Hemelingen folgt dem Vorbild aus Hannover Der erste Stadtteil gründet eine Stiftung

Bremen. Noch knapp 10 000 Euro fehlen den Hemelingern zu ihrem Glück: Dann können sie die erste unabhängige Stadtteil-Stiftung der Hansestadt aus der Taufe heben. Durch sie sollen künftig bewährte soziale und kulturelle Projekte in den fünf Ortsteilen unterstützt und neue Ideen entwickelt werden.
31.01.2010, 13:42
Lesedauer: 4 Min
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Von Melanie Öhlenbach

Bremen. Noch knapp 10 000 Euro fehlen den Hemelingern zu ihrem Glück: Dann können sie die erste unabhängige Stadtteil-Stiftung der Hansestadt aus der Taufe heben. Durch sie sollen künftig bewährte soziale und kulturelle Projekte in den fünf Ortsteilen unterstützt und neue Ideen entwickelt werden. Auf öffentliche Hilfe können sie dabei nicht bauen. Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) glaubt ohnehin, dass potenzielle Spender lieber konkrete Projekte unterstützen als eine Stiftung. Doch die Hemelinger lassen sich nicht entmutigen.

Rund 42 500 Euro hat die Gründungsinitiative zur Errichtung der Stadtteil-Stiftung im vergangenen Jahr zusammengetragen - der Wirtschaftskrise zum Trotz. 'Eigentlich haben wir drei Jahre zu spät angefangen zu sammeln', sagt Jörn Hermening, 'von daher ist es eigentlich ein umso größerer Erfolg, dass wir schon so weit sind.'

Seit Mitte 2007 hat der Quartiersmanager bereits mit Stadtteilmanagerin Henrike Neuenfeldt an der Idee gebastelt. Im April 2008 erarbeitete er ein Konzept, das als Modellvorhaben vom Programm Soziale Stadt mit 60 000 Euro ausgezeichnet worden ist. Vom Preisgeld finanziert der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der die Trägerschaft für das Projekt übernommen hat, die Stelle von Lena Rehder, die sich vorrangig um die Akquise des Vermögens kümmert und , Veranstaltungen organisiert.

Ganz neu ist die Idee dieser Form der Hilfe zur Selbsthilfe nicht: Bereits 2004 gründete sich in Hannover die erste bundesweite Stadtteil-Stiftung Sahlkamp-Vahrenheide. Auch in Achim, Syke oder Lilienthal gibt es ähnliche Modelle, mit deren Initiatoren sich Rehder ausgetauscht hat. 'Es ist natürlich von Vorteil, dass nicht alles neu erfunden werden muss', meint Jobst von Schwarzkopf vom ASB.

Bisher 23 Spender

Insgesamt 23 Spender unterstützen bislang die Stadtteil-Stiftung Hemelingen. Darunter sind nicht nur Unternehmen, die in Hemelingen ansässig sind oder sich mit dem Stadtteil verbunden fühlen. Auch Vereine, Einrichtungen und Bürger haben zum Wohl ihres Hemelingens in die Tasche gegriffen. 'Man kann nur etwas bekommen, wenn man gibt', begründet beispielsweise Bewohner Peter Riedel sein Engagement.

Für Jobst von Schwarzkopf ist diese Mischung aus gewerblichem und privatem Kapital nicht der einzige Grund, aus dem er der Stadtteil-Stiftung einen gewissen 'Laborcharakter' zuschreibt. Denn anders als bekannte Bürgerstiftungen will man in Hemelingen den 'konservativen Stiftungsgedanken mit progressiven Elementen des Vereinslebens' verbinden. Oder um es mit Jörn Hermening zu sagen: 'Wir sind eine Art Bürgerstiftung - nur demokratischer.' So kann derzeit jeder, der mehr als 500 Euro für die Stadtteilstiftung spendet, Gründungsmitglied werden und mitentscheiden, wer in den Vorstand gewählt werden soll. Dieser muss sich wiederum vor der Stiftungsversammlung rechtfertigen.

Ursprünglich wollte sich die Stiftung nur um Projekte im Ortsteil kümmern. Doch im Laufe der Zeit gelangte man zu der Überzeugung, dass auch Arbergen, Hastedt, Sebaldsbrück und Mahndorf von dem Fonds profitieren sollten. Schließlich sei der gesamte Stadtteil eine der bedeutendsten Geldquellen. 'Gut ein Viertel der Bremer Steuereinnahmen werden in Hemelingen erwirtschaftet', so Hermening. 'Der Stadtteil ist ungeheuer wichtig für das Land.'

Doch von dieser wirtschaftlichen Stärke profitieren die Bewohner selbst seiner Ansicht nach meist nur wenig; vielmehr sorgen die Folgen der großen Gewerbeansiedlungen mit Lärm-, Verkehr- und Luftbelastung immer wieder für Aufregung und Protest im Stadtteil. Um den (potenziellen) Schieflagen langfristig entgegen wirken zu können, hat sich die Stiftung vor allem die Förderung von Kultur und Bildung im Kinder- und Jugendbereich auf die Fahne geschrieben. Kostenloses Schulfrühstück in Hastedt, die Straßenfußball-Liga in Arbergen, der Circus Bambini in Mahndorf, das Musikprofil des Schulzentrums Sebaldsbrück oder eine Kunstwerkstatt für Alt und Jung in Hemelingen sind bereits bestehende Projekte, die künftig von der Stiftung unterstützt werden könnten. Aber auch neue Ideen gibt es: zum Beispiel die Förderung des Spracherwerbs bei Grundschülern oder Hilfe bei der Berufsfindung für Jugendliche.

Darüber hinaus können sich die Initiatoren vorstellen, Stipendien zu vergeben - doch dafür müsste der Kapitalstock erstmal kräftig Zinserträge abwerfen. Ein Betrag in Millionenhöhe wäre dafür von Nöten - eine Summe, von dem die Hemelinger heute noch weit entfernt sind. Trotzdem sind sie stolz auf das, was sie bisher geschafft haben. 'Die Gründung ist ein ganz wichtiger Schritt für uns', sagt Lena Rehder. Sie biete nicht nur eine bessere Ausgangslage, um weitere Spender anzuwerben, sondern zeige auch, 'dass sich die Hemelinger für ihren Stadtteil einzusetzen wollen' - frei nach dem Stiftungs-Motto: 'Ein Stadtteil macht sich stark.'

Linnert: Kein Spielraum

Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) hat mit den Beteiligten der Stiftung längere Gespräche geführt. Sie begrüße es zwar sehr, wenn sich Bürgerinnen und Bürger für ihren Stadtteil engagieren. Allerdings glaube sie, dass sich die Menschen lieber für konkrete Projekte einsetzen, statt eine Stiftung zu unterstützen. Als Finanzsenatorin sehe sie keinen Spielraum, die Stadtteilstiftung Hemelingen mit öffentlichen Mitteln zu ergänzen. Wobei sie freilich nicht vergisst darauf hinzuweisen: 'Der Haushaltsgesetzgeber ist natürlich das Parlament.'

Weitere Informationen zur Stadtteil-Stiftung Hemelingen gibt es unter Telefon 48 99 96 91

und im Internet unter

www.stiftung-hemelingen.de.

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