Spannungsgebiet Golfregion Die Saudis und der Krieg im Jemen

Dass die Golfregion ein Spannungsgebiet ist, lässt sich nicht bestreiten. In mehreren Kriegen und Konflikten konkurrieren vor allem die regionalen Großmächte Saudi-Arabien und Iran.
24.03.2016, 09:37
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Die Saudis und der Krieg im Jemen
Von Joerg Helge Wagner

Dass die Golfregion ein Spannungsgebiet ist, lässt sich nicht bestreiten. In mehreren Kriegen und Konflikten konkurrieren vor allem die regionalen Großmächte Saudi-Arabien und Iran.

Das wahabitische Königreich vertritt als Hüter der heiligsten Stätten des Islam die Mehrheitsrichtung der Sunniten. Die Islamische Republik Iran hingegen versteht sich als Führungsmacht der schiitischen Minderheit innerhalb der Gläubigen.

Im Jemen, dem südlichen Nachbarn Saudi-Arabiens, unterstützt Iran deshalb die schiitischen Huthi-Rebellen. Saudi-Arabien greift seit einem Jahr an der Spitze einer arabischen Koalition auf Seiten der gewählten Regierung des Präsidenten Rabbo Mansur Hadi aktiv militärisch ein. Die Luftwaffe der Koalition bombardiert vor allem Stellungen und Städte, die von den Huthis gehalten werden oder erobert worden. Dabei macht man auch vor der Hauptstadt Sana’a nicht halt – Hadi regiert den ihm verbliebenen Teil des Jemen von der Hafenstadt Aden aus. Andere Häfen des Jemen – vor allem Hudaydah – werden von der saudischen Marine blockiert, worunter auch die Versorgung der Zivilbevölkerung leidet. Deshalb forderte die Uno schon im Juni ein Ende der Blockade.

Tom Leiermann zeichnet ein differenzierteres Bild. Der Bremer Architekt lebt seit vielen Jahren im Jemen, ist mit einer Jemenitin verheiratet und zum Islam konvertiert. „Die Versorgungslage ist sehr schlecht“, sagt er während eines Aufenthalts in Bremen, „aber die Saudis sind nicht die Bösewichte.“ Im ganzen Südosten des Landes, dem Hadramaut, seien die Huthis verhasst: „Die Menschen dort sind 100-prozentig mit den Saudis, bis hin zum Anschluss.“

Das liege nicht etwa daran, dass man das ultra-konservative Königreich so attraktiv finde. Vielmehr nehme man den Huthis übel, dass sie mit ihrem Allmachtsanspruch den demokratischen Prozess des arabischen Frühling im Jemen, vor allem den entstehenden Föderalismus, „systematisch torpediert hätten“.

Lesen Sie auch

Der Bremer, der früher am Erhalt des Weltkulturerbes Schibam arbeitete und sich heute für eine österreichische Hilfsorganisation engagiert, geht mittlerweile sehr weit: „Vielleicht haben die Saudis sogar zu spät interveniert.“ Denn inzwischen hätten sich die Huthis mit dem gestürzten Langzeitpräsidenten Ali Abdallah Saleh verbündet, obwohl auch der sie jahrelang bekämpft hatte. Von dem Bürgerkriegschaos profitierte vor allem die Islamisten-Truppe Al-Kaida, die vorübergehend auch Schibam terrorisierte.

Allerdings ist der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus für die Saudis und ihre verbündeten Golfstaaten weit nach hinten gerückt. Schon im Herbst hätten sie die Beteiligung an Luftangriffen gegen Daesch in Syrien und Irak stark verringert, erklärt Arabien-Experte Matthias Sailer von der Stiftung Wissenschaft und Politik. „Dies macht deutlich, dass der Krieg im Jemen – und damit vor allem die Eindämmung Irans – derzeit einen höheren Stellenwert hat.“ Ähnlich beschrieb es bereits im Dezember der BBC-Korrespondent Frank Gardner.

Sailer betont zudem, dass vor allem Saudi-Arabien als auch Katar beste Beziehungen zu den ebenfalls islamistischen Muslimbrüdern pflegen, die nach Ende des arabischen Frühlings vom Militärregime aus Ägypten vertrieben wurden. Die Muslimbrüder seien wiederum auch Bestandteil der jemenitischen Sammlungsbewegung Islah, die gegen den Vormarsch der Huthis kämpft.

Und die Seeblockade? „Mukalla war immer offen“, sagt Leiermann – allerdings sei die Hafenstadt an der Südküste heute weitgehend unter der Kontrolle von Al-Kaida. Auch der BBC-Bericht spricht nur von einer „teilweisen Blockade“. Hudaydah an der Westküste hingegen werde als „Waffenhafen“ der Huthis tatsächlich von den Saudis blockiert, bestätigt Leiermann. Natürlich habe dies Auswirkungen vor allem im dicht besiedelten Westen und Norden des Landes. In Tais, der zweitgrößten Stadt des 26-Millionen-Einwohner-Staates, arbeiten laut Leiermann „von 20 Krankenhäusern noch drei“. Am schlimmsten sei aber, dass der Jemen bislang keine positive Perspektive habe.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+