Bremer Reisebranche kritisiert Reisewarnung Verlängerte Reisewarnung stößt auf Kritik

Keine Aussicht auf Urlaub. Reiseveranstalter- und Büros bemängeln den Beschluss der Bundesregierung und fordern mehr staatliche Hilfe.
29.04.2020, 22:50
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Verlängerte Reisewarnung stößt auf Kritik
Von Elena Matera

Bremen. Die Bundesregierung hat die weltweite Reisewarnung für Touristen infolge der Coronavirus-Pandemie bis mindestens 14. Juni verlängert. Ein entsprechender Vorschlag des Auswärtigen Amts wurde am Mittwoch vom Bundeskabinett angenommen, heißt es in einer Mitteilung der Bundesregierung. Die Reisewarnung gilt bereits seit dem 17. März für alle touristischen Reisen ins Ausland.

Von der Verlängerung der Reisewarnung sind zunächst die Pfingstferien in den einzelnen Bundesländern betroffen. Bereits gebuchte Pauschalreisen können storniert werden. Ein Entschluss über den Sommerurlaub soll gemäß des Kabinettsbeschlusses erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Den Start der ersten Schulferien im Sommer macht Mecklenburg-Vorpommern am 22. Juni, in Bremen starten die Ferien am 16. Juli.

Für Fluggesellschaften, Reisebüros und -veranstalter bedeutet die Verlängerung der Warnung weiterhin eine große Unsicherheit. „Für unsere Branche ist der Beschluss eine Katastrophe“, sagt Katharina Schmigel, Inhaberin des Reisebüros Voyage in Bremen-Vahr. „Wir machen keine Einnahmen und dafür sogar jeden Tag Verluste. Denn wir müssen die Provisionen an die Kunden zurückzahlen. Das machen wir aus eigener Tasche.“ Viele Bremer Reisebüros hätten Kredite aufnehmen müssen, da zahlreiche Sofort-Zahlungen des Landes Bremen noch nicht ausgezahlt wurden.

„Wenn klar signalisiert werden würde, dass es ab dem 14. Juni keine Reisewarnung mehr geben sollte, könnten wir besser planen“, sagt Schmigel. Auch die Kunden seien zunehmend verunsichert. „Wir haben keine neuen Buchungen, auch nicht für das nächste Jahr.“ Andere Länder würden mehr Perspektiven geben. „In Österreich dürfen bereits Mitte Mai Hotels öffnen“, sagt Schmigel. Auch andere europäische Länder, wie Kroatien, würden bereits erste Lockerungen im Tourismus planen. „Solche Überlegungen muss Deutschland auch machen“, sagt Schmigel. „Wir brauchen Ansagen.“

Schmigel steht mit ihrer Kritik nicht alleine. Bundesweit gab es am Mittwoch Demonstrationen der Reisebüros. Sie fordern mehr staatliche Unterstützung. Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Reiseverbands (DRV) sehen sich vor allem kleine und mittelständische Reisebüros und -veranstalter massiv von Insolvenz bedroht.

„Diese Ergebnisse zeigen, wie dramatisch die Situation in der Branche ist“, so DRV-Präsident Norbert Fiebig. „Es ist zu befürchten, dass die Mehrheit der 11 000 Reisebüros und über 2300 Reiseveranstalter diese existenzielle Bedrohung durch die Corona-Pandemie nicht überstehen und damit Zehntausende von Arbeitsplätzen verloren gehen, wenn die Bundesregierung nicht bald einen Schutzschirm über die Branche spannt.“ Arbeitnehmer bräuchten eine Perspektive.

„Das ist der Wahnsinn, was gerade passiert“, sagt Sabine Röhrs. Die Inhaberin des Reiseveranstalters Chili-Reisen in der Bremer Neustadt war am Mittwoch bei der Demo der Reisebüros dabei. „Ich musste bereits eine Mitarbeiterin entlassen. Die Sofort-Zahlung des Landes Bremen habe ich immer noch nicht erhalten. Ich werde schlichtweg hängen gelassen“, sagt sie.

„Ich bin keine GmbH, sondern eine Einzelfirma. Wenn ich den Laden zumache, stehe ich mit dem ganzen Privatvermögen dahinter. Ich muss also durchhalten, bis es weitergeht.“ Existenzen würden für die Maßnahmen gegen das Virus vernichtet werden. „Das kann nicht sein. Falls es so weitergeht, mache ich den Laden dicht und fahre weg,“ sagt Röhrs. Wie es in Zukunft weitergehen soll? Vor dieser Frage steht auch Kay Artal, der das Reisebus-Unternehmen Artal in Brinkum mit seiner Familie führt. 50 Prozent der gebuchten Busreisen seien Klassenfahrten. Diese wurden bis Ende 2020 von den Kultusministern aus Bremen und Niedersachsen gestrichen. Auch Seniorengruppen gehören zu Artals Stammkundschaft – doch diese zählen zur Risikogruppe. „Sie werden sicherlich keine Reise antreten“, sagt Artal.

Der Familienvater blickt mit Sorge in die Zukunft. Einige Reisebusunternehmen hätten bereits Insolvenz angemeldet. Artal habe Glück mit seiner Hausbank und könne die laufenden Kredite für die Finanzierung der drei Reisebusse einfrieren lassen. „Wenn ich die Rendite irgendwann wieder zahlen muss, kann ich das Unternehmen nur gut drei Monate über Wasser halten“, sagt Artal. „Notfalls muss ich mir dann einen anderen Job suchen.“

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Zur Sache

Schrittweise Lockerungen

Niedersachen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wollen Tourismus und Gastgewerbe schrittweise wieder hochfahren. Die Wirtschafts- und Tourismusminister der drei Länder haben am Mittwoch einen Drei-Stufen-Plan zur Aufhebung der coronabedingten Einschränkungen vorgelegt. Nach Angaben eines Sprechers des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums sollen die Lockerungen ab Mai beginnen. Wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtete, ist die erste Lockerungsstufe mit der Öffnung von Zoos, Museen und Freizeitparks für den 7. Mai ins Auge gefasst. In der zweiten Phase sollen am 11. Mai Restaurants, Cafés und Imbisse und mit eingeschränkter Nutzung Ferienwohnungen und Hotels folgen und am 25. Mai Übernachtungstourismus ohne Restriktionen.

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