Bremens neuer Ort der Ankunft

Erstaufnahme für Flüchtlinge zieht um

Marode Räume, kleiner Speisesaal, Platzmangel: Die Erstaufnahme in Habenhausen war oft überfüllt. Nun zieht die sogenannte Flüchtlingsunterkunft nach Obervieland. Das alte Gebäude wird dennoch weiter genutzt.
27.04.2015, 18:45
Lesedauer: 3 Min
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Erstaufnahme für Flüchtlinge zieht um
Von Sara Sundermann

Endlich Licht und viel Platz: Der Speisesaal in der neuen Zentralen Erstaufnahmestelle (Zast) Bremen ist etwa dreimal so groß wie der winzige düstere Raum, der bislang in Habenhausen für 240 Flüchtlinge zur Essensausgabe diente. Nun wird umgesetzt, was schon lange geplant war: Die Zast zieht um, von Habenhausen nach Kattenturm. Zur Zast gehören ein Wohnheim als erste Unterkunft für neu angekommene Flüchtlinge, außerdem eine Bundes- und eine Landesbehörde. Künftiger Sitz der Zast ist das ehemalige Gebäude der Berufsgenossenschaft für Handel und Warendistribution, das seit mehreren Jahren leer stand. Hier sollen auf 4800 Quadratmetern und drei Etagen insgesamt 170 Flüchtlinge unterkommen.

Die Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (AWO), die das Wohnheim im Auftrag der Sozialbehörde betreibt, bereiten auf Hochtouren den Umzug vor. Noch im Laufe dieser Woche sollen die ersten Flüchtlinge aufgenommen werden. Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) bezeichnet den Umzug in das neue Gebäude als "Quantensprung in der Flüchtlingsversorgung". Das Gebäude in der Steinsetzerstraße sei in keinem guten baulichen Zustand, es sei "in die Jahre gekommen" und biete "sehr beengte Verhältnisse", so Stahmann. "Außerdem gab es dort wenig Platz für Kinder und für Freizeitaktivitäten außerhalb des Hauses", erklärt die Senatorin. "Das ist hier anders."

In der Tat: Direkt aus dem Speisesaal gelangt man auf begrünte Außenflächen, auf denen sich nach den Worten der Senatorin Bänke und ein Sandkasten aufstellen lassen. Duschen und Toiletten wurden ins das neue Gebäude in Kattenturm eingebaut, ebenso wie neue Fußböden. Statt nur eines Arztzimmers gibt es nun zwei und dazu ein Vorzimmer. Auch Wohnheim-Leiterin Doris Gregerek bezeichnet den Umzug als großen Schritt: "Hier werden nur 170 statt 240 Leute wohnen, es wird für die Bewohner deutlich ruhiger sein."

Die alte Zast, die vom Flüchtlingsrat immer wieder als "nicht tragbar" kritisiert wurde, soll aber dennoch weiter als Flüchtlingsunterkunft dienen. Sie war bislang ein Ort, an dem Mängel bei der Essensversorgung, bauliche Mängel und Mitarbeiter an der Grenze des Möglichen immer wieder Thema waren. Doch aufgeben kann man den Standort nicht: Dafür kämen derzeit zu viele neue Flüchtlinge, betonen Senatorin Stahmann und Uwe Eisenhut von der AWO übereinstimmend. Bremen kann es sich schlicht nicht leisten, auf einen solchen Standort zu verzichten, Unterkünfte aller Art werden dafür zu dringend gebraucht - Hauptsache, ein Dach über dem Kopf.

In Habenhausen will man also weiterhin die neu ankommenden jugendlichen Flüchtlinge unterbringen. Aber künftig sollen dort - anders als bislang - die Räume von Jugendlichen und Erwachsenen nach Etagen getrennt werden. Die Erwachsenen werden demnach nur noch in der zweiten Etage wohnen. Das soll für mehr Ruhe für die Bewohner sorgen und die Arbeit mit den Flüchtlingen erleichtern. Zuständig für die Erwachsenen ist die AWO, die Jugendlichen werden vom Verein DEVA in Kooperation mit der Reisenden Werkschule Scholen betreut.

Insbesondere die Situation der Jugendlichen in der Zast wurde vom Flüchtlingsrat immer wieder kritisiert: "Wir sind froh über jeden Menschen, der die Zast in Habenhausen verlassen kann, aber besonders schwierig ist es bei der Betreuung der Jugendlichen", sagt Marc Millies vom Flüchtlingsrat. Auch hier will die Sozialsenatorin etwas tun: Die pädagogische Unterstützung in Habenhausen solle ausgebaut werden. Also mehr Betreuungspersonal für die Jugendlichen? "Ja, da sind wir dran", sagt Stahmann.

1200 neue Flüchtlinge wurden bislang in diesem Jahr in Bremen aufgenommen, die erwartete Zahl von rund 5000 im ganzen Jahr mache ein Prozent der Bremer Bevölkerung aus, so Stahmann. Das Boot sei nicht voll: "Bremen kann das - wir sind eine Stadt, die gut mit Menschen aus anderen Ländern umgehen kann."

Weitere Unterkünfte sind in Planung: Nun ist der Sozialbehörde zufolge auch die Eissporthalle in Walle als Notunterkunft bezugsfähig. In Vegesack soll das Hartmannsstift künftig Flüchtlinge beherbergen, in der Reepschlägerstraße in Blumenthal sollen insgesamt 195 weitere Plätze für Flüchtlinge entstehen.

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