Streit um Bremer Sprachtest für Kindergartenkinder Cito: CDU und FDP fordern aktuelle Stunde im Parlament

Bremen. Die falsche Antwort des Senats zum Sprachtest Cito in der Bürgerschaft hat parlamentarische Konsequenzen. CDU und FDP meldeten gemeinsam eine aktuelle Stunde an. Titel: „Die Bildungssenatorin und die Wahrheit: Was taugt Cito für Bremen und Bremerhaven wirklich?“
23.01.2010, 07:39
Lesedauer: 2 Min
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Von Bernd Schneider

Bremen. Die falsche Antwort des Senats auf eine CDU-Anfrage zum Sprachtest Cito in der Bürgerschaft hat parlamentarische Konsequenzen. CDU und FDP meldeten gestern gemeinsam eine aktuelle Stunde im Landtag an. Titel: „Die Bildungssenatorin und die Wahrheit: Was taugt Cito für Bremen und Bremerhaven wirklich?“

Unterdessen hat die Zentrale Elternvertretung der Tageseinrichtungen für Kinder in Bremen (ZEV) nach Verhandlungen mit der Behörde Abstand von Überlegungen genommen, den Test 2010 zu boykottieren.

„Man wird den Eindruck nicht los, die Behörde wollte Kritik an der Sprachstandserhebung von vornherein abbügeln.“ Mit diesen Worten kommentierte der CDU-Bildungspolitiker Claas Rohmeyer die Senatsantwort auf eine Anfrage seiner Fraktion im Parlament. Es sei nicht das erste Mal, dass es im Bildungsressort „verschiedene Wahrheiten gibt und einfach irgendwelche Behauptungen in den Raum gestellt werden“. Die FDP erwartet, dass die Senatorin entweder die Zweifel am Aussagewert von Cito ausräumt, „oder dass sie ein besser geeignetes Testverfahren einsetzt", so der Bildungspolitiker Magnus Buhlert.

In der Antwort des Senats hatte es unter anderem geheißen, eine Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) bestätige „die Leistungsfähigkeit des Tests in den wichtigen Kriterien der Testqualität“. Der Satz steht tatsächlich in der zitierten Studie, aber in einem vollkommen anderen Zusammenhang, das Wort „Cito“ taucht überhaupt erst 20 Seiten später auf. Zu der in Bremen verwendeten rein deutschsprachigen Cito-Variante äußert sich die Studie nicht, zu einer mehrsprachigen heißt es: Nach vorläufigen Befunden messen einzelne Testfragen und ein Untertest „nicht zuverlässig genug“. Die übrigen Untertests lieferten „hinreichende“ Ergebnisse.

Eltern hatten den Fehler aufgedeckt, indem sie in der DJI-Studie nachgeschlagen haben. Sie sind inzwischen mit dem Ressort in Verhandlungen, um die Sprachstandserhebung bei Viereinhalbjährigen zu verbessern. „Wir werden 2010 nicht zum Boykott aufrufen“, sagte Katarina Zimmermann vom ZEV-Vorstand. Diese Forderung habe lange im Raum gestanden. Nachdem die Behörde wesentliche Kritikpunkte berücksichtigt habe und weitere Verhandlungsbereitschaft signalisiere, wolle der ZEV nun bei Eltern für die Cito-Teilnahme werben. Für die Förderung der Kinder sei es „wichtig, dass diese Runde gut läuft“.

Eltern oder eine Erzieherin dürfen nun die Vierjährigen begleiten, die Testerinnen würden zudem besser ausgebildet. 2009 wurden angehende Erzieherinnen eingesetzt – oft überfordert angesichts der Eltern-Kritik während des Tests am Computer. Die Testzeit soll zudem verlängert werden, um Zeitdruck herauszunehmen.

Auch das Hauptproblem von 2009 sei gelöst: „Damals haben die Kindergärten nicht erfahren, welche Kinder gefördert werden sollen“, so Zimmermann. Wohlgemerkt: Ziel des Tests ist, förderbedürftige Kinder zu identifizieren, damit sie ein Jahr vor Schulbeginn Sprachunterricht bekommen. „Den Einrichtungen wurde nur gemeldet, wie viele Kinder es waren.“ Der Datenschutz verbietet dem Bildungsressort, Testergebnisse ans Sozialressort weiterzugeben, das die vorschulische Förderung verantwortet. Stattdessen seien die Eltern angeschrieben worden. Etliche hätten darauf aber nicht reagiert. Erzieherinnen hätten die Kinder, die nach ihrer Beobachtung Förderung brauchten, dann herausgepickt. Das Problem gelte jetzt als behoben, Eltern erklären beim Test oder in der Kita, dass sie der Datenübermittlung zustimmen.

Die ZEV sieht Cito nach wie vor kritisch. „Wir werden aber ergebnisoffen verhandeln“, sagte Zimmermann. Sollte sich herausstellen, dass kein besserer Test existiert, werde man Cito mittragen. Denkbar sei auch, den Test am PC ergänzend zu persönlichen Testverfahren einzusetzen.

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