Die neue "Wappen von Bremen" Der Konstrukteur

Es ist ähnlich wie beim Häuserbau. Zu allererst braucht man einen Architekten. Der Architekt im Bootsbau heißt Konstrukteur, und solch einen musste die Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“ für die neue „Wappen“ nicht erst lange suchen.
09.04.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Heinz Fricke

Es ist ähnlich wie beim Häuserbau, da braucht man zu allererst einen Architekten. Der Architekt im Bootsbau heißt Konstrukteur, und solch einen musste die Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“ (SKWB) für die neue „Wappen“ nicht erst lange suchen.

Denn zu den Mitgliedern der SKWB gehört seit vielen Jahren auch der Bremer Torsten Conradi. Und der ist erstens Diplom-Ingenieur für Schiffbau und zweitens zur Hälfte Eigentümer eines der weltweit renommiertesten Konstruktionsbüros für schnelle, regattataugliche Segel-Jachten: Judel/Vrolijk & Co. in Bremerhaven.

Wer sich in der Welt des Regattasegelns auskennt, dem ist der Name geläufig – und das seit vielen Jahren. „Als der Kampf um den Admiral’s Cup noch das Nonplusultra des Hochseesegelns war, waren unsere Boote immer vorne dabei“, sagt Torsten Conradi und überschlägt schon mal: „So rund 20 Mal kamen Sieger-Boote aus unseren Konstruktionsbüros.“ Und dieser internationale Rang hat sich nicht geändert: Wer den Entwurf einer neuen Jacht bei Judel/Vrolijk in Auftrag gibt, muss sich auf Wartezeiten einstellen.

Nun also die neue „Wappen“. Nicht unbedingt ein Auftrag für Judel/Vrolijk, der sich besonders gut rechnete; das verhinderten die engen Bande zwischen Konstrukteur und der Segelkameradschaft. „Den Vorentwurf hat uns Torsten schon mal geschenkt“, erzählt der SKWB-Vorsitzende Jochen Orgelmann.

Das allerdings war schon der zweite Schritt auf dem Weg zum neuen Flaggschiff, denn erst einmal wurde darüber diskutiert, ob eine General-Überholung der alten „Wappen“ nicht auch reichen würde. Es wurde gerechnet, mit einem letztlich erfreulichen Ergebnis für die Befürworter eines Neubaus: „Eine Generalüberholung hätte auch schon fast eine halbe Million gekostet“, glaubt Torsten Conradi. Dann ging man ins Detail. Ein Bauausschuss aus Skippern mit jahrzehntelanger Erfahrung wurde gegründet, in regelmäßigen Abständen trafen sich die Mitglieder und diskutierten über alles, was die neue „Wappen von Bremen“ so haben sollte. Als umstrittenster Punkt erwies sich dabei eine vermeintliche Nebensächlichkeit: „Die haben sich die Köpfe darüber heißgeredet, ob eine zweite Toilette an Bord sein sollte“, erinnert sich Conradi.

„Dat hebt wie noch nie hebt, dat ist neumodischen Kram“, argumentierten vor allem die etwas Älteren im Bauausschuss, die sich noch daran erinnerten, dass Frauen an Bord von Hochsee-Jachten ehemals ein Unding waren. Doch das war einmal, inzwischen geht kaum ein Hochsee-Törn der SKWB ohne weibliche Crew-Mitglieder auf große Fahrt. Das sah schließlich auch die Mehrheit ein, die neue „Wappen“ wird also zwei Toiletten haben. „Aber keine Dusche, das hätte dann doch zu weit geführt“, erzählt Conradi.

Doch insgesamt wurde nicht an angemessenem Komfort gespart. Denn die neue „Wappen“ wird, wie auch die alte, keine reine Rennjacht sein, bei der es vor allem um Gewichtsersparnis auch zulasten der Bequemlichkeit geht. „Wir haben wieder ein gutmütiges Schiff konstruiert“, sagt Torsten Conradi. Und das heißt unter anderem: Zehn breitere und mit 2,05 Metern etwas längere Kojen, denn auch Segelsportler sind im Laufe der Jahrzehnte größer und schwerer geworden. Zwei weitere Schlafplätze lassen sich noch in der Messe einrichten. Und da ist auch ein Sofa geplant, ein wenig Gemütlichkeit soll schließlich sein.

FRIC

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+