Der Vorstand im Interview Commerzbank eröffnet weitere Filialen

Für den Vorstand der Commerzbank Michael Mandel liegt die Zukunft der Banken im digitalen und im persönlichen Kontakt. Die Commerzbank setzt deshalb auf Flagship-Filialen und baut ihr Netz aus.
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Commerzbank eröffnet weitere Filialen
Von Maren Beneke

Für den Vorstand der Commerzbank Michael Mandel liegt die Zukunft der Banken im digitalen und im persönlichen Kontakt. Die Commerzbank setzt deshalb auf Flagship-Filialen und baut ihr Netz aus.

Herr Mandel, Sie sind in Borgfeld aufgewachsen und haben Ihre Ausbildung bei der Bremer Bank am Domshof gemacht. Welche Beziehung haben Sie heute zur Hansestadt?

Michael Mandel: Bremen ist meine Heimat. Ich bin nach wie vor ein leidenschaftlicher Werder-Bremen-Fan. Und natürlich gibt es hier auch noch den ein oder anderen Schulfreund.

Die Einlagen sinken, viele Kunden wickeln ihre Bankgeschäfte nur noch online ab, der Verdrängungswettbewerb zwischen den Instituten ist in vollem Gange: Wie sollen da Flagship-Filialen noch helfen?

Die Zukunft der Bank liegt im digitalen und im persönlichen Kontakt. Gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase gibt es bei den Kunden einen hohen Beratungsbedarf. In den Flagships sind die Kundenansprache und die Prozesse etwas andere, außerdem sind dort auch das Wealth Management und das Unternehmerkundengeschäft vertreten. Unser Ziel ist, in den kommenden Jahren sukzessive eine große Filiale nach der anderen umzubauen, sodass wir am Ende bundesweit auf bis zu 100 Flagship-Filialen kommen.

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Die Flagship-Filialen zeichnen sich durch erweiterte Öffnungszeiten, ein anderes Raumkonzept und eine aktivere Ansprache der Kunden aus. Dagegen steht, dass viele Menschen nur noch in die Bank kommen, um sich beraten zu lassen. Warum sind Sie der Meinung, dass die neuen Filialen für mehr Frequenz sorgen?

Wir können nachweisen, dass das Kundenwachstum in einer Flagship-Filiale 30 Prozent stärker ist und wir unsere Erträge dort deutlich steigern. Man muss vor Ort sein, um die Menschen beim Thema Geldanlage und Finanzierung zu unterstützen. Unterm Strich gehen wir davon aus, dass rund 70 Prozent der Kunden auch in fünf Jahren einer Bank den Vorzug geben, die beides kann: das Digitale und die Präsenz vor Ort.

Die Commerzbank hat in den vergangenen vier Jahren nach eigenen Angaben eine Million Privatkunden dazugewonnen, bis 2020 sollen es weitere zwei Millionen werden – und das, obwohl ja jeder längst ein Konto hat. Wie wollen Sie das noch schaffen?

Unter anderem durch das Zusammenspiel von Flagship- und City-Filialen, also Standorten, in denen Serviceleistungen und Standardprodukte wie Giro- und Tagesgeldkonten oder Ratenkredite angeboten werden. Mit gut 1000 Filialen haben wir eins der größten Netze in Deutschland. Mit dieser Zahl fühle ich mich sehr wohl. Natürlich ist der Markt in Deutschland längst aufgeteilt. Aber wir stellen fest, dass sich der Wettbewerb zurückzieht, während wir unsere Position im Markt weiter ausbauen.

Das bedeutet?

Wir eröffnen weitere Filialen, Anfang Dezember zum Beispiel im Frankfurter Ostend. In Vierteln, die aktuell sehr stark wachsen, können wir uns vorstellen, neue Standorte zu betreiben.

Kann Bremen mit neuen Filialen rechnen?

