Staatsanwaltschaft: Manager im Visier

Ermittlungen wegen Atlas-Deal

Nachdem Anfang 2016 Ermittler Büros von Atlas Elektronik in Sebaldsbrück durchsucht haben, ermittelt die Staatsanwaltschaft Bremen nun gegen Manager von Airbus und Thyssen-Krupp und einen Telekom-Vorstand.
03.05.2016, 07:40
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Ermittlungen wegen Atlas-Deal
Von Stefan Lakeband
Ermittlungen wegen Atlas-Deal

Der Sitz von Atlas Elektronik in Sebaldsbrück wurde im Februar durchsucht.

Frank Thomas Koch

Nachdem Anfang 2016 Ermittler Büros von Atlas Elektronik in Sebaldsbrück durchsucht haben, ermittelt die Staatsanwaltschaft Bremen nun gegen Manager von Airbus und Thyssen-Krupp und einen Telekom-Vorstand.

Hintergrund sind Rüstungsgeschäfte mit dem türkischen Militär, bei dem Schmiergelder geflossen sein sollen. Das bestätigte die Bremer Staatsanwaltschaft.

Bei den Ermittlungen sollen es um den Vorwurf der Bestechung sowie um Beihilfe zur Steuerhinterziehung gehen. Wie die „Rheinische Post“ berichtet, soll es im Mai 2007 zu einem Treffen von Compliance-Managern von Thyssen-Krupp und Airbus gekommen sein. Beide Unternehmen sind Eigner von Atlas Elektronik. Bei der Zusammenkunft sollen externe Anwälte auf fragwürdige Beraterhonorare in Zusammenhang mit Rüstungsexporten in die Türkei aufmerksam gemacht haben. Doch anstatt Strafanzeige zu stellen und die Geschäftsbeziehungen zu den Beraterfirmen zu beenden, gab es keine Strafanzeige, und die Geschäfte liefen nach Ermittlungsergebnissen weiter.

Thyssen-Krupp bestätigte Ermittlungen

Thyssen-Krupp bestätigte die Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter aus dem Rechtsbereich. „Der Mitarbeiter hat uns über die Ermittlungen gegen ihn informiert. Wie bei jedem anderen Beschuldigten gilt bis zum Beweis des Gegenteils aber auch hier die Unschuldsvermutung“, sagte ein Unternehmenssprecher dem WESER-KURIER. Auch der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus bestätigte die Ermittlungen, wollte allerdings nicht konkretisieren, gegen wen sie sich richten. Die Untersuchungen gegen Telekom-Vorstand Thomas Kremer waren schon Ende März bekannt geworden. Gegen ihn wird ermittelt, weil er im Jahr 2007 Chef der Compliance-Abteilung bei Thyssen-Krupp war. In der Zwischenzeit hat er den Arbeitgeber gewechselt, sagte ein Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft. Kremer, der bei der Telekom für Datenschutz, Recht und Compliance verantwortlich ist, bestreitet die Anschuldigungen und erklärte, die Staatsanwaltschaft Bremen begründe „ihren Vorwurf allein damit, dass ich die Funktion eines Chief Compliance Officers bei der Thyssen-Krupp AG ausgeübt habe und daher auch bei Beteiligungsgesellschaften strafrechtlich für die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen zu garantieren habe“. Das teilte Kremer schriftlich mit. Er halte dies „für abenteuerlich und weise schon deshalb die Vorwürfe auf das Schärfste zurück“.

Der für die Staatsanwaltschaft Bremen interessante Zeitraum erstreckt sich auf die Jahre zwischen 1998 und 2014. Als die Ermittler im Januar die Zentrale durchsucht haben, teilte das Unternehmen mit man wolle an der „weiteren Aufarbeitung des Falls“ aktiv mitwirken. Man kooperiere „vollumfänglich mit den Behörden“. Bereits im vergangenen Jahr habe Atlas eine interne Untersuchung begonnen und der Staatsanwaltschaft Unterlagen zu dem fraglichen Projekt übergeben. Eine „schnelle und umfassende Aufklärung“ habe für das Unternehmen „oberste Priorität“.

Atlas Elektronik stellt unter anderem Sonarsysteme für U-Boote und Marineschiffe sowie Torpedos her. Das Unternehmen beschäftigt in Bremen rund 1500 Mitarbeiter, weltweit sind es etwa 2100. Zuletzt erwirtschaftete es einen Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro. Eigner von Atlas Elektronik sind Thyssen-Krupp und die EADS-Tochter Airbus. Die Bestechungsvorwürfe bei Rüstungsgeschäften mit der Türkei sind nicht die ersten Anschuldigungen solcher Art. Bereits 2013 hatte die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Atlas und die Bremer Tochter des Düsseldorfer Rheinmetall-Konzerns eröffnet. Der Vorwurf damals: Bestechung von Regierungsangehörigen in Griechenland. Schmiergeld soll geflossen sein, um U-Boot-Ausrüstung zu verkaufen. Die Ermittlungengegen Rheinmetall Defence Electronics wurden 2014 gegen Zahlung eines Bußgelds von 37 Millionen Euro eingestellt.

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