CDU-Neujahrsempfang Ein Abend für Hartmut Perschau

Bremen. Es war ein Abend, an dem über weite Strecken Hartmut Perschau im Vordergrund stand. Der frühere Bürgermeister forderte die rund 2000 Anwesenden beim traditionellen CDU-Neujahrsempfang im Park Hotel auf, sich im kommenden Wahlkampf "mit all Ihrer Energie und Kraft" zu engagieren.
18.01.2010, 21:32
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Ein Abend für Hartmut Perschau
Von Michael Brandt

Bremen. Es war ein Abend, an dem über weite Strecken nicht die CDU-Ministerpräsidentin aus Thüringen, Christine Lieberknecht, sondern der scheidende Hartmut Perschau im Vordergrund stand. Der frühere Bürgermeister und Senator forderte die rund 2000 Anwesenden beim traditionellen CDU-Neujahrsempfang im Park Hotel auf, sich im kommenden Wahlkampf 'mit all Ihrer Energie und Kraft' zu engagieren.

SPD-Altbürgermeister Henning Scherf auf einer Leinwand beim CDU-Neujahrsempfang. Passt das? Das passt. Scherf gehört zu den Weggefährten, die sich per Videobotschaft von Hartmut Perschau verabschiedeten. Der ehemalige Wirtschaftssenator und CDU-Spitzenkandidat zieht sich bekanntlich nach 35 aktiven Jahren aus der Politik zurück. Scherfs Urteil über Perschau: 'Ein erfahrener Mann, der konstruktiv ist.' Und zum Beispiel Ex-Staatsrätin Elisabeth Motschmann: 'Er ist verlässlich, er ist glaubwürdig.' Kulturstaatsminister Bernd Neumann würdigte Perschau. Und selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel sandte eine Botschaft an die Weser: 'Sie werden uns fehlen in der aktiven Politik.'

Perschau will bleiben. In einer emotionalen Rede sagte er: 'Meine Frau und ich, wir wollen in Bremen bleiben, weil es uns in Bremen gefällt.' Und dazu, dass er seine Parteiämter in der Bremer CDU zum Jahreswechsel niedergelegt hat: 'Dass es hier einen Generationswechsel gibt, ist normal. Wenn ein neuer Chefarzt kommt, kann der alte nicht mehr operieren.' Der frühere Wirtschaftssenator kündigte an, dass er zur Bürgerschaftswahl 2011 für seine Partei kämpfen will.

Mit kurzen Worten hatte zuvor der Parteivorsitzende Thomas Röwekamp den Neujahrsempfang eröffnet. Die rot-grüne Regierung habe nicht die Kraft, das Land durch die Krise zu führen, sagte er.

Der Neujahrsempfang der CDU im Park Hotel ist - gemessen an der Teilnehmerzahl - die Parteiveranstaltung in Bremen. Höhepunkt: Im Jahr 2000 verfolgten nach offiziellen Angaben 4000 Christdemokraten eine Rede von Altkanzler Helmut Kohl, der in Bremen trotz der Spendenaffäre fast frenetisch begrüßt worden war. Kanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert und eine lange Reihe von Ministerpräsidenten waren bereits zu Gast beim CDU-Jahresauftakt.

Christine Lieberknecht setzte gestern diese Reihe fort. Die ehemalige Pastorin im Kirchkreis Weimar wurde 1990 Thüringer Kultusministerin, übernahm in der Folge eine Reihe von Regierungsämtern und nahm am 30. Oktober 2009 auf dem Chefsessel der Regierung Platz. Sie ist damit die erste CDU-Ministerpräsidentin. Was nicht ohne Folgen bleibt: 'Die ganze Republik ist ein bisschen neugierig.'

In ihrer Rede forderte Christine Lieberknecht die Bundesregierung auf, die angekündigte Steuerreform zügig umzusetzen. 'Was wir vor der Wahl gesagt haben, muss nach der Wahl auch eingelöst werden.' In der Krise im vergangenen Jahr habe sich gezeigt, dass der Staat zur wichtigsten Rettungsinstanz für die Bürgerinnen und Bürger geworden sei. Die Ministerpräsidentin sprach sich für die soziale Marktwirtschaft aus und griff in diesem Zusammenhang auch das Grundsatzprogramm der Bremer CDU auf. Dieses komme 'genau zum richtigen Zeitpunkt'.

Mit Blick auf die Feiern zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit, die im Oktober in Bremen stattfinden, erinnerte sie an den Zusammenbruch der DDR. Christine Lieberknecht gehört zu den vier Mitautorinnen des sogenannten 'Briefs aus Weimar', vom dem 1989 Impulse zur Erneuerung der DDR-CDU ausgingen. In der Rückschau auf die damaligen dramatischen Ereignisse sagt sie: 'Ein Wunder bleibt es dennoch. Wir haben ein solches Glück gehabt.'

Es war der 22. Neujahrsempfang der CDU. Für eine Reihe von Gästen gehört der Termin offenbar fest in den Jahresablauf. Das ehemalige Vegesacker Beiratsmitglied Robert Wichmann (72) zum Beispiel war schon bei der Premiere mit Heiner Geissler dabei. Auch die Blumenthalerin Ursula Palme (74) gehört zu den treuen Gästen. Für Julia Graller und Lisa-Marie Förster hingegen war der gestrige Abend eine Premiere. Die beiden 18-Jährigen haben entscheiden, sich politisch zu engagieren und wollten beim Neujahrsempfang einen 'Einblick in die Partei' gewinnen. Sie sind überzeugt: 'Junge Frauen sind wichtig in der Politik.'

Für die Bremer CDU steht nach der traditionellen Feier im Park Hotel noch in dieser Woche der nächste wichtige Termin an: Wie berichtet, ziehen sich Fraktion und Landesvorstand für drei Tage nach Potsdam zur Klausur zurück. Dort steht eine Kritik der bisherigen Oppositionsarbeit auf dem Programm, und es sollen die Weichen für die Schwerpunkte der CDU bis zur Bürgerschaftswahl 2011 und darüber hinaus gestellt werden.

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