Die CDU nach der Wahl in Thüringen

„Es sollte keine Schnellschüsse geben“

Viel wichtiger als die Selbstbeschäftigung mit Personalfragen sei für die CDU, Politik im Sinne der Bürger zu machen. Das meint Wiebke Winter, Vorsitzender der Jungen Union Bremen, im Intervew.
29.10.2019, 20:08
Lesedauer: 2 Min
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„Es sollte keine Schnellschüsse geben“
Von Norbert Holst
„Es sollte keine Schnellschüsse geben“

Ex-Fraktionschef Friedrich Merz stichelt gegen die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer. Bremens JU-Vorsitzende Wiebke Winter warnt indes vor personellen Schnellschüssen.

Hendrik Schmidt/DPA

Frau Winter, nach der vergeigten Thüringen-Wahl wird gegen die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gestichelt. Gibt es eine offene Führungsfrage in Ihrer Partei?

Wiebke Winter: Annegret Kramp-Karrenbauer ist Ende 2018 für zwei Jahre gewählt worden und ist damit die gewählte Vorsitzende. Es sollte daher jetzt keine Schnellschüsse geben. Ich finde es aber wichtig, dass man auch sein Führungspersonal kritisch begleitet. In meinem Umfeld merke ich, dass die Reaktionen und Handlungen von Annegret Kramp-Karrenbauer nicht immer denen entsprochen haben, die wir uns von unserer Vorsitzenden wünschen würden. Auch ich sehe das so.

Einer, der gegen die CDU-Chefin stichelt, ist Friedrich Merz. Ist er ein Hoffnungsträger?

Ich weiß, dass Friedrich Merz von vielen in der Jungen Union gefeiert wird. Das hat man auf unserem Deutschlandtag gesehen. Auch in der Jungen Union Bremen kommen seine Positionen sehr gut an. Ich persönlich war nicht davon überzeugt, dass er ein geeigneter Alternativ-Kandidat war, als im vergangenen Jahr die Wahl um den Parteivorsitz anstand. Er ist Anfang 60. Ich setze auf die jüngere Generation, etwa auf Jens Spahn oder Carsten Linnemann.

Merz hat nun sogar davon gesprochen, dass „die Untätigkeit und mangelnde Führung“ von Angela Merkel seit Jahren wie ein „Nebelteppich“ über Deutschland liege. Schießt er damit der Partei nicht ins eigene Bein?

Es sollte keine Denk- und Redeverbote geben. Wenn es ihm wichtig ist, soll er sich so äußern. Es ist ja auch wichtig, dass debattiert wird. Wenn man jahrelang nicht in der Politik aktiv war, dann ist es leicht, die aktuelle Politik zu kritisieren. Aber Friedrich Merz ist und bleibt ein wichtiger Player in der CDU. Viel wichtiger als die Selbstbeschäftigung mit Personalfragen ist doch, dass wir für die Menschen Politik machen. Meines Erachtens müssen wir uns mit den aktuellen Problemen beschäftigen, zum Beispiel in der Flüchtlingsfrage abschließende Antworten finden und eine in die Zukunft gerichtete Politik machen.

Nach der Wahl in Thüringen ringt die CDU nun mit ihrem Verhältnis zur Linkspartei. 30 Jahre nach dem Mauerfall eine engere Zusammenarbeit mit den Linken – geht das?

Mike Mohring und die CDU haben im Wahlkampf klar gesagt, dass sie für eine Koalition der Mitte eintreten. Diesem Versprechen sind sie verpflichtet, das sollte nicht leichtfertig über Bord geworfen werden. Eine Koalition schließe ich sowohl mit links wie auch mit rechts aus – das kann für die CDU keine Option sein. Wenn es aber zur Bildung einer linken Minderheitsregierung kommt, sollte man nicht aus ideologischen Gründen jegliches Vorhaben abbügeln, sofern die CDU es von der Richtung her unterstützen kann. Am Ende muss es darum gehen, dass die einzelne Entscheidung für das Land gut ist.

Das Interview führte Norbert Holst.

Info

Zur Person

Wiebke Winter (23)

ist seit April die Vorsitzende der Jungen Union im Land Bremen. Auf der Bundesebene leitet sie den Arbeitskreis Frauen. Gegenwärtig schreibt Winter an ihrer Doktorarbeit im Medizinrecht.

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