie richtet zum Beispiel das Bremer Sechstagerennen und die Freimarkt-Partys in der Halle 7 aus, betreibt einen Catering-Service und Automatencasinos mit dem Namen Playlounge. Ebenso besitzt die Bührmann-Gruppe diverse Immobilien wie das einstige Gebäude der Vulkan-Werft, das sie renoviert und zur Flüchtlingsunterbringung an die Stadt vermietet hat.

Künftig wird also auch eine Mode-Kette dazu gehören. Wie viel Geld im Zuge der Übernahme gezahlt wurde, darüber wollen die Parteien keine Angabe machen. Für die Bührmann-Gruppe bedeutet der Einstieg ins Modegeschäft eine weitere Diversifizierung ihrer Einnahmequellen.

Krisenjahr 2016

„Mit der Übernahme bauen wir unser Leistungsportfolio zielgerichtet aus“, sagte Geschäftsführer Theo Bührmann junior. Die Erhöhung der Vergnügungssteuer für Spielautomaten vor einigen Jahren habe gezeigt, dass im Idealfall mehrere Standbeine existieren.

Die Übernahme der Modekette erfolgt zu einer Zeit, in der es viele Negativmeldungen aus der Branche gibt. Die Traditionshäuser Sinn-Leffers und Steilmann sowie die Bremer Kette Zero sind nur einige Beispiele von Insolvenzen aus der Textilwirtschaft im Krisenjahr 2016. Für Zero ist nach einer Pleite im Sommer ein Investor gefunden worden.

Doch der Trend in diesem Jahr war klar: Das Wachstum der Umsätze in der Modeindustrie waren so niedrig wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Es betrug 2016 einer neuen Studie der Unternehmensberatung McKinsey und dem Branchendienst „Business of Fashion“ zufolge 2,5 Prozent, im mittleren und hochpreisigen Segment sogar nur 0,5 bis 1 Prozent.

Erschwerte Bedingungen

Bekleidungsdiscounter wie Primark und der Online-Handel erschweren zunehmend das Geschäft. Für 2017 ist der Studie zufolge zwar wieder eine gewisse Erholung zu erwarten, vor allem im Bereich Sportkleidung. An die Top-Ergebnisse der vergangenen Jahre kommt die Bekleidungsindustrie aber wohl nicht heran. Durch die geringen Margen nimmt die Bonität der Mode-Unternehmen trotz stabilen Konsums ab, befand eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes.

Auf die Frage, warum sein Unternehmen ausgerechnet eine Modekette kaufe, entgegnete Theo Bührmann: „Wir handeln antizyklisch. Wenn alle aussteigen, sollte man einsteigen.“ Er sieht in dem Bereich hochwertiger Kindermode noch „viel Luft nach oben“. Die Marke Kiki Kindermoden sei sehr gut aufgestellt und habe einen langjährigen hervorragenden Ruf. Gründerin Klöhn hatte das Geschäft mit Markenkleidung Anfang der 1990er-Jahre gestartet.

Es hätten allerdings spezielle kaufmännische Fähigkeiten gefehlt. „Wir sind Kaufleute, wir können jede Firma gut führen“, sagte Bührmann. „Über unser Immobiliengeschäft haben wir Erfahrung beim Aushandeln von Mietverträgen.“ Auch wisse man, wie man Events organisiere und Leute für Dinge begeistere.

Weiteres Vorgehen wird in einigen Monaten beschlossen

Und wie geht es nun weiter? Im nächsten halben Jahr wolle man zunächst einmal den Ist-Zustand erforschen, sagte der Unternehmer. Dann werde entschieden, ob man stationär expandiert, den Online-Handel voran treibt oder ob man künftig die Produktion der Kleidung sogar selbst übernimmt. „Wir werden unsere Kreativität nutzen in Bezug auf die Punkte Wareneinkauf, Produktion und das Aushandeln von Vermietungsverträgen“, versprach Theo Bührmann junior.

„Die Krise der Modebranche ist sicherlich noch nicht überwunden“, sagte Insolvenzverwalter Willmer. Dennoch zeige Kiki Kindermoden, dass ein Unternehmen im Kern gestärkt aus einer Krise hervorgehen könne. Schon kurz nachdem Willmer seine Arbeit aufgenommen hatte, hätten sich Interessenten gemeldet.

„Unser Ziel war es, den Fortbestand des Unternehmens und einen Großteil der Arbeitsplätze zu sichern. Dieses Ziel haben wir erreicht“, so Willmer. 42 der derzeit 49 Filialen seien gesichert. Dass der Käufer aus Norddeutschland kommt, sei ein positives Signal für die Region. Wer die elf Franchise-Läden führen wird, solle zunächst noch nicht öffentlich werden.

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