Eine Legende vor der Rückkehr nach Bremerhaven

Die Lloyd-Werft könnte die "United States“ beherbergen

Die Kreuzfahrt-Reederei Crystal Cruises plant eine Renaissance für den schnellsten Ozeanliner, der je den Atlantik überquert hat. Und für Bremerhaven gibt es eine kleine Chance zu restaurieren.
11.02.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Volker Kölling
Die Lloyd-Werft könnte die "United States“ beherbergen

Die „United States“ war einst ein luxuriöser Liner. Doch diese Zeiten sind vorbei. Nur durch eine Spendenaktion konnte das Schiff vor dem Abwracker gerettet werden.

Die Kreuzfahrt-Reederei Crystal Cruises plant eine Renaissance für den schnellsten Ozeanliner, der je den Atlantik überquert hat. Und für Bremerhaven gibt es eine kleine Chance zu restaurieren.

Die Kreuzfahrt-Reederei Crystal Cruises plant eine Renaissance für den schnellsten Ozeanliner, der je den Atlantik überquert hat. Und für Bremerhaven gibt es eine kleine, aber reelle Chance, die „United States“ ein 168. Mal wieder zu sehen: Crystal Cruises gehört wie die Lloyd-Werft zum Genting-Konzern mit Sitz in Hongkong. Und Ingenieure der Werft helfen derzeit mit, einen Plan für die Wiederauferstehung des 300 Meter langen US-Wahrzeichens zu entwerfen. Bremerhaven käme dann für den Umbau in Frage.

„Wir sind noch in einem ganz frühen Stadium. Aber wir sind von der Genting-Group schon im Oktober nach unserer Expertise bei dem Projekt gefragt worden,“ sagt Lloyd-Werft-Finanzvorstand Carsten J. Haake. Ein Projektteam sei im Einsatz: „Wir haben das Schiff schon gesehen. Die Grundstruktur ist in jedem Fall so gut, dass man noch etwas daraus machen kann.“ Nach den Werftkapazitäten in Bremerhaven gefragt, bestätigt Haake, dass bereits nach Umbauslots geschaut worden ist: „Das Projekt würde schwierig, aber wir finden dafür schon Lösungen.“

Bis heute das schnellste Schiff

Einige Arbeiten sind praktisch auch schon erledigt: Bei einem der zahlreichen früheren Umbauversuche ist das mit 53 329 Bruttoregistertonnen vermessene Schiff bereits innen komplett entkernt worden. Der Asbest aus dem Baujahr 1952 wurdet schon vor Jahren entfernt – eine teure und aufwendige Sanierung sei also nicht zu befürchten.

Insgesamt 78 Millionen US-Dollar hat die „United States“ bei ihrem Bau gekostet. 50 Millionen steuerte damals die US-Regierung bei, um in Zeiten des Kalten Krieges mit dem schnellen Liner als Truppentransporter bis zu 15 000 Soldaten in Krisengebiete bringen zu können. Im Juli 1952 absolvierte sie ihre Jungfernfahrt von New York nach Southampton in drei Tagen, zehn Stunden und 40 Minuten. Bis heute hält das schlanke Schiff das Blaue Band für die schnellsten Atlantiküberquerung. Die zwei markanten Schornsteinen haben ihr den Beinamen „The Big U – das große U“ eingebracht.

Nicht mehr rentabel

Die Reederei Crystal Cruises schätzt, das ein Umbau nach ihren Vorstellungen etwa 800 Millionen US-Dollar kosten wird. Unumwunden gibt Crystal-Präsident und Geschäftsführer Edie Rodriguez zu, dass ein Neubau nicht teurer wäre: „Es ist aber ein echtes Privileg für uns als weltweit anerkannt luxuriöseste Kreuzfahrtreederei die Gelegenheit zu bekommen, dieses Schiff zu restaurieren.“ Die „United States“ sei als Symbol für Patriotismus und maritime Vorherrschaft auf den Weltmeeren erhalten worden. „Wir werden sie in unsere Zeit bringen und gleichzeitig unseren Gästen einen Eindruck vermitteln vom Glanz einer vergangenen Ära von Luxusreisen“, sagt Rodriguez.

Tatsächlich liest sich die alte Gästeliste der „United States“ wie ein „Who is who“ der amerikanischen Nachkriegs-High-Society: Die drei US-Präsidenten Dwight Eisenhower, Harry S. Truman und John F. Kennedy residierten an Bord genauso wie Marilyn Monroe, berühmte Sportler und Reiche. Insgesamt transportierte das Schiff bis zum Ende seines Liniendienstes 1969 etwa eine Million Passagiere – und das mit bis zu 36,08 Knoten Spitzengeschwindigkeit. Die 177 833 Kilowatt Leistung, die auf vier mächtige Propeller übertragen wurden, stammten aus Turbinen, die eigentlich für Flugzeugträger der US-Navy konstruiert waren. In diesem Antrieb lag aber auch ein Grund, warum sich das Schiff 1969 nach nur 17 Jahren im Dienst nicht mehr rentabel betreiben ließ.

Luxus muss sein

Das Aus für die „United States“ wurde aber nie wirklich akzeptiert. Den letzten großen Umbauanlauf unternahm die auch in Bremerhaven durch die „Norway“ bestens bekannte Norwegian Cruise Line (NCL) vor mehr als zehn Jahren. 2004 vergab NCL schon einmal eine Durchführbarkeitsstudie für eine Revitalisierung des berühmten Schiffs. NCL gehörte damals zu Star Cruises und Star Cruises einem gewissen Sri Lim Kok Thay – dem Chef des Genting-Konzerns und Lloyd-Werft-Eigners. Schon 2006 gab es eine Ankündigung für die Wiedergeburt der „United States“ durch Star Cruises.

Schließlich rettete die Stiftung „SS United States Conservancy“ das Schiff mit drei Millionen US-Dollar an Spendengeldern vor dem Abwracker. In einer in den USA einzigartigen Spendenaktion hatten sich Schiffsenthusiasten und Patrioten zusammen gefunden. Im Oktober ging der Stiftung jedoch das Geld aus. Und die „United States“ war wieder zu haben. Die Interessenten mit Wurzeln aus Asien übernahmen schnell die Liegeplatzkosten von 60 000 Dollar monatlich im Hafen von Philadelphia. Jetzt gab es gleich eine gemeinsame Erklärung von Stiftung und Crystal Cruises aus New York zum Kauf des Schiffes und den Umbauplänen.

Selbst erste Computerentwürfe, die nur leicht veränderten Silhouette zeigen, gibt es schon. Schnell wird klar: Ohne Balkone, Anbauten und Terrassen geht es heute nicht. 400 Suiten teils mit mehr als 100 Quadratmetern Fläche sollen maximal 800 Kreuzfahrtgäste beherbergen. Der ehemalige US-Coast-Guard-Admiral Tim Sullivan ist aktiviert worden, um das Team zu steuern, das jetzt die Machbarkeitsstudie für den Umbau Stück für Stück bearbeitet. Geklärt werden müsste dabei auch, ob die Amerikaner ihre „United States“ für den Umbau über den Atlantik fahren lassen. So wie früher, als Bremerhaven fast zwei Jahrzehnte der zweite Heimathafen war.

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