Kommentar über Nährwert-Logos

Die bessere Lösung: Logos statt Nährwerttabellen

Ein einfaches, leicht verständliches Nährwert-Logo für den gesamten EU-Raum - unsere Gastautorin Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen hält das für möglich.
18.07.2019, 18:42
Lesedauer: 2 Min
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Von Annabel Oelmann
Die bessere Lösung: Logos statt Nährwerttabellen
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Wie gesund ist die Pizza? Damit das auf den ersten Blick klar ist, braucht es statt Zahlensalat im Kleingedruckten auf der Rückseite ein einfaches, leicht verständliches Nährwert-Logo auf der Vorderseite der Verpackung. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft will nun mindestens 1000 Verbraucher befragen, welches von vier Kennzeichnungsmodelle am besten verstanden wird. Die Ergebnisse sollen im September vorliegen. Anschließend will die Bundesregierung ein Modell offiziell bei der EU für die Verwendung in Deutschland registrieren lassen.

Ich bin mir sicher, dass leicht verständliche Aufdrucke auf Verpackungen möglich sind. Grün, gelb, rot – diese Farben zur Zusammensetzung oder zum Nährstoffgehalt von Lebensmitteln versteht man auf einen Blick. Mit einem Ampelsystem, das auf solche Farben setzt, lassen sich die größten Fettfallen und Zuckerbomben ganz einfach erkennen. Eine farbige Nährwertkennzeichnung kann damit helfen, eine bessere Ernährung umzusetzen und Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Für diese Ziele ist der Nutri-Score mein Favorit.

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Der Nutri-Score ist eine farbliche Nährwertkennzeichnung, die verschiedene Eigenschaften eines Lebensmittels zusammenfasst und auf einer fünfstufigen Skala – von einem grünen A bis zu einem roten E – bewertet. Diese Punkteliste bewertet also nicht nur einzelne Komponenten, wie Zucker oder Fett, sondern auch den Obst- oder Gemüseanteil im gesamten Lebensmittel.

Der Nutri-Score wird jeweils vorne auf die Verpackung eines Lebensmittels gedruckt. Die Grundlage für die Berechnungen bilden jeweils 100 Gramm oder 100 Milliliter des Lebensmittels. Verbraucher können mit Hilfe der Skala beim Einkauf eine bewusste Entscheidung für eine ausgewogene Ernährung treffen. Darüber hinaus soll der Nutri-Score Lebensmittelhersteller motivieren, Produkte zu verändern: Rezepturen überarbeiten und die Nährwerte ausgewogener gestalten, um sich der Konkurrenz gegenüber zu profilieren.

Unser Nachbarland Frankreich hat 2017 den Nutri-Score eingeführt. Auch Belgien, Spanien, Portugal, Schweiz und Luxemburg nutzen das Label. Dem Beispiel sollte Deutschland dringend folgen. Klar ist: Es braucht ein einheitliches, europaweites System, das für alle Hersteller Pflicht ist. Deshalb unterstütze ich die europäische Bürgerinitiative „Pro Nutri-Score“, mit der die EU-Kommission aufgefordert wird, den Nutri-Score flächendeckend und verpflichtend in Europa vorzuschreiben.

Info

Zur Person

Unsere Gastautorin ist seit 2016 Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen. Zuvor war die 41-Jährige gebürtige Lübeckerin Bereichsleiterin in der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

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