Gastbeitrag zur digitalen Transformation

Digitalkompetenz wird über gesellschaftliche Teilhabe entscheiden

Wir dürfen die Digitalisierung nicht ignorieren, betont die Direktorin der Bremer Landesmedienanstalt. Stattdessen sollten wir lernen, mit den neuen Medien umzugehen.
08.03.2019, 13:40
Lesedauer: 2 Min
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Von Cornelia Holsten

Bevor Sie mich googeln: Ich bin ein Kind der Siebziger. In meiner Kindheit gab es noch Telefone mit Wählscheibe. Kurz nach meinem Abitur wurde das Internet erfunden und der Aufbau einer Verbindung löste damals noch diesen grässlich schrillen Fiepton aus. Und heute? Alle Kinder, die 2019 eingeschult werden, kennen keine anderen Handys als Smartphones und können sie souverän mit Wischbewegungen bedienen.

Aktuell sind Sprachassistenten auf dem Vormarsch. Sie überschwemmen den Markt sturzflutartig und werden schon bald die gerade erlernten Wischbewegungen wieder ablösen. Warum? Die Stimme ist seit jeher die menschlichste Kommunikationsform. Menschen fühlen sich gut, wenn sie angenehme Stimmen hören.

Alexa, Siri und Co., sind mit einem Preis verbunden: Das digitale Leben bezahlen wir mit unseren Daten. Wir meckern zwar darüber, haben das aber weitgehend akzeptiert, weil personalisierte Nutzung angenehm und praktisch ist. Jeder, den Sie fragen, ob ihm Datenschutz wichtig ist, wird diese Frage heftig nickend bejahen. Aber kaum einer verzichtet deswegen auf die Nutzung des Smartphones und datensensibler Apps.

Um zu wissen, ob der Preis unserer Daten angemessen ist, brauchen wir Digitalkompetenz. Künstliche Intelligenz und Algorithmen sind schon lange keine Themen mehr für einsame Nerds mit dunklen Augenringen, Künstliche Intelligenz ist keine Vision, sondern gegenwärtig. Es geht nicht darum, ob wir Digitalisierung mögen, sondern wie wir mit ihr umgehen. Digitalisierung prägt alle Lebensbereiche, von Gesundheit bis Verkehr, von Bildung bis Wohnen. Digitalkompetenz wird der Schlüssel zur zukünftigen gesellschaftlichen Teilhabe sein.

Jetzt ist die Zeit, die Weichen dafür zu stellen, dass wir etwas mit den Algorithmen machen, bevor sie etwas mit uns machen. Gefühle und Ethik sind menschliche Kompetenzen, die ich nicht einer Künstlichen Intelligenz überlassen will. Je mehr Sie sich der Digitalisierung stellen, neugierig bleiben und mit digitalen Tools experimentieren, umso mehr werden Sie davor geschützt sein, einem Algorithmus zu viel Macht einzuräumen. Sie werden sich wundern, in wie vielen Bereichen Ihres Alltags Ihnen algorithmengesteuerte Prozesse begegnen werden. Vielleicht wird es Sie ärgern, vielleicht wird es Sie beeindrucken, aber sicher wird es häufig Ihr Leben erleichtern oder Ihren Horizont erweitern.

Wir dürfen die Digitalisierung nicht ignorieren, sondern sollten sie gestalten. Denn Kribbeln im Bauch muss ein Gefühl bleiben, das nicht programmierbar ist.

Info

Zur Person

Unsere Gastautorin ist Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt und Vorsitzende der Direktorenkonferenz aller Landesmedienanstalten. Sie arbeitet unter anderem zu Künstlicher Intelligenz.

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