Handelskammber stellt Bericht vor Ein gutes Jahr für Bremer Wirtschaft

2015 war ein gutes Jahr für die bremische Wirtschaft – das geht aus dem statistischen Jahresbericht der Handelskammer hervor, der am Freitag vorstellt wurde. Für 2016 drohen allerdings Risiken.
15.07.2016, 14:20
Lesedauer: 4 Min
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Ein gutes Jahr für Bremer Wirtschaft
Von Alexandra Knief

2015 war ein gutes Jahr für die bremische Wirtschaft – das geht aus dem statistischen Jahresbericht der Handelskammer hervor, der am Freitag vorstellt wurde. Für 2016 drohen allerdings Risiken.

Harald Emigholz, Präses der Handelskammer Bremen, ist zufrieden. „Die ­bremische Wirtschaftsleistung ist 2015 deutlich stärker gestiegen als im Bundes­durchschnitt“, sagte er am Freitag bei der Vorstellung des statistischen Jahresberichts 2015 der Handelskammer. Der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts lag bei 2,7 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit waren es nur 1,7 Prozent.

Auch die Zahl der Bremer mit Arbeit ist um 1,5 Prozent gestiegen. „Wir haben erstmals im Land Bremen mehr als 310 000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, das ist Rekordniveau“, so Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen. Trotzdem liegt das Wachstum damit unter dem bundesweiten Durchschnitt von zwei Prozent. Auch auf die Arbeitslosenquote in Bremen hatte das Wachstum laut Fonger keinen wesentlichen Einfluss – obwohl die Zahl der offenen Stellen 2015 um 15 Prozent angestiegen sei. Grund dafür sei vor allem, dass viele Arbeitslose die Anforderungen an Qualifikationen für neue Stellen, zum Beispiel in der Industrie, nicht ­erfüllen.

EEG-Novelle und Offshore Terminal Bremerhaven sind Risikofaktoren

Doch gerade die zählte 2015 zu den wesentlichen Wachstumstreibern für das Bundesland. „Bremen ist nach wie vor ein sehr starker Industriestandort“, sagte Emigholz. Gerade die Windenergie-Branche in Bremerhaven und der bremische Fahrzeugbau haben zum Wachstum im vergangenen Jahr beigetragen. Insgesamt konnte die bremische Industrie 2015 ihren Umsatz um 4,2 Prozent steigern. Der Fahrzeugbau habe mit einem Zuwachs von 859 Millionen Euro zum Umsatzplus im Land Bremen beigetragen.

Im Baugewerbe stieg der Umsatz um 7,4 Prozent. Das Bild im Handel fiel hingegen gemischt aus. Während die Umsätze im ­bremischen Einzelhandel um zwei Prozent stiegen und der bremische Außenhandel Zuwächse aufwies, verzeichnete der Großhandel eine leicht rückläufige Entwicklung. ­Gesunken ist auch der Seegüterumschlag in den bremischen Häfen, und zwar um 6,2 Prozent.

Das überwiegend gute Jahr 2015 garantiert aber nicht, dass es so weitergeht. „2016 rechnen wir mit einem moderaten Wirtschaftswachstum in Bremen, das nicht das Maß von 2015 erreichen wird“, sagt Emigholz. Grund für diese eher vorsichtige Prognose sind neben aktuellen Entwicklungen den Offshore Terminal Bremerhaven oder die Lloyd-Werft betreffend vor allem Risikofaktoren wie der Brexit oder die EEG-Novelle, deren Auswirkungen noch nicht in vollem Umfang abzusehen sind. Diese Skepsis zeigt sich auch auf Bundesebene.

Mehr Infrastruktur-Investitionen gefordert

Eine Blitzumfrage des DIHK zeigte laut Emigholz, dass knapp die Hälfte der im Wirtschaftskontakt mit Großbritannien stehenden Bremer Unternehmen mittelfristig von einem Rückgang der Exporte ausgeht. Bei den Importen sind es fast 40 Prozent. Auch in Niedersachsen erwarten viele Unternehmen laut einer Konjunkturumfrage deswegen schlechtere Geschäfte im zweiten Quartal 2016. Unternehmen rechnen vor allem mit mehr Handelshemmnissen – Zölle, aber auch mehr Bürokratie wegen unterschiedlicher Normen werden erwartet.

