Carsten Sieling über seine Kandidatur für den SPD-Bundesvorstand

"Ein Spaziergang wird das nicht"

Bremen. Carsten Sieling will sich um ein Mandat in der Spitze der Bundes-SPD bewerben. Der Bremer ist Abgeordneter im Deutschen Bundestag und war früher Landesvorsitzender und Fraktionschef in der Bürgerschaft. Im Interview süricht er über seine Kandidatur.
27.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Wigbert Gerling
"Ein Spaziergang wird das nicht"

Carsten Sieling (SPD).

Frank Thomas Koch

Bremen. Carsten Sieling will sich um ein Mandat in der Spitze der Bundes-SPD bewerben. Der Bremer ist Abgeordneter im Deutschen Bundestag und war früher Landesvorsitzender und Fraktionschef in der Bürgerschaft. Er hat sich nun entschlossen, für den Bundesvorstand seiner Partei zu kandidieren. Die Wahlen für dieses höchste Parteigremium sind für Anfang Dezember auf einem Parteitag in Berlin geplant. Mit Carsten Sieling sprach Wigbert Gerling.

In der SPD wird strittig die geplante Verkleinerung des Bundesvorstands diskutiert. Würden damit nicht Ihre Chancen sinken, oder kommt ohnehin aus jedem Bundesland ein Kandidat zum Zuge?

Carsten Sieling: Eine Länder-Quote gibt es nicht. Und von 2007 bis 2009 war Bremen zum Beispiel nicht im sozialdemokratischen Bundesvorstand vertreten. Bei der Zusammensetzung wird darauf geachtet, dass Frauen und Männer gleichberechtigt vertreten sind, und es sollen auch SPD-Mitglieder mit Migrationshintergrund in die Parteiführung. Man sieht: Ein Spaziergang wird das nicht.

Klingt da durch, dass Ihre Chancen verschwindend sind?

Das will ich nicht sagen. Es gibt eine Chance, sonst würde ich nicht kandidieren. Bremen hat im Bund einen guten Ruf. Richtig ist, dass meine Bewerbung hochrisikoreich ist. Da ist nichts garantiert. Mein Motto lautet: Buten wagen.

Was hat Bremen davon, wenn Sie in den Bundesvorstand gewählt werden?

Bremen ist eines von 16 Bundesländern. Wir wollen die Selbstständigkeit sichern, und da ist es wichtig, dass Bremen auf möglichst breiter Basis auf Bundesebene vertreten ist. Ein Mandat im Bundesvorstand der SPD gilt für zwei Jahre. In diese Zeit fällt die Bundestagswahl, und es wird intensiv über die Finanzen im Verhältnis von Bund und Ländern diskutiert. Ich denke, da ist es von Belang, dass Bremen auf Bundesebene die Hand am Puls hat.

Welche Themen würden im Fall der Wahl zu den Schwerpunkten gehören?

Als Hauptarbeitsfeld sehe ich für mich Arbeitsmarkt- und Haushaltsfragen. Ich möchte mich gezielt um die künftige Steuer- und Finanzpolitik der SPD kümmern. Mir geht es auch darum, dass die Partei zurückfindet zu ihrer Kernkompetenz: Soziale Gerechtigkeit. Der Bundesvorstand beschäftigt sich mit den Aussagen der Partei in den aktuellen politischen Fragen. Ich wünsche mir da in der Zukunft klarer definierte Zuständigkeiten für die unterschiedlichen Themen. Wie gesagt, es ist eine organisatorische Reform im Gespräch, die eine Verkleinerung des Bundesvorstands vorsieht. Aber ich möchte die Reform nicht an der Zahl der Köpfe festmachen, an der Größe des Gremiums. Die SPD braucht auch einen qualitativen Schritt nach vorne.

Warum der Wechsel von Karin Jöns zu Ihnen?

Karin Jöns hat sich entschlossen, den Schwerpunkt auf den Beruf zu legen - und dies außerhalb von Bremen.

Ist der Eindruck richtig, dass man von ihr und ihrer Arbeit im SPD-Bundesvorstand nicht so viel gehört hat?

Ich finde, dass Karin Jöns dort sehr solide und kontinuierlich mitgearbeitet hat. Vielleicht hat sie aber in den vergangenen Jahren aufgrund ihrer beruflichen Belastung nicht immer das geschafft, was sie sich selbst gewünscht und vorgenommen hatte.

Bremer Vertreter der SPD haben sich gegenüber dem Bundesvorstand für eine Laizistenbewegung engagiert. Im Kern geht es um die Trennung von Staat und Kirche. Der frühere Landesvorsitzende Horst Isola gehört zum Sprecherkreis dieser Bewegung. Würden Sie ihren hansestädtischen Parteikollegen in Berlin beistehen?

Es stimmt, dieses Thema wird mit großer Ernsthaftigkeit diskutiert. Und die Laizisten bringen damit wichtige Fragen auf den Tisch. Es sollte dabei ausdrücklich nicht um Positionen gegen Religionen gehen. Im Zentrum muss die Frage des Verhältnisses von Kirche und Staat sein.

Bundesweit wird auch in Ihrer Partei kritisch beäugt, dass im September der Papst im Bundestag sprechen kann. Es bahnen sich Proteste an. Sind Sie dabei - nicht im Parlament, sondern bei den Protesten?

Darüber wird in der Tat auch bei uns viel diskutiert. Der Papst-Besuch ist terminlich so gelegt, dass er in eine sitzungsfreie Woche des Bundestags gefallen wäre. Dann wurde eigens der Sitzungsrhythmus des Parlaments geändert, damit es zeitlich passt. Man kann wirklich darüber streiten, ob es richtig ist, dass der Papst als Kirchenoberhaupt vor dem Deutschen Bundestag sprechen kann. Ich finde diese Frage diskussionswürdig. Solche Dinge müssen in der Partei offen besprochen werden.

Kein Interview mit Carsten Sieling ohne Frage nach der Ambition, eines Tages Bürgermeister in Bremen zu werden: Ist das Ihr Ziel - und haben Sie mit Landeschef Andreas Bovenschulte nun nicht unversehens einen Konkurrenten bekommen?

Ich bin nun seit zwei Jahren Bundestagsabgeordneter, also fast noch frisch gewählt. Und ich kann Ihnen sagen, dass ich vorhabe, bei der nächsten Bundestagswahl im Jahr 2013 erneut zu kandidieren. Andere Fragen stellen sich nicht. Mit Andreas Bovenschulte bin ich gut befreundet. Wir ziehen politisch seit zwei Jahrzehnten an einem Strang. Wir sind keine Konkurrenten, sondern arbeiten politisch zusammen.

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