Bremer Innenbehörde will Gewalt eindämmen

Erstmals ohne Fanmarsch zum Werder-Spiel

Bremen. Die Innenbehörde will künftig gemeinsam mit dem Bremer Fußballverband und Werder Bremen die Gewalt in und um die Spielstätten besser eindämmen. Am Dienstag kam die Lenkungsgruppe des Örtlichen Ausschusses Sport und Sicherheit zur konstituierenden Sitzung zusammen.
01.09.2010, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Rose Gerdts-Schiffler
Erstmals ohne Fanmarsch zum Werder-Spiel

Fußballfans auf dem Weg ins Bremer Weserstadion.

Jochen Stoss

Bremen. Die Innenbehörde will künftig gemeinsam mit dem Bremer Fußballverband und Werder Bremen die Gewalt in und um die Spielstätten effektiver eindämmen. Gestern traf sich erstmals die Lenkungsgruppe des Örtlichen Ausschusses Sport und Sicherheit.

Dabei verabredeten die Akteure, dass es bei der Begegnung HSV gegen Werder Bremen am 25. September erstmals keinen Fanmarsch mehr durch Bremen geben wird. Zudem wurde der Vorschlag diskutiert, angetrunkene Zuschauer künftig nicht mehr ins Stadion zu lassen.

Die Einrichtung Örtlicher Ausschüsse Sport und Sicherheit (ÖASS) geht unter anderem auf eine Empfehlung des Deutschen Städtetages zurück. Damit soll eine regelmäßige Zusammenarbeit aller Beteiligten institutionalisiert und der Informationsaustausch untereinander verbessert werden.

Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) machte gestern Nachmittag klar, wie viel Arbeit allein die Fußballfans der Polizei in der vergangenen Spielsaison bereitet haben: Die Polizeistatistiker verzeichneten 50 000 Einsatzstunden und 117 Ermittlungsverfahren gegen gewalttätige Fans. 633 mal wurden Fußballanhänger vorübergehend festgenommen. Bei den Auseinandersetzungen rund um die Spiele wurden 21 Menschen verletzt, darunter sechs Polizisten.

Mehr Polizeikräfte in der 3. Liga

Längst gibt es nicht nur bei den sogenannten Risikospielen wie gegen den HSV oder Hannover in der Bundesliga Probleme mit gewalttätigen Fans. Auch Fußballspiele in der dritten Liga müssen inzwischen immer häufiger von Polizeikräften begleitet werden. Statt Hunderten von anreisenden Fußballanhängern haben die Beamten es dann lediglich mit einigen Dutzend Gewalttätern zu tun.

"Die reisen dann aber oft früher an, um sich zu prügeln", so Mäurer. Andere scheuten selbst vor ekelerregenden Übergriffen auf die Beamten nicht zurück. So pinkelten einiger Männer bei der Begegnung FC Oberneuland gegen Holstein Kiel am Freitag vergangener Woche in Bierbecher und schütteten den Inhalt auf die Polizisten und Polizistinnen.

Björn Fecker neuer Präsident des Bremer Fußballverbandes sitzt mit in dem neuen Ausschuss und verurteilt die Gewalt am Rande des Spielfeldes, ist aber überzeugt: "Von Verhältnissen wie in Italien sind wir weit entfernt." Dort würden sich Familien nicht mehr in die Stadien wagen. Ein Problem sei zudem, dass Vereine in der 3. Liga ihre Fanarbeit vernachlässigten. Dasselbe gelte für Fußballvereine im Osten Deutschlands. Hinrich von Hallen von Werder Bremen kündigte in dem Zusammenhang an, dass die Fanbetreuung von eine auf drei Stellen mit Beginn der Saison ausgeweitet worden sei.

Alkoholisierte Zuschauer sollen nicht ins Stadion dürfen

Bei Risikospielen hat Werder Bremen zugesagt, eigene Ordner des Vereins bei Auswärtsspielen mitfahren zulassen. Gästefans sollen wiederum durch ihre eigenen Ordner begleitet werden. Größtes Problem bei den sportlichen Begegnungen und den Massen an Menschen sei der Alkoholmissbrauch, betonte Polizeipräsident Holger Münch. Der Ausschuss will daher erreichen, dass kein Alkohol mehr in öffentlichen Verkehrsmitteln getrunken werden darf. Der Metronom sei Vorreiter auf diesen Gebiet. Angedacht ist zudem, alkoholisierten Zuschauern den Besuch der Stadien zu untersagen.

Konkrete Vorstellungen, wo die Grenzen künftig gezogen werden, gab es gestern noch nicht. "Wir stehen mit einigen Themen noch am Anfang der Diskussion", sagte der Sprecher der Innenbehörde, Rainer Gausepohl auf Nachfrage.

Eigene Fanzone für Auswärtsfans

Fanmärsche bei Risikospielen soll es dagegen zur großen Erleichterung des Innensenators ab sofort nicht mehr geben. "Mit meinem Dienstantritt hatte ich mir geschworen, diese Märsche zu untersagen", so Mäurer gestern. Schließlich würden aus den Fanmärschen heraus viele Straftaten verübt. Zudem stellten sie eine Provokation der anderen Seite dar und trügen so zu einer Eskalation der Gewalt bei. Als Alternative will Werder Bremen eine Fanzone für die auswärtigen Gäste in der Nähe des Stadions einrichten.

Der Ausschuss plant, sich viermal im Jahr zu treffen, um die Vorschläge bald umzusetzen und schnell auf neue Entwicklungen reagieren zu können. Obwohl der Fokus gestern auf den gewalttätigen Fans lag, verwies Hinrich von Hallen für Werder Bremen nochmals auf die Relation zwischen Schlägern und Fußballfreunden. "39.000 Zuschauer gehen nach einem Spiel wieder friedlich nach Hause." Dank einer guten Betreuung würden selbst auffällige Werder-Fans inzwischen erheblich weniger Probleme bereiten als früher.

 

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