Karl Engelhard von Hellmann Worldwide Logistics Der Problemlöser

Der Generalbevollmächtigte von Hellmann Worldwide Logistics redet in der Regel nicht gern über seine guten Taten. Im Gespräch mit dem WESER-KURIER macht er eine Ausnahme.
07.03.2015, 00:00
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Der Problemlöser
Von Peter Hanuschke

Tue Gutes und rede darüber – auf Karl Engelhard trifft nur der erste Teil des Zitats von Walter Fisch zu: Gutes tun – ja; darüber reden – nein. Dass der Generalbevollmächtigte von Hellmann Worldwide Logistics mit Sitz in Bremen im Gespräch mit dem WESER-KURIER eine Ausnahme macht, hat einen Grund: So kann er möglicherweise auch noch andere animieren, sich für Belange der Gesellschaft zu engagieren.

Und den passenden Anlass gab es auch: Engelhard wurde am Freitagabend im Bremer Rathaus mit der Europäischen Verdienstmedaille in Gold des gemeinnützigen Wirtschaftskomitee Deutschland ausgezeichnet.

Er fühlt sich gegenüber der Gesellschaft verpflichtet, von dem etwas zurückzugeben – was er selber erfahren hat: „Ich bin dankbar, dass ich auf meinem Berufsweg Personen getroffen habe, die mich unterstützt und bestärkt haben – die an mich geglaubt haben“, sagt der 71-Jährige, der sich selber als gläubigen Christen bezeichnet. Dieses Anliegen kommt in vielfältiger Form zum Ausdruck: So bei der Unterstützung der Martini-Gemeinde oder in seinem Engagement bei einer Stiftung, die sich der Behandlung multiple-skleroser Kranker widmet.

Aus dem Umfeld des Bremer Rathauses ist zu hören, dass Engelhard bei logistischen Problemen sofort zur Stelle ist und eine Lösung parat hat: Ob es sich nun um den kleineren Transport einer Vitrine handelt oder die umfangreichere Logistik für die Ausstellung „Blick/Wechsel – Deutsch-deutsche Städtepartnerschaften 1986 bis heute“ , die zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit in Bremen konzipiert wurde und seitdem auf Wanderschaft ist – Logistikprofi Engelhard hilft.

Dass er sich generell dafür einsetzt, wie sozial Schwächeren geholfen werden kann, liegt auch an seiner eigenen Kindheit: „Ich weiß, wie es ist, abgelegte Kleidung zu tragen“, sagt er ohne Groll. „Ich hatte trotzdem eine schöne Kindheit – meine Eltern haben alles, was ihnen möglich war, dafür getan.“ Tatsache war aber, das Geld war knapp: Sein Vater kam 1955 aus der Kriegsgefangenschaft, er war gebrochen und erst Jahre später wieder arbeitsfähig. „Meine Familie war aber stolz darauf, nicht eine Mark vom deutschen Staat als Hilfe in Anspruch genommen zu haben.“

Ein Ereignis aus seiner Kindheit – geboren wurde Engelhard 1943 in Franken – hat ihn besonders geprägt: „Als ich zehn Jahre alt war, besuchte ich einen Freund und dessen Mutter sagte mir, dass ich mich bei ihnen mit so einem abgetragenen Mantel nicht mehr blicken lassen sollte. Damals entschied ich, später so viel Geld zu verdienen, das ausreicht, um nie wieder eine solche Situation erleben zu müssen.“

Das gelang ihm. Erste Station war die Ausbildung zum Textilkaufmann, die ebenfalls prägend war: „Eigentlich war ich ein guter Schüler, aber die Pubertät ließ meine Noten in den Keller purzeln, was mein Lehrherr mit einer kräftigen Ohrfeige quittierte, aber mich wieder in die Schulbücher blicken ließ.“ Sein Lehrherr habe ihm – wenn auch auf diese unschöne Art und Weise – gezeigt, dass er an ihn glaube und überzeugt davon ist, dass „ich es schaffe, bessere Leistungen abzuliefern – was dann auch so kam“.

Selbstverständlich sollten solche Methoden nicht wieder zum Ausbildungsalltag zählen, „aber bei mir hat dieses Ereignis dauerhaft ausgelöst, dass ich mich mit jungen Leuten, die es vor allem schwieriger haben, einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle zu finden, so beschäftige und unterstützte, dass sie eine Chance bekommen, sich in ihren Stärken zu stärken und ihre Schwächen abzubauen“. Engelhard ist überzeugt davon, dass derjenige, der keinen Ausbildungs- und Arbeitsplatz findet, „zumeist für unsere Soziale Marktwirtschaft und Demokratie verloren ist“.