In der Windenergie-Branche trübt vor allem die EEG-Novelle den Blick in die Zukunft, weil die Ausbauziele der Offshore-Windbranche von der Bundesregierung drastisch reduziert wurden und der Zubau in den Jahren 2021/22 stärker auf den Ostseeraum konzentriert werden soll. Dies werde laut Andreas Wellbrock, Geschäftsführer der Bremerhavener Windenergieagentur WAB, natürlich auch einen Einfluss auf den Standort Bremen/Bremerhaven haben. „Die Unternehmen müssen sich Gedanken machen, wie sie diese Durststrecke überstehen werden“, sagte Wellbrock. „Die Branche setzt auf die Bundestagswahlen im nächsten Jahr und hofft auf eine neue Bundesregierung, die es mit der Energiewende ernst meint und insbesondere den Netzausbau ernsthaft und konsequent angeht.“ Damit könne das Vertrauen der Branche in die Politik wieder hergestellt werden und mit den bereits getätigten Investitionen, die ursprünglichen Ausbauziele der erneuerbaren Energien zum Erreichen der Klimaziele realisiert werden.

Aktuelle Halbjahreszahlen der Windenergiebranche sollen laut Wellbrock in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Noch sei die Auftragslage in Bremerhaven gut. „Derzeit werden für zwei im Bau befindliche Windparks die Turbinen in Bremerhaven gefertigt. Für Nordergründe in der Nordsee von Senvion und für Wikinger in der Ostsee von Adwen“, sagt Wellbrock. „Das sorgt für eine Produktionsauslastung bis Mitte nächsten Jahres. Für die Zeit danach liegen den Produzenten noch keine Aufträge vor.“

Hansalinie und Luneplate sollen Wachstum bringen

Um auch in der Zukunft weiter wachsen zu können, müsse die Regierung Bremen nach Ansicht der Handelskammer als wachsende Stadt begreifen und mehr in die In­frastruktur investieren. Außerdem sollte die Stadt auf den Ausbau von Gewerbeflächen setzen und den Wohnungsbau vorantreiben. „Nicht nur für sozial Schwache, sondern auch für Leistungsträger und Kreative, denn auch sie tragen dazu bei, dass sich die Stadt weiterentwickelt“, so Emigholz.

Trotz Unsicherheitsfaktoren ist Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) davon überzeugt, dass auch 2016 ein gutes Jahr für Bremen wird. „Wir haben keine Glaskugel, aber Bremen ist von der Wirtschaftsstruktur gut aufgestellt“, sagt er. Gerade im laufenden Jahr würden Risiko-Faktoren, wie der Brexit oder die EEG-Novelle seiner Meinung nach noch keinen Einfluss auf die wirtschaftlichen Entwicklungen nehmen. „Sie werden in den kommenden Jahren eine Rolle spielen – aktuell kann aber niemand sagen, in welchem Umfang.“

Beim Thema Infrastruktur und Innovation wolle man auch zukünftig vor allem auf Bremens Stärken, wie den Fahrzeugbau oder den Bereich Luft- und Raumfahrt setzen. Aktuelle Investitions-Beispiele seien laut Günthner zum Beispiel das sich im Bau befindende Forschungs- und Entwicklungszentrum Ecomat am Flughafen, in dem zukünftig neue Technologien für den Leichtbau entwickelt werden sollen. Hinzu kommt die Investition in neue Gewerbegebiete wie den Gewerbepark Hansalinie und das Gewerbegebiet an der Luneplate in Bremer­haven. „Dies sind drei Großprojekte, mit denen die Infrastruktur in den nächsten Jahren vorangebracht werden soll“, so Martin Günthner.

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