Die neue "Wappen von Bremen"

Die Vorgeschichte

Die neue Wappen ist im Bau. Und wenn alles passt, wird sie im Frühsommer 2016 in Dienst gestellt. Damit wurde ein Meilenstein in der Geschichte der Segelkameradschaft gesetzt – mit einer jahrelangen Vorgeschichte.
09.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Heinz Fricke
Die Vorgeschichte

Das Modell der neuen „Wappen von Bremen“, wie es Judel & Vrolijk entworfen haben. Der Mast misst stolze 24,30 Meter, das Großsegel 87 Quadratmeter.

Torsten Conradi, FR

Am ersten Sonnabend im November treffen sich die Mitglieder der Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“ (SKWB) schon seit Jahrzehnten in der Oberen Rathaushalle zum Hochseeseglerabend, dem gesellschaftlichen Höhepunkt des Jahres. Und als es im Spätherbst des vergangenen Jahres wieder so weit war, hatte Vorsitzender Jochen Orgelmann eine alle begeisternde Nachricht zu verkünden: „Die neue Wappen ist im Bau. Und wenn alles passt, wird sie im Frühsommer 2016 in Dienst gestellt.“

Damit wurde ein Meilenstein in der Geschichte der Segelkameradschaft gesetzt – mit einer jahrelangen Vorgeschichte. Denn schon über drei Jahre vorher war es unter den Mitgliedern der SKWB ein immer wiederkehrendes Gesprächsthema gewesen: Wann kommt eine neue „Wappen“? Es schien an der Zeit, sich allmählich Gedanken über einen Nachfolger des aktuellen Flaggschiffs der SKWB zu machen.

Schließlich hatte die alte „Wappen“, ein speziell für Langfahrten gedachtes Holzschiff, die Weltmeere inzwischen etliche Male durchkreuzt. Genauer: Über eine halbe Million Seemeilen sind im Fahrtenbuch verzeichnet. Doch das soll noch längst nicht alles sein: „Die alte Wappen hat erst rund die Hälfte ihres Lebens hinter sich. Das Boot ist hundertprozentig in Ordnung“, sagt Orgelmann. Dennoch soll sie nun verkauft werden – aus einem sehr menschlichen Grund: „Die Entwicklung ist rapide weitergegangen. Und man will ja irgendwann auch ein neues Auto fahren“, sagt der Präsident.

Rund eine Million Euro Kosten

Die „Wappen von Bremen“ geht allerdings etwas mehr ins Geld als etwa ein neuer Mercedes. Rund eine Million Euro sind aufzubringen, und das hat die 700 Mitglieder starke SKWB allein aus eigener Kraft geschafft, ohne öffentliche Zuschüsse. Allerdings auch nicht gerade mit lockerer Hand. „Wir hätten die Entscheidung gerne schon zwei Jahre vorher getroffen. Aber da reichte das Geld noch nicht“, sagt Orgelmann.

Doch dann strengte sich der „Patenring“ des Vereins, ein Zusammenschluss von etwas mehr als 100 fördernden Mitgliedern, noch einmal richtig an und schaffte die benötigte Summe. „Es gibt Einzahlungen zwischen 20 und 20 000 Euro. Jeder entsprechend seinen Möglichkeiten“, lobt Orgelmann die Mitglieder. Und die Gefahr unerwarteter Preissteigerungen, wie ansonsten bei Großbauten durchaus an der Tagesordnung, besteht nicht. Orgelmann: „Der Festpreis ist abgemacht.“

Zwei Dinge waren dem neunköpfigen Bauausschuss der SKWB, besetzt durchweg mit erfahrenen Schiffern des Vereins, sofort klar: Zum einen sollte es einen Aluminium-Rumpf erhalten, im Gegensatz zur Holzkonstruktion der alten „Wappen“. Denn Aluminium ist leichter als Holz, sehr schwer verformbar und daher bestens geeignet, auch mal Kollisionen mit kapitalen Eisschollen zu überstehen, wie sie der „Wappen“ bei ihren Törns in nördliche Regionen immer wieder begegnet sind. Und außerdem ist Aluminium, sofern es sich um einen Einzelbau handelt, billiger als Kunststoff. Kunststoff-Konstruktionen, die vorab eine komplette Form benötigen, lohnen sich erst in größeren Serien – und wären im Fall der „Wappen“ rund 200 000 Euro teurer gekommen.

Zum zweiten sollte das Schiff in der Region gebaut werden, von auf kleine Jachten spezialisierten mittelständischen Unternehmen. Orgelmann: „Bei international aktiven Großwerften wie Lürssen oder Abeking & Rasmussen brauchen wir mit solch einem Auftrag gar nicht erst anzufragen. Die spielen in einer Welt-Liga und bedienen die Milliardäre.“

Keine Probleme gab es bei der Frage nach einem namhaften Konstrukteur. Das Bremerhavener Konstruktionsbüro Judel/Vrolijk & Co. hat in internationalen Segler-Kreisen einen exzellenten Ruf. Und da traf es sich gut, dass Torsten Conradi, der Geschäftsführende Gesellschafter und Miteigentümer des weltweit operierenden Konstruktionsbüros, auch seit Jahrzehnten Mitglied der SKWB ist. „Den Vorentwurf hat er uns kostenlos gemacht“, würdigte Orgelmann das in diesem speziellen Fall besonders hoch geschätzte Klubmitglied.

FRIC

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