Wichtig ist ihm, und das bezieht er auf alle Lebensbereiche, „dass man mit offenen Karten spielt“. Es können immer mal Ereignisse auftreten, die einen aus der Bahn werfen und „darüber sollte man reden und auch Hilfe annehmen“. Schwere Zeiten und Schicksalsschläge hat er selber erlebt: Eine Tochter starb früh an Krebs, die zweite ist erblindet. „Diesen Schmerz trägt man seinen Leben lang mit sich, aber meine Frau und ich können auch Momente erleben, über die wir uns freuen – dafür sorgen vor allem unsere zwei Enkelkinder.“

Beruflich hat Engelhard eine imposante Karriere hingelegt: Nach der Lehre und Bundeswehr fing er 1964 bei Kaffee Hag in Bremen an. „Es gab keinen Posten im Außendienst, den ich nicht gemacht habe.“ Engelhard war unter anderem Verkaufsleiter für Rheinland-Pfalz, nationaler Koordinator für die Neuorganisation der „Goldenen Tasse“ und zuletzt Geschäftsführer für den Bereich Vertrieb und Marketing. 30 Jahre lang war Engelhard in der Kaffeebranche tätig. Seine letzte Station, der Wechsel zur Bremer Kaffeerösterei Gebr. Westhoff, „war ein Missverständnis. Nach eineinhalb Jahren haben wir den Fünf-Jahres-Vertrag im beiderseitigen Einverständnis aufgelöst.“

Dass das der erste Schritt für eine zweite Berufskarriere war, war ihm damals nicht bewusst. „Ich hatte mich schon damit auseinandergesetzt, mich ganz aus dem Berufsleben zurückzuziehen. Ich hatte damals schon ein sehr schlechtes Gewissen, was ich meiner Familie durch die vielen Umzüge alles zugemutet hatte.“

Es kam alles anders – auch für die gesamte Familie Engelhard, denn Bremen wurde ab 1991 zu ihrem dauerhaften Wohnsitz. Auslöser war ein Anruf von Jost Hellmann. „Ich kannte ihn aus früheren Geschäftsbeziehungen und er fragte mich – und das würde er auch nur einmal tun –, ob ich bei Hellmann eine Führungsposition übernehmen möchte.“ Das Ja sei sehr spontan gekommen, „weil ich mir dachte, auch ohne Ahnung vom Speditionswesen zu haben, dass es nicht schwer sein kann, Lastwagen von A nach B zu bewegen“. Das war natürlich ein Irrtum: „Inzwischen kann mir keiner mehr was in Sachen Logistik vormachen, aber als ich mit 52 Jahren bei Hellmann anfing, war ich der teuerste Azubi, den das Unternehmen je hatte und voraussichtlich haben wird.“

Engelhard erzählt nicht ohne Stolz von seiner Karriere. „Das hat vor allem deshalb so funktioniert, weil ich Spaß an der Arbeit hatte, und habe und ich Personen begegnet bin, die mir vertraut und mich unterstützt haben.“ Und eine Person sei dabei besonders hervorzuheben – seine Frau, die er vor fast 50 Jahren heiratete und die auf eine eigene Karriere verzichtete, um sich um all die Dinge des Alltags zu kümmern, die einer Leistung bedürfen, wie sie in jedem Beruf notwendig wäre. „Ich würde sie sofort wieder heiraten.“

Zu der verliehenen Europäischen Verdienstmedaille sagt Engelhard: „Ich freue mich natürlich über diese Auszeichnung. Tragen werde ich sie aber deshalb nicht.“ Das hätte auch nicht zu ihm gepasst: Schon in der Vergangenheit hätte er den einen oder anderen Ehrentitel eines Landes bekommen können, in denen er sich an Hilfsprojekten beteiligt hatte – stattdessen hatte er sich als Dankeschön alternativ für Urkunden entschieden, die nun in seinem Büro hängen. Und diese Einstellung entspricht auch dem, wie sich Engelhard selber sieht, „als ganz normale Person, die nichts besonders ist und genauso wie jede andere ihre Fehler hat“.

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