Gastbeitrag zu Kinderarbeit

Der bittere Beigeschmack von Schokolade

Der leckere Schokohase bringt oft Trauriges mit sich: Kinderarbeit. Gastautorin Rebecca Tüshaus vom Jungen entwicklungspolitischen Forums fordert eine Zertifizierung von Herstellern.
12.04.2017, 22:42
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Von Rebecca Tüshaus
Der bittere Beigeschmack von Schokolade

Auf vielen Kakaoplantagen arbeiten immer noch Millionen Kinder.

dpa

Der leckere Schokohase bringt oft Trauriges mit sich: Kinderarbeit. Gastautorin Rebecca Tüshaus vom Jungen entwicklungspolitischen Forums fordert eine Zertifizierung von Herstellern.

Zur Osterzeit verschenken viele Menschen in Deutschland Schokolade und andere kleine Aufmerksamkeiten an ihre Liebsten. Doch leider hat Schokolade nach wie vor eine dunkel-bittere Seite: Kinderarbeit. Vielen Verbrauchern ist dies nicht bewusst, aber auf den Kakaoplantagen in Ghana und der Elfenbeinküste in Westafrika arbeiten immer noch fast zwei Millionen Kinder.

Ihnen wird durch die oftmals sehr anstrengende Arbeit die Chance verwehrt, zur Schule zu gehen und später einen Beruf wie Arzt oder Lehrer zu erlernen. Anders als bei Schokolade haben bei Kleidung mittlerweile einige Käufer direkt die Frage im Hinterkopf, ob für den neuen Pullover oder die schicken Turnschuhe auch Kinder in Textilfabriken und Nähereien schuften mussten. Diese Frage ist dann verknüpft mit den Bildern von eingestürzten Fabriken in Bangladesch, und prompt stellt sich das schlechte Gewissen ein.

Schlechtes Gewissen

Doch was kann man als Verbraucher tun gegen den bitteren Beigeschmack beim Verzehr von Schokolade und das schlechte Gewissen beim Kleiderkauf? Viele versuchen ihre Konsumgewohnheiten so zu ändern, dass sie für einen selbst ethisch vertretbar sind.

Man versucht mithilfe von Einkaufsratgebern herauszufinden, wie man möglichst global verträglich und nachhaltig einkauft. Doch je mehr man recherchiert, desto mehr drängt sich die Frage auf: Was kann ich überhaupt noch ohne schlechtes Gewissen kaufen? Bananen? Aber nur Bio! Kaffee? Bitte nur Fairtrade! T-Shirts für weniger als zehn Euro?

Am Ende entscheidet man sich dann, besser gar nichts zu kaufen und beschließt, einen Gemüsegarten anzulegen, aus dem man sich und seine Familie zukünftig ausschließlich ernähren wird. Doch darf man dann seine eigenen Kinder dazu zwingen im Gemüsebeet Unkraut zu jäten, oder wäre dann das Gemüse aus Eigenanbau auch mit dem Stempel Kinderarbeit versehen?

Moralisch vertretbar

Je länger man diese Gedankenspirale im Kopf dreht, desto lächerlicher wird sie. Die wichtige Frage, die man sich hierbei stellen sollte ist: Liegt es wirklich allein in meiner Verantwortung als Verbraucher zu recherchieren, wo die Produkte herkommen, die ich kaufe, und wie sie hergestellt wurden? Sollte es mir nicht möglichst leicht gemacht werden, dies zu erkennen?

Ich setze mich zusammen mit dem Jungen entwicklungspolitischen Forum dafür ein, dass Produkte wie Schokolade und Kleidung von allen Herstellern eine transparente Zertifizierung vorweisen, damit es für die Kunden einfacher wird, sich für das Produkt und die Herstellungsbedingungen zu entscheiden, die für sie oder ihn moralisch vertretbar sind.

Unsere Gastautorin Rebecca Tüshaus ist Mitglied des Jungen entwicklungspolitischen Forums (Jep), welches sich unter anderem für eine transparente Zertifizierung von Schokolade einsetzt. Sie studiert Politik und Nachhaltigkeit an der Hochschule Bremen.

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