US-Operation "Atlantic Resolve" Erste US-Panzer in Bremerhaven entladen

Die ersten US-Panzer des Programms "Atlantic Resolve" wurden im Kaiserhafen von Bremerhaven entladen. Bei der logistischen Großoperation sind die Amerikaner auf die Hilfe der Deutschen angewiesen.
07.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter von Döllen

Die ersten US-Panzer des Programms "Atlantic Resolve" wurden im Kaiserhafen von Bremerhaven entladen. Bei der logistischen Großoperation sind die Amerikaner auf die Hilfe der Deutschen angewiesen.

Der amerikanische Generalmajor Timothy P. McGuire steht bei strahlendem Sonnenschein und eisigen Temperaturen im Kaiserhafen von Bremerhaven. Im Hintergrund: der riesige blau-weiße Frachter „Resolve“. Davor stehen die ersten entladenen beigefarbenen Abrams-Panzer.

Annähernd 100 Panzer, mehr als 2000 Jeeps, Lkw und andere Fahrzeuge sowie große Packstücke werden hier umgeschlagen. Insgesamt werden rund 4000 Soldaten der 3. Brigade der 4. US-Infanteriedivision in Nato-Länder Osteuropas verlegt.

Es ist die sogenannte Iron-Brigade („Eisen-Brigade“) aus dem US-Bundesstaat Colorado. Einen wichtigen Part bei der Verlegung übernimmt die Logistikschule der Bundeswehr im Osterholz-Scharmbecker Stadtteil Garlstedt.

Während ein Panzer in seine Warteposition manövriert wird, stellen sich die Generalmajore McGuire und Duane Gamble den Fragen der Journalisten. Immer wieder werden sie gefragt, ob die militärische Operation nicht ein Säbelrasseln und somit eine Provokation gegenüber Russland sei.

Gebetsmühlenartig und stoisch sagt McGuire: „Das Manöver ist ein Zeichen für unsere europäischen Partner. Es soll Frieden, Sicherheit und Stabilität in Europa stärken.“ Die Aktion sei als Botschaft zu verstehen: „Wir stehen an der Seite unserer Partner.“

Ein Zeichen an die baltischen Länder

Ähnlich sieht es Bettina Hornhues, Bundestagsabgeordnete aus Bremen, die sich in Bremerhaven ein Bild von der Entladung macht. „Es ist ein Zeichen an die baltischen Länder“, sagt sie. Und dieses Zeichen sei nach den Vorkommnissen in der Ukraine offenbar nötig.

Beinahe jeden Tag verletzten russische Militärjets die Grenzen der baltischen Staaten. Zu den Vorwürfen, das Manöver sei eine Aufrüstung des Westens, meint die CDU-Politikerin: „Es ist nur eine Verlegung zu Übungszwecken.“

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Die Aktion sei kein Nato-Manöver, wird von amerikanischer Seite betont. 2014 hat US-Präsident Barack Obama den Startschuss für das Programm „Atlantic Resolve“ gegeben, das verschiedene Manöver und Operationen vorsieht. „Wir lernen, wie wir mit unseren Partnern eine Einheit verlegen können“, erklärt Gamble. Er ist Kommandeur des 21st Theater Sustainment Command, einer Einheit, die für die Logistik zuständig ist.

Auf Hilfe der Deutschen angewiesen

Bei der Verlegung bauen die US-Militärs auf die Hilfe der Deutschen. Zuständig ist die Abteilung „Host Nation Support“ der Streitkräftebasis. Die Logistikschule in Garlstedt wird dabei zu einem Drehkreuz der Operation. Vorübergehend wird sie rund 400 US-Soldaten beherbergen und verpflegen. Zudem stellt sie Abstell- und Umschlagsflächen für etwa 600 Fahrzeuge zur Verfügung.

Material, Fahrzeuge und Soldaten werden über verschiedene Routen in Richtung Osteuropa weitertransportiert, unter anderem nach Polen. Dabei werden auch Züge und Flugzeuge eingesetzt. In den kommenden Tagen sollen sich täglich zwei oder drei Züge auf den Weg machen. Dazu kommen 23 Fahrzeug-Konvois.

Aneinandergereiht würden Fahrzeuge und Material eine Länge von etwa 15 Kilometer ergeben, erklärt Josef Dieter Blotz, der Abteilungsleiter Einsatz der Streitkräftebasis. „Es ist eine logistische Großoperation“, betont der Generalmajor vom Kommando Streitkräftebasis.

Beeinträchtigungen sollen vermieden werden

Es sei versucht worden, Verkehrsbeeinträchtigungen möglichst zu vermeiden. „Das wird uns weitgehend gelingen“, verspricht Blotz. Die Brigade wird im September mit Personal und Material komplett ausgetauscht. Vermutlich dürfte Bremerhaven dann erneut zur großen militärischen Drehscheibe werden.

Die Koordination und Planung der aktuellen Verlegung sei schon eine Leistung gewesen, sagt Blotz. „Dabei stand im Vordergrund, die Bevölkerung so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.“

Dennoch stören sich Menschen an der Militär-Operation. Ein Bündnis aus mehr als zwei Dutzend Gruppen demonstriert am heutigen Sonnabend in Bremerhaven gegen die Verlegung.

In ihrem Appell „Nein zum Säbelrasseln – Truppenverlegung stoppen“ lehnen die Rüstungsgegner den – wie sie sagen – „militärischen Aufmarsch“ gegen Russland ab. Die Konsequenzen dieser Manöver seien kaum absehbar, heißt es in dem Aufruf. Zudem erhöhe das „Säbelrasseln der Nato vor der russischen Haustür“ die Kriegsgefahr.

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