Politik Ex-Senator Eckhoff attackiert Röwekamp

Bremen. Ex-Senator Jens Eckhoff hat deutliche Kritik am CDU-Landesvorsitzenden Thomas Röwekamp geübt. Außerdem wolle er auf eine Bewerbung für die Bürgerschaft verzichten und sich auf seine Firmen konzentrieren, sagte Eckhoff im Interview mit dem WESER-KURIER.
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Ex-Senator Eckhoff attackiert Röwekamp
Von Wigbert Gerling

Bremen. Ex-Senator Jens Eckhoff kommentiert den Konflikt um die Kandidatenliste der CDU für die kommende Legislaturperiode - auch in eigener Sache. Die Entscheidung, die er jetzt vor dem endgültigen Beschluss der Partei morgen fällt: Er verzichtet auf eine Bewerbung für die Bürgerschaft und konzentriert sich auf sein berufliches Feld. Er verknüpft dies mit deutlicher Kritik am Landesvorsitzenden Thomas Röwekamp.

Der christdemokratische Landesvorsitzende Thomas Röwekamp hat Ihnen vorgeworfen, sie schadeten der CDU. Ist ein Parteiausschlussverfahren gegen Sie schon eingeleitet?

Jens Eckhoff: Diese Auskunft kann ich Ihnen nicht geben. Aber ich wäre in guter Gesellschaft, schließlich ist mit vielen nicht fair umgegangen worden: das gilt für Röwekamps Vorgänger Bernd Neumann, Schatzmeister Wolfgang Schrörs, Ex-Bürgermeister Hartmut Perschau, die langjährigen Parlamentarier Helmut Pflugradt und Dieter Focke, es gilt zudem für den Abgeordneten Claas Rohmeyer und seine bisherige Fraktionskollegin Iris Spieß - es gehen damit wohl knapp 200 Jahre Parteierfahrung verloren. Noch eine Anmerkung zum Vorwurf, ich schade der Partei. Die Freunde vom Landesvorsitzenden Thomas Röwekamp haben bei der Listenaufstellung in der Schwachhauser CDU das Haus angezündet, dann nach der Feuerwehr gerufen und schließlich Eckhoff als Brandstifter genannt. Das ist unrichtig und unsachlich. Die Unruhe ging ganz klar von Schwachhausen aus. Und wie dort mit Wolfgang Schrörs umgegangen wurde, das war menschlich in höchstem Maße unanständig.

Sie bleiben in der Partei?

Ja. Auf jeden Fall. Ich werde mit meinem Stadtbezirksverband Mitte/Östliche Vorstadt engagiert Wahlkampf für unsere Spitzenkandidatin Rita Mohr-Lüllmann machen. Die CDU hätte es verdient, dass man sich einigt und nicht spaltet. Bernd Neumann war so lange Landesvorsitzender, weil er integrieren konnte - ich kann das wirklich sagen, weil ich ja auch manchen Konflikt mit ihm hatte. Aber Neumann gelang es immer, schließlich alles unter einen Hut zu bekommen. Das scheint jetzt nicht mehr das Ziel der Parteiführung zu sein.

Aber das Postulat von Parteichef Thomas Röwekamp lautet doch, dass nach der Zeit unter Bernd Neumann nun für viel mehr Transparenz in der Partei gesorgt sei, für Offenheit.

Da gibt es offenbar zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine massive Lücke. Es wird mehr Offenheit gepredigt, aber tatsächlich geht es Röwekamp nur um seinen Machterhalt. Ein Beispiel zum Thema ,offener Umgang' miteinander: Andreas Jacobsen, gelernter Jurist und Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung, hatte den Abgang von Wolfgang Schrörs kommentiert - und schon rutschte er fünf Listenplätze nach hinten, Offenheit verstehe ich anders.

Es gibt den Vorwurf der Sippenhaft.

Das kann ich nur bestätigen. Die gibt es. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Denken Sie an Claas Rohmeyer. Wenn Bewerber in eine Nähe zu mir gerückt wurden, hatten sie schnell schlechte Karten bei der Listenaufstellung für die nächste Legislaturperiode. Auf dem beruflichen Feld arbeite ich mit Class Rohmeyer projektbezogen zusammen. Er bekam Probleme bestimmt auch wegen dieser Verbindung zu mir. Und ich weiß, dass der Vorsitzende der CDA, Marco Eilers, abgestraft wurde, nur weil ich dort Versammlungsleiter war. Einfach unglaublich.

Ist die CDU nur bedingt einsatzbereit im Wahlkampf?

Ich gehe davon aus, dass sich alle einsetzen, damit Rita Mohr-Lüllmann ein gutes Ergebnis erzielt. Nach dem Wahlgang am 22. Mai 2011 muss man sich dann genau angucken, wie es mit der CDU-Bremen weitergeht. In der Mitte/Östliche Vorstadt haben wir eine motivierte Truppe. Wir konzentrieren uns auf die Beiratswahlen, die auch am 22. Mai sind.

Eines ist aber offenbar für die Zeit danach schon klar: Röwekamp hat erklärt, er freue sich auf weitere vier Jahre als Fraktionschef in der Bürgerschaft - eine doch interessante Anmerkung von Röwekamp.

Bisher hatte immer der Spitzenkandidat den ersten Zugriff auf diese Funktion, aber man sieht hieran, worum es wirklich geht.

Erreicht Sie Kritik aus den Stadtteilen, wonach erst im Vorwahlkampf gute Leute gewonnen worden seien, die nun aber schwer zu motivieren seien? Sie seien frustriert, da nicht ein einziger Kandidat auf die Bürgerschaftsliste gesetzt wurde.

Ja, das ist wohl so, und das ist sehr traurig. Ich hatte versucht, einen Listenvorschlag zu machen, auf dem sich alle Stadtbezirksverbände wiederfinden. Aber das war nicht gewollt. Das ist nun eine Situation, die der Parteivorsitzende Thomas Röwekamp zu verantworten hat. Im Stadtbezirksverband Mitte/Östliche Vorstadt machen wir eine engagierte Parteiarbeit, und die Kandidatenaufstellung lief bei uns sehr harmonisch ab. Wir hatten sechs Bewerberinnen und Bewerber nominiert, nun hat niemand davon die Qualitätskontrolle à la Röwekamp bestanden.

Morgen wird der endgültige Beschluss zur CDU-Bürgerschaftsliste gefällt. Wie geht es mit Ihnen weiter?

Ich werde mich auf meine Firmen konzentrieren und politisch eine ordentliche Arbeit für den CDU-Stadtbezirksverband machen. Für die nächste Bürgerschaft werde ich nicht kandidieren.

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