Wir überlegen tatsächlich, wo wir in Bremen neue Filialen aufmachen können. Warum gibt es zum Beispiel in Borgfeld und Oberneuland keinen Standort? Das ist ein wachstumsstarkes Gebiet mit einem guten Durchgang nach Lilienthal. Ich halte es für falsch, dass unsere letzte Filiale in diese Richtung schon in Schwachhausen ist. Prämissen sind, dass das Cityfilial-Konzept, das wir in diesem Jahr testen, auch funktioniert, und dass wir ein geeignetes Lokal in einer Lage mit genügend Frequenz finden.

Das hat aber nichts damit zu tun, dass Sie selbst aus dem Stadtteil kommen.

(lacht) Nein, bei aller Liebe. Am Ende muss es schon ein Standort sein, an dem wir die Möglichkeit sehen, massiv Neukunden zu gewinnen.

Wie groß kann das Netz der Commerzbank noch werden?

Ich will mich auf keine Zahl festlegen. Die Zahl der Filialen hängt von der Kundennachfrage ab.

Wie wird die Filiale in 20 Jahren aussehen?

Sie wird effizienter und digitaler sein.

In der Bremer Bankenlandschaft tut sich viel, einige Institute schließen Filialen. Die Commerzbank tut nach Ihrer Aussage das Gegenteil. Wie kann sich Ihr Konzern das überhaupt leisten?

Wir wachsen in der Filialbank, aber auch in unserer Onlinebank, der Comdirect. Zuletzt lag die Eigenkapitalrendite im Privatkundengeschäft bei mehr als 20 Prozent. Wenn ein Geschäftsmodell so gut funktioniert, dann denkt man nicht darüber nach, das Geschäft zu verkleinern, sondern im Gegenteil: Wir wollen es vergrößern.

Die Commerzbank hält am kostenlosen Girokonto fest. Wie lange können Sie sich das noch leisten?

Es gibt aktuell keine Überlegungen, dass wir uns vom kostenlosen Girokonto verabschieden. Wir wachsen mit dem Produkt, es ist profitabel und oft ein Einstieg, um mit den Kunden auch über andere Themen zu reden. Warum sollten wir uns davon verabschieden?

Die Banken stehen wegen der niedrigen Zinsen aber ja immer mehr unter Druck. Eine Möglichkeit, sich Geld wiederzuholen, ist, Negativzinsen an Privatkunden weiterzugeben. Können Sie für die Zukunft ausschließen, dass die Commerzbank an ihrem „Nein“ wackelt?

Auch da gibt es derzeit keine Pläne. Wenn ich meiner Tochter erklären müsste, dass sie nun Geld dafür zahlen muss, dass ihr Geld bei der Commerzbank auf dem Konto liegt, dann würde sie es wahrscheinlich zu Hause in ihre Spardose stecken. Das hilft keinem.

Im Konzern, aber auch in den Filialen steht ein massiver Jobabbau an, 2300 Stellen sollen im Privatkundengeschäft wegfallen. Wie passt das mit der Aussage zusammen, weiter in das Netz investieren zu wollen?

Bis 2020 steckt der Konzern bis zu 700 Millionen Euro pro Jahr in die Digitalisierung. Das heißt für uns: Am Ende werden 80 Prozent unserer Prozesse digital ablaufen, wir werden dann also deutlich effizienter sein. Effizienter sein heißt aber auch, dass bestimmte Jobs wegfallen. Trotzdem geben wir unsere Flächenpräsenz nicht auf.

Wie viele Stellen werden in Bremen gestrichen?

Über konkrete Zahlen kann ich heute nicht sprechen. Was ich sagen kann ist, dass wir im Privatkundengeschäft unser Wachstum noch einmal deutlich verstärken und zwei Millionen weitere Kunden gewinnen wollen. Wir werden unseren Marktanteil vergrößern, auch in Bremen.

Das Gespräch führte Maren Beneke.

Zur Person:

Zur Person

Michael Mandel (50) hat bei der Bremer Bank gelernt. 1988 verließ er die Hansestadt, um in Münster BWL zu studieren. Im Anschluss folgten Stationen bei der Dresdner Bank, McKinsey und der Commerzbank. 2008 übernahm der zweifache Familienvater den Vorstandsvorsitz bei Comdirect, seit 2010 verantwortet er als Commerzbank-Vorstand die Privatkunden.
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