Kindeswohl-Initaitive in Bremen Eltern jedes dritten Neugeborenen lehnen Behördenbesuch ab

Bremen. Ein Fall wie Kevin soll sich in Bremen nicht wiederholen. Deswegen hat das Sozialressort vor zwei Jahren das Projekt 'TippTapp' eingerichtet: Kinderkrankenschwestern suchen in sozial schwierigen Stadtteilen Familien mit Neugeborenen auf. Doch jede dritte bis vierte lehnt das ab.
20.01.2010, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Bernd Schneider

Bremen. Ein Fall wie Kevin soll sich in Bremen nicht wiederholen. Damit nicht eines Tages wieder ein Kind tot in einem Kühlschrank gefunden wird, hat das Sozialressort vor zwei Jahren das Projekt 'TippTapp' eingerichtet, 'Erste Schritte gesund ins Leben': Gesundheits- und Kinderkrankenschwestern suchen in sozial schwierigen Stadtteilen Familien mit Neugeborenen auf. Doch jede dritte bis vierte lehnt das ab. Das geht aus einer ersten Erhebung hervor, die das Ressort der zuständigen Deputation heute vorlegen will.

Kattenturm, Sodenmatt, Neue Vahr, Tenever, Hemelingen, Gröpelingen, Lüssum-Bockhorn - jedes vierte Bremer Kind wird in diesen Ortsteilen geboren, die Behörde spricht von 'Hochrisikomilieus'. Jedes Kind soll daher dreimal aufgesucht werden - sechs bis acht Wochen nach der Geburt, sowie nach sechs und zwölf Monaten.

Vier von fünf Kindern waren in zugewanderte Familien hineingeboren, mit zehn Prozent der Mütter sei eine Verständigung unmöglich gewesen. Praktische Tipps im Umgang mit Säuglingen seien in diesen Fällen oft einfach vorgeführt worden.

Schon den ersten Besuch haben 40 Prozent der Eltern verhindert. Entweder haben sie ihn offen abgelehnt, oder bei beiden angekündigten Besuchsterminen die Tür einfach nicht geöffnet. Ein Jahr später sah es wieder genau so aus. Nach diesen Zahlen muss man davon ausgehen, dass die Behörden über 70 von gut 250 Familien überhaupt nicht erreicht haben. Nicht immer haben zudem die Mitarbeiter bei ihren Besuchen auch die Kinder angetroffen. Nur beim Erstbesuch bekamen sie wirklich jeden Säugling zu Gesicht. Nach sechs und zwölf Monaten gingen insgesamt sieben Besuche, 2,5 Prozent, ins Leere.

Die Versorgung der Kinder und ihr Umfeld wurden bei jedem sechsten Neugeborenen als 'mangelhaft bis ungenügend' eingeschätzt. Im Laufe der Monate besserte sich aber der Eindruck der Fachkräfte: Beim Besuch nach sechs Monaten galt diese Einschätzung nur noch für jedes neunte Kind, am Ende waren alle Kinder zumindest befriedigend versorgt, 84 bis 88 Prozent sogar gut bis sehr gut.

Insgesamt drei Kinder wurden dem Jugendamt gemeldet, weil sich zeigte, dass die Familien auf professionelle Hilfe angewiesen sind. Nach dem Sechs-Monats-Besuch wurde fast jeder zweiten Familie Unterstützung angeboten - Haus der Familie, Gesundheitstreff oder Kirchengemeinde. Teils wurden nur Info-Blätter ausgehändigt, teils aber auch verbindliche Anmeldungen vereinbart.

Insgesamt zeigt sich das zuständige Gesundheitsressort relativ zufrieden mit den Ergebnissen: 'Für den Start eines ,amtlichen? Programms, das sich vornehmlich an Risikoklientel wendet' sei die Teilnahme 'bemerkenswert' gut - zumal allen Eltern klar sein musste, dass die Besuche auch der Kontrolle dienten.

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