Ex-Senator Jens Eckhoff im WESER-KURIER-Interview "Dies ist die letzte Chance für die CDU"

Bremen. Der ehemalige Fraktionschef und Senator Jens Eckhoff spricht im Interview mit dem WESER-KURIER über den Machtkampf bei den Bremer Christdemokraten und seine eigenen Ambitionen hinsichtlich der Bremer CDU-Spitze.
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Bremen. Würde sich der ehemalige Fraktionschef und Senator Jens Eckhoff um den CDU-Vorsitz bewerben? Viele rechneten fest mit seiner Kandidatur, aber er trat nicht an, sodass es beim Duell zwischen Rita Mohr-Lüllmann und Thomas Röwekamp bleibt. Nach dieser Klärung sprach Wigbert Gerling mit Jens Eckhoff, der aufgeräumt und manchmal mit einem Augenzwinkern auf die Fragen antwortete. Auch wenn die Entscheidung um den Landesvorsitz nun ohne ihn fällt - Eckhoff macht deutlich, dass er der Politik keineswegs abschwört. Im Gegenteil: Er erwägt, sich um die CDU-Spitze in Bremen-Stadt zu bewerben.

Na, haben Sie sich nicht getraut, für den CDU-Landesvorsitz zu kandidieren?

Jens Eckhoff: Diese Frage wundert mich, zumal mir meist vorgehalten wird, dass ich mich zu oft traue. Auf jeden Fall kroch in mir nicht Panik bei dem Gedanken auf, ich müsste die Bremer CDU führen. Ich bin ja auch nicht schweißgebadet Fraktionsvorsitzender oder Bausenator geworden.

Ihnen wird attestiert, Sie bekämen lediglich rund 25 Prozent der Partei hinter sich.

Hätten sich einige weitere Kandidaten gefunden, hätte ich mit 25 Prozent ja eine Chance gehabt.

Kann schon diese Antwort nicht als Beleg dafür betrachtet werden, was Ihnen angekreidet wird: Sie sind manchmal zu frech und ärgern Parteifreunde.

Was stimmt ist, dass ich offen und ehrlich vorgehe, meinetwegen manchmal auch frech, aber ich mache nichts hinterrücks oder verklemmt.

Nun stehen Mohr-Lüllmann und Röwekamp zur Wahl. Zu beiden ist intern Kritik zu hören. Er sei Nebenerwerbs-Vorsitzender, der viel Zeit als Rechtsanwalt verbringe; sie sei politisch nicht ausgebufft genug. Finden Sie beide nicht überzeugend?

Beide sind doch gut! Warten wir einmal die Entscheidung der Partei ab. Die Lage ist doch jetzt ganz übersichtlich: Einer von beiden wird weniger als 50 Prozent der Stimmen bekommen. Und der andere erhält mehr als 50 Prozent - der ist dann gewählt.

Oder die.

Genau - oder die.

Nun folgt die Mitgliederbefragung. Wen wünscht sich Jens Eckhoff als neuen Chef, wenn er denn schon selbst nicht antritt?

Das Leben ist kein Wunschkonzert. Wir werden uns nun auf den vier Regionalkonferenzen die Darbietungen ansehen, dann wissen wir, wer die Klaviatur besser spielt.

Wäre angesichts der CDU-Krise und der Kritik an den beiden Kandidaten nicht ein Bernd Neumann der Knüller? Er genießt hohes Renommee als Staatsminister und kann nachweislich Parteiarbeit.

Richtig. Er würde bei dieser bevorstehenden Darbietung im Parteikonzert bestimmt gute Kritiken im Feuilleton bekommen. Aber: Trotz intensiver Beratungen hat auch er sich offenbar nicht getraut.

Oder ein Hartmut Perschau als Übergangskandidat zur Befriedung der CDU?

Der traute sich wohl auch nicht. Und ich kann verstehen, dass in einer gespaltenen Partei kein Interesse besteht, sich womöglich einer öffentlichen Diffamierung durch die Gegenseite auszusetzen. Ein solcher Zustand aber ist für die Christdemokraten nicht haltbar. Das muss sich schnell ändern.

Geht der Konflikt der Lager in der CDU nun nicht doch weiter, ganz gleich, wer gewinnt - Rita Mohr-Lüllmann oder Thomas Röwekamp?

Nicht automatisch. Ich bin allerdings fest überzeugt, dass es eine der letzten Chancen für die CDU-Bremen ist, jetzt mit einem fairen Wettbewerb dazu beizutragen, dass sich die Lage der Partei deutlich verbessert.

Haben Sie denn Ihr politisches Engagement nun zu den Akten gelegt?

Überhaupt nicht. Ich werde mich wahrscheinlich um die Funktion des CDU-Kreisvorsitzenden Bremen-Stadt bewerben.

Also gegen Gerling antreten...

...nicht gegen Sie, aber Ihr Namensvetter Hans-Georg Gerling gibt sein Amt wohl ab, und wenn im März die Spitze des Kreisverbands neu gewählt wird, trete ich an.

Damit wären Sie der Chef der gesamten stadtbremischen Christdemokraten.

Das ist in der CDU in der Tat ein großer Verband. Ich denke, die Partei in der Stadt kann ihr Profil ruhig noch weiter schärfen.

In der Jungen Union läuft es immer so, dass der Kreisvorsitzende anschließend der Landesvorsitzende wird. Modell Eckhoff, Modell Zukunft?

Die Frage stellt sich doch zur Zeit gar nicht. Ich möchte mich dann zunächst voll auf den stadtbremischen Kreisverband konzentrieren. Bei dem jetzt anstehenden Wettbewerb zwischen Rita Mohr-Lüllmann und Thomas Röwekamp um die CDU-Spitze geht es darum, wer die CDU in den kommenden beiden Jahren führt. Diese Entscheidung ist keine Entscheidung darüber, wer CDU-Spitzenkandidat zur Bürgerschaftswahl 2015 wird.

Wenn die Amtsperiode für den neuen Chef oder die neue Chefin jetzt bis 2014 läuft, dann wird es ja eigentlich erst anschließend richtig spannend, wenn der Parteichef für die Phase gekürt wird, in die die Bürgerschaftswahl fällt.

Wo Sie recht haben, haben Sie recht.

Das Team Mohr-Lüllmann-Röwekamp hatte bei der Wahl im Mai 20,4 Prozent geschafft. Ist das heute das Optimum, was die CDU-Bremen herausholen kann?

Die Christdemokraten können in der Hansestadt Stimmen in einer Bandbreite von 18 bis 32 Prozent sammeln. Wenn es in diesem Jahr eher am unteren Ende dieser Skala gelegen hat, dann lag das auch an ungünstigen bundespolitischen Verhältnissen.

Das sagen alle.

Um Ausreden ist die Politik nie verlegen.

Hand aufs Herz: Ihr wahres politisches Ziel ist es doch, als Bürgermeister ins Rathaus einzuziehen. Sind Sie angesichts der Lage der CDU-Bremen da nicht langsam vollends entmutigt?

Totgesagte leben länger. Das gilt für die Partei - das gilt für mich.

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