Nach der Panne in Bayern Experte: Bremer Flughafen ist sicherer als München

Bremen. Der Sprengstoff-Fehlalarm am Münchner Flughafen hat eine neue Sicherheitsdebatte ausgelöst. Norddeutsche Experten gehen allerdings davon aus, dass der Bremer Flughafen sicherer ist als der Münchner Airport. Denn die Wartehalle in Bremen sei viel übersichtlicher.
22.01.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremen. Der Sprengstoff-Fehlalarm am Münchner Flughafen hat eine neue Sicherheitsdebatte ausgelöst. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte am Donnerstag die Aufklärung des Vorfalls mit dem Laptop eines weiterhin unbekannten Passagiers zur Chefsache. Gewerkschaftsvertreter der Polizei forderten eine bessere Bezahlung des Sicherheitspersonals.

De Maizière sagte im Deutschlandfunk: 'Ich habe veranlasst, dass sämtliche Umstände dieses Vorgangs im Einzelnen untersucht werden mit allen Beteiligten.' Er nehme den Vorfall 'sehr ernst'. Eine Bewertung wolle er aber noch nicht abgeben. Gegebenenfalls müssten am Flughafen München Konsequenzen gezogen werden.

Die Bundespolizei hatte am Mittwoch den Terminal 2 des Münchner Flughafens für gut drei Stunden gesperrt, nachdem dort der Laptop eines Passagiers auf Sprengstoff angeschlagen hatte. Betroffen von der Sperrung waren bis zu 12000 Passagiere, deren Flüge entweder gestrichen wurden oder verspätet starteten. Der unbekannte Fluggast hatte trotz des Alarms weitergehen können, ohne festgehalten zu werden. Eine Kontrolleurin der von der Regierung von Oberbayern beauftragten privaten Sicherheitsