Interview mit Frank Imhoff über den Wesertunnel "Die Bürger haben gute Chancen"

Bremen. Der CDU-Abgeordnete Frank Imhoff ist davon überzeugt, dass bei den Planungen des Wesertunnels Fehler gemacht worden sind. Im Interview mit Michael Brandt spricht Imhoff auch über mögliche Auswege.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

Anfang November entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über den Abschnitt 2.2 der Autobahn 281 bei Kattenturm. Gleichzeitig haben auch die Bürger in Seehausen Klage gegen einen weiteren Bauabschnitt eingereicht, den Wesertunnel in seiner jetzt geplanten Variante. Der CDU-Abgeordnete Frank Imhoff ist überzeugt, dass bei den Planungen Fehler gemacht worden sind. Mit ihm sprach Michael Brandt über mögliche Auswege.

Warum Sind Sie als CDU-Bürgerschaftsabgeordneter gleichzeitig Mitglied der Interessengemeinschaft Seehausen?

Frank Imhoff: Weil ich meine, dass die Interessengemeinschaft bodenständig ist und mit Augenmaß an die Auseinandersetzung um den Wesertunnel der A 281 herangeht. Ich bin mir sicher, dass die Bürger mit Ihrer Klage gegen die jetzigen Planungen richtig gute Chancen haben zu gewinnen.

Warum?

Erstens haben Gutachter bereits vor Jahren festgestellt, dass die Kostenberechnungen für den Tunnel falsch sind. Und zweitens hat die Stadt jetzt von sich aus gesagt, dass sie auf Baumaßnahmen verzichtet, solange das Verfahren läuft. Das verstehe ich als Eingeständnis, dass man im Verkehrsressort selbst nicht hundertprozentig überzeugt ist.

Die Bürger argumentieren, dass ihnen schon 1993 eine verträgliche Tunnelvariante versprochen worden ist. War es seitens des - damals rot-schwarzen Senats - die richtige Entscheidung, aus Kostengründen von diesem Versprechen abzurücken?

Man hätte sich auf alle Fälle wesentlich früher auf einen Kompromiss einigen sollen. Dass man das nicht getan hat, bringt heute das gesamte Vorhaben in Gefahr.

Sind Sie gegen den Tunnel?

Nein. Ich sage aber, dass die Planungen mit immensen Risiken behaftet sind, weil sie angreifbar sind und man die Bedenken vor Ort nicht ernst genommen hat. Für Bremen ist es sehr wichtig, dass der Autobahnring geschlossen wird. Wenn die Seehauser vor Gericht recht bekommen, wird es den Tunnel so wie er geplant ist, im Einschwimm- und Absenkverfahren, nicht geben. Ob das Gericht die Auflage macht, den Tunnel landeinwärts um rund 200 Meter zu verlängern, wäre Spekulation.

Wäre es dann nicht besser, wenn man die alten Versprechen gegenüber den Bürgern aufgreift und einen langen Bohrtunnel baut?

Bei zuletzt nur noch neun Millionen Euro Unterschied und der dafür gegebenen Rechtssicherheit hätte man das machen sollen. Wenn die Stadt jetzt vor Gericht verliert, muss der Bohrtunnel komplett neu geplant werden, und dadurch würden wieder Jahre verloren gehen.

Kann man nicht jetzt noch den Bürgern mit einem Angebot entgegen kommen und sich die Gerichtsverhandlung sparen?

Die Situation ist dafür meines Erachtens zu festgefahren. Politik und Verwaltung auf der einen Seite und die Bürger auf der anderen Seite halten mit großer Beharrlichkeit an ihren Positionen fest. In den vergangenen Jahren ist großes Misstrauen gewachsen und die Chance vertan worden, zu einer Einigung zu kommen. Verkehrssenator Reinhard Loske hat zu Beginn der Legislaturperiode die Gelegenheit nicht genutzt, den Tunnel noch einmal umzuplanen.

Loske hat den Bürgern eine Verlängerung des Tunnels um mehr als 100 Metern angeboten. Hätten nicht die CDU-Amtsvorgänger Jens Eckhoff und Roland-Mike Neumeyer viel eher die Chance gehabt, einen Kompromiss zu erreichen?

Nein, der runde Tisch hat ja erst gegen Ende der letzten Legislaturperiode seinen Abschlussbericht vorgelegt. Somit musste der neue Bausenator die nächsten Schritte auf dem Weg bringen. Herr Loske verhält sich übrigens mehr wie ein baupolitischer Traumtänzer. 100 Meter sind kein Kompromiss, die letzte Chance, sich zu einigen, hat das Ressort damit vergeben.

Sollte die Politik noch einmal in das Verfahren eingreifen?

Jetzt kann man nichts mehr machen. Jetzt müssen wir abwarten, was die Gerichtsentscheidungen ergeben.

Müssen die Entschädigungsforderungen der Stahlwerke, deren Höhe noch nicht genau bekannt ist, zu einer Neubewertung der Tunnelvarianten führen?

Im Hintergrund findet ein Riesen-Geschacher statt. Egal, ob am Ende zwölf Millionen, 36 Millionen Euro oder noch mehr herauskommen. Für mich ist jetzt schon klar: Auch der Einschwimm- und Absenk-Tunnel wird wesentlich teurer, als ursprünglich geplant.

Betroffene Bürger in Strom warten außerdem auf die B212, die den Verkehr aus Richtung Berne zur Autobahn bringen soll. Das Projekt verzögert sich.

Mitte der 80er Jahre, als das Güterverkehrszentrum entstanden ist, ist den Bürgern im Niedervieland bereits eine Entlastung versprochen worden. Die Fertigstellung der B212 ist bereits mehrfach verschoben worden und soll nach dem jetzigen Stand 2020 kommen. Das hat enorme Auswirkungen, weil dem Wesertunnel dann über Jahre der Anschluss in Richtung Norden fehlt. Die Stromer Landstraße, die eigentlich entlastet werden sollte, ist inzwischen zum Autobahnzubringer geworden. Das ist nicht akzeptabel.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+