Gastbeitrag über Seenotrettung Ein kirchliches Seenotrettungsschiff wäre ein Zeichen

Die Evangelische Kirche Deutschland will zusammen mit anderen Akteuren ein Flüchtlingsschiff ins Mittelmeer schicken. Unser Gastautor hielte das für ein wichtiges Zeichen.
28.06.2019, 15:05
Lesedauer: 2 Min
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Von Bernd Kuschnerus

Seit 2008 sind etwa 50 000 Flüchtende im Mittelmeer ertrunken, 3000 waren es in den vergangenen 18 Monaten. Doch Europa wirkt auf mich seltsam orientierungslos. Zwischen der Befürwortung der Seenotrettung und deren strikter Ablehnung taumelt es hin und her, während auf See täglich Männer, Frauen und Kinder sterben. Aber kann es ernsthaft eine politische Option sein, das Problem auszusitzen und Menschen ertrinken zu lassen?

Die Kirchen orientieren sich an dem in der Bibel überlieferten Jesus-Wort: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ Das ist keine bloße Floskel. Es geht darum, wie wir Mitmenschen begegnen, die ihr Leben und das ihrer Familie lieber dem Seelenverkäufer einer Schlepperbande anvertrauen, als weiterhin Krieg, Armut, Klima-Katastrophen oder Verfolgung zu ertragen. Hier wird das christliche Gebot der Nächstenliebe doch konkret. Und deshalb spricht sich die Kirche für die Rettung Geflüchteter aus. Die Bremische Evangelische Kirche ist schon lange in der Begleitung und Unterbringung Geflüchteter aktiv. Sie engagiert sich dafür, dass der Bremer Senat alle politischen Handlungsspielräume für die Seenotrettung und ein humanitäres Aufenthaltsrecht nutzt.

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Wenn niemand hilft, dann muss die evangelische Kirche eben gemeinsam mit anderen zivilen Organisationen ein eigenes Rettungsschiff ins Mittelmeer schicken und für Solidarität und Nächstenliebe Flagge zeigen. Wir können doch nicht einfach nur zusehen! Die Kirche ist nicht naiv. Ein kirchliches Rettungsschiff löst nicht alle Probleme einer verfehlten Entwicklungs- und Flüchtlingspolitik. Es wäre aber ein Zeichen, denn Europa hat gewählt und formiert sich politisch neu.

Die Kirche würde das Gewicht ihrer gesellschaftlichen Bedeutung in die Waagschale werfen. Vielleicht würde die Bundesregierung dann deutlicher Stellung beziehen, damit der skandalösen Kriminalisierung der Seenotrettung ein Ende gesetzt wird. Mit diesem Schiff würde die Kirche ihre humanitären Forderungen unterstreichen: Europa muss endlich die Realität globaler Wanderungsbewegungen anerkennen und begreifen, dass es sich nicht abschotten kann.

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Vor allem muss es seine Werte der Mitmenschlichkeit verteidigen. Sich einfach auf das Mittelmeer, die weltweit tödlichste Grenze, zu verlassen, ist ein moralischer Offenbarungseid. Wir brauchen kreative und tragfähige Konzepte zur Bekämpfung der Fluchtursachen in den Krisenregionen und für eine zukunftsfähige Einwanderungspolitik. Jetzt ist ein guter Moment für diesen Appell, damit das Sterben im Mittelmeer endlich ein Ende hat.

Info

Zur Person

Unser Gastautor Bernd Kuschnerus ist seit Mitte Juni Schriftführer in der Bremischen Evangelischen Kirche, zwölf Jahre war er stellvertretender Schriftführer. Der Pastor ist aktiv in der Hilfe für Geflüchtete.

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