Neuer Chef der CDU Bremen-Stadt Eckhoff ist zurück auf der Bühne

Bremen. In der stadtbremischen CDU beginnt eine neue Phase: Der 69-jährige Hans-Georg Gerling hatte angekündigt, dass er auf eine neue Kandidatur um den Vorsitz verzichte – zu seinem Nachfolger wurde am Montagabend Jens Eckhoff gewählt.
13.03.2012, 08:16
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Eckhoff ist zurück auf der Bühne
Von Wigbert Gerling

Bremen. In der stadtbremischen CDU beginnt eine neue Phase: Der 69-jährige Hans-Georg Gerling hatte angekündigt, dass er auf eine neue Kandidatur um den Vorsitz verzichte – zu seinem Nachfolger an der Spitze des Kreisverbands Bremen wurde gestern Abend auf einem Parteitag im Bürgerzentrum Vahr Jens Eckhoff gewählt. Der frühere Fraktionsvorsitzende und Senator, Jahrgang 1966, wurde mit 161 Stimmen bei zwei Enthaltungen und 36 Gegenstimmen gewählt.

Seit Monaten gibt es Streitigkeiten in den Reihen der CDU. Jens Eckhoff setzte dem gestern Abend auf dem Kreisparteitag im Bürgerzentrum Vahr die Forderung nach Einigkeit entgegen. Alle seien aufgerufen, wieder „an einem Strang zu ziehen“, das Grundgefühl beim Engagement für die Ziele der Christdemokraten müsse sich ändern: „Man soll nicht gequält zu CDU-Veranstaltungen gehen, sondern es soll auch wieder Spaß machen“, betonte der 46-Jährige, der von den 199 Delegierten des Kreisparteitags im Bürgerhaus Vahr große Unterstützung bekam.

Bei zwei Enthaltungen mochten 36 Christdemokraten dem Personalvorschlag Eckhoff nicht folgen – die anderen 161 aber gaben ihm ihre Stimme. Eckhoff tritt damit die Nachfolge von Hans-Georg Gerlingals Chef in Bremen-Stadt an. Eckhoff appellierte an die Partei, sie müsse ab sofort immer den Finger in die Wunden legen, wenn die Regierung aus SPD und Grünen einen Kurs zum Nachteil Bremens einschlage. Zu den zentralen Themen bis zur Bürgerschaftswahl 2015 zählte er die innere Sicherheit, die Wirtschaftspolitik und die Bildung. Die Christdemokraten könnten sich für 2015 gute Chancen erarbeiten, wenn sie die jüngsten Auseinandersetzungen überwinden. Die CDU, so Jens Eckhoff, könne dann nicht nur eine Regierungsbeteiligung schaffen, „sondern stärkste Partei“ in Bremen werden.

Die Landes-CDU hat drei Kreisverbände, einen in Bremerhaven, einen in Bremen-Nord und den stadtbremischen. Letzterer ist klar der größte – über 1700 der knapp 3000 Bremer CDU-Mitglieder ist dort organisiert. Bremerhaven hat nach Angaben aus der christdemokratischen Zentrale Am Wall 685 Mitglieder, Bremen-Nord 544.

Mohr-Lüllmann fordert Teamgeist

Zur Begrüßung des Parteitags ging die designierte Landesvorsitzende Rita Mohr-Lüllmann ans Rednerpult. Sie betonte, die CDU-Bremen entwickle Schwerpunkte für den Bürgerschaftswahlkampf 2015: „Mit dieser Arbeit beginnen wir sofort.“ Eine „Strategie 2015“ aber könne nur zum Erfolg geführt werden, so betonte auch sie, wenn alle gemeinsam daran arbeiteten. Mannschaftsgeist sei gefragt.

Sie bot den Christdemokraten dann einige Seitenhiebe auf das rot-grüne Regierungsbündnis: In Bremen regiere „nicht der Senat, sondern das blanke Chaos.“ Selten habe eine Regierung so viele „Baustellen“ gehabt. SPD und Grüne, so Mohr-Lüllmann, „tun alles, um Bremen und Bremerhaven so unattraktiv wie möglich zu machen.“

Der scheidende Hans-Georg Gerlingerklärte, er verzichte nach vier Jahren auf eine weitere Kandidatur als Kreisvorsitzender, werde sich aber weiter für die Partei engagieren. Gerade erst sei er erneut als Vorsitzender des CDU-Stadtbezirksverbands Huchting gewählt worden. Auch er rief die Christdemokraten zur Geschlossenheit auf. Mit gegenseitigen Attacken in den eigenen Reihen müsse unverzüglich Schluss gemacht werden. Wenn dies gelinge, habe die CDU bei der Wahl 2015 eine Chance, erklärte Hans-Georg Gerling, der auch Delegierter für den Landesparteitag am 24. März ist, auf dem Rita Mohr-Lüllmann zur neuen Landesvorsitzenden gewählt werden soll. Gerlinggehört der Partei seit 1982 an und war seit 1995 und bis 2011 Abgeordneter der Bürgerschaft. Sein Engagement galt beispielsweise der Finanz- und der Sportpolitik.

Sein Nachfolger Jens Eckhoff war bisher Vorsitzender des Stadtbezirksverbands Mitte/Östliche Vorstadt. Diese christdemokratische Untergliederung gehört zum Kreisverband Bremen-Stadt – ebenso wie beispielsweise Hastedt, Huchting und Hemelingen oder Wümme und Walle. Der frühere Senator warb vor dem Kreisparteitag gestern Abend für ein neues Wir-Gefühl bei den Christdemokraten. Der politische Gegner sei nicht in den eigenen Reihen zu sehen, sondern in der Landesregierung. Es gelte, die Politik von SPD und Grünen zu kontrollieren und zu kritisieren und die Kraft nicht auf interne Auseinandersetzungen zu lenken.

1980 Eintritt in die Junge Union, 1982 Mitglied der CDU – das waren die ersten politischen Schritte von Jens Eckhoff. Anfang der 90er Jahre gewann er erstmals ein Mandat für die Bürgerschaft, der er bis 2003 angehörte, unter anderem ab 1999 als Fraktionsvorsitzender. Anfang Juli 2003 zog er im Regierungsbündnis von SPD und CDU in den Senat ein, zuständig für das Ressort Bau, Umwelt und Verkehr.

Drei Jahre später erklärte er „aus persönlichen Gründen“ überraschend seinen Rücktritt vom Regierungsamt. Seither arbeitet Jens Eckhoff als Unternehmer. 2010 nahm er das ehrenamtliche Engagement für die CDU wieder auf und wurde Vorsitzender des neu geschaffenen Stadtbezirksverbands Mitte/Östliche Vorstadt.

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