Bremen als große Hoffnung Bulgaren und Rumänen suchen Arbeit

Bremen. In Bremen hat sich die Zahl von Bulgaren und Rumänen unter den Hartz-IV-Empfängern innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Bulgaren und Rumänen suchen Arbeit
Von Jürgen Hinrichs

In Bremen hat sich die Zahl von Bulgaren und Rumänen unter den Hartz-IV-Empfängern innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. Das zeigen aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit. Nur noch in Duisburg, Mannheim und Köln hat es einen höheren Anstieg gegeben.

Zum Jahreswechsel sind die Tore vollends offen, dann können Rumänen und Bulgaren nach Deutschland kommen und sich wie alle anderen EU-Bürger als Arbeitnehmer auf dem Markt anbieten. Die Auflagen während der Übergangszeit nach dem EU-Beitritt der beiden Länder fallen weg. Noch ist unklar, was das für Städte wie Bremen bedeutet. Es kommen Menschen, die gut ausgebildet sind und die als Fachkräfte ihren Platz finden. Und andere, die Hilfe vom Staat benötigen. Sicherlich wird es beides sein, fraglich ist nur die Gewichtung. Bremen gehört bereits heute zu den Städten mit dem höchsten Anstieg von Hartz-IV-Beziehern aus Rumänien und Bulgarien.

Duisburg, Mannheim, Köln und danach auch schon Bremen. Der vierte Platz im Städte-Ranking beim Hartz-IV-Bezug von Rumänen und Bulgaren. Es folgen Berlin, Frankfurt a.M., Hamburg und Dortmund. Wie rasant die Entwicklung in Bremen ist, zeigen aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit. Waren es im Juni 2011 noch 500 Rumänen und Bulgaren, die Hartz IV bezogen, lag die Zahl im Juni dieses Jahres bereits bei 1059. In nur zwei Jahren mehr als doppelt so viel, mit einem deutlich höheren Anteil von Bulgaren.

„Der Anstieg relativiert sich, wenn man die absoluten Zahlen betrachtet“, erklärt Bernd Schneider, Sprecher der Sozialbehörde. In Bremen seien zum 1. Januar 2013 rund 5000 Rumänen und Bulgaren gemeldet gewesen. Der Zuzug bewege sich im Vergleich zu anderen Städten eher auf einem niedrigen Level. Zu tun habe das unter anderem mit der Situation am Wohnungsmarkt. Schneider: „Bei uns gibt es nicht so viel Leerstand, anders als zum Beispiel in Duisburg.“ Oder in Bremerhaven. Dort hat sich die Zahl von Rumänen und Bulgaren im Laufe des vergangenen Jahres verdoppelt.

Auffällig sei, so der Behördensprecher, dass es in jeder Stadt einen Schwerpunkt bei der regionalen Herkunft der Zuzügler gebe. In Bremen sei das zum Beispiel die Stadt Pleven in Bulgarien. „Das ist ein Aufbruch ins Ungewisse“, sagt Schneider, „einer geht vor und lotet aus, und die anderen folgen möglicherweise.“

Gerade bei Rumänen und Bulgaren sei es so, dass sie nach Deutschland kämen, um Arbeit zu finden. Zurzeit freilich noch unter erschwerten Bedingungen, weil es für sie noch keine volle Freizügigkeit gibt. Ein Ausweg war in der Vergangenheit, sich selbstständig zu machen und als Ein-Mann-Unternehmen Dienstleistungen anzubieten. Eine Situation, die von den Arbeitgebern oft ausgenutzt wurde. Sie zahlten extrem wenig Geld und spannten ihre Subunternehmer in Zwölf-Stunden-Schichten ein.

Ein Recht auf Hartz IV erkannten die Behörden bei Rumänen und Bulgaren bislang nur an, wenn sie nachweisen konnten, vorher gearbeitet zu haben, in diesen Fällen als Selbstständige. Doch diese Praxis wandelt sich gerade. „Die Gerichte kommen zunehmend zu dem Schluss, dass den Menschen auch dann Hilfen zugesprochen werden müssen, wenn sie vorher nicht gearbeitet haben“, erklärt Schneider. Zuletzt hatte es ein Urteil vom Landessozialgericht in Essen gegeben. Die Richter sahen damit eine Grundsatzfrage geklärt, die nach ihren Berechnungen bundesweit 130000 Personen betrifft und in Bremen wohl einige Tausend.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+