Kommentar über Lebensmittelverschwendung Das Problem endlich angehen

Containern greift zu kurz, meint unsere Gastautorin Gertraud Huisinga von der Verbraucherzentrale. Es sei sinnvoller, die Ursachen für Lebensmittelverschwendung zu verringern.
20.11.2019, 18:11
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Gertraud Huisinga

Zur europäischen Woche der Abfallvermeidung, die noch bis zum 24. November läuft, ist Lebensmittelverschwendung wieder Thema: Wertschätzen statt wegwerfen – miteinander und voneinander lernen, so das Motto. Denn die Vermeidung von Lebensmittelabfällen und eine höhere Wertschätzung für Lebensmittel sind eng miteinander verwoben.

Es wird gerade (mal wieder) diskutiert, ob Containern erlaubt werden soll, und eine Bundesratsinitiative zum Verbot des Wegwerfens von Lebensmitteln im Handel ist vor einigen Wochen gescheitert. Und das zu Recht. „Was?“, werden sich jetzt viele wundern. Ja, zu Recht. Containern kann sehr gefährlich werden, denn die „Selbstbediener“ wissen nicht, womit die Lebensmittel in Kontakt gekommen sind und ein Verbot nur für den Handel, die Lebensmittel nicht mehr wegwerfen zu dürfen, greift einfach zu kurz.

Bereits beim Bauern werden Lebensmittel – auch wenn sie da rechtlich noch keine sind – entsorgt oder gar nicht geerntet. In der Lebensmittelindustrie führen Produktwechsel, eine falsche Zutatenliste oder ein Fehldruck bei der Verpackung zu Verlusten. Im Supermarkt entstehen Lebensmittelabfälle, weil die Händler meinen, sie müssten immer alles in großer Vielfalt in den Regalen präsentieren – aber wenig ist ewig haltbar. In Schulkantinen wird rund ein Viertel der gekauften Waren entsorgt – ähnliches gilt für Kitas, Gastronomie und Hotellerie. Und ja, auch in Haushalten werden viele Lebensmittel entsorgt – oftmals, weil im Supermarkt die Augen größer waren als der Bauch, oder weil sie zu Hause falsch gelagert wurden.

Was diese Aufzählung der Wertschöpfungskette zeigt? Nur gemeinsam, mit allen Partnern, können die Verluste nennenswert verringert werden. Miteinander sich die Verluste und Ursachen anschauen und voneinander lernen, wie wir sie verringern können, ist viel besser, als am Ende der Kette per Gesetz etwas zu regeln, was durch ehrenamtliches Engagement häufig schon gut funktioniert. In den 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung steht: Eine Halbierung der Lebensmittelabfälle in Haushalten und im Handel und eine Reduzierung der Verluste entlang der Wertschöpfungskette – bis 2030. Bremen sollte anfangen, gemeinsam mit anderen etwas zu tun, Schulungen durchzuführen, die eigenen Kantinen und Catering zum Vorbild machen und alle Akteure an einen Tisch holen. Denn nur so kann man wertschätzen statt wegwerfen – und miteinander und voneinander lernen. Die Verbraucherzentrale Bremen ist gerne dabei.

Info

Zur Person

Unsere Gastautorin

ist Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bremen und setzt sich für Lebensmittelrecht und gesunde Ernährung ein. Nachhaltigkeit ist dabei ein wichtiger Aspekt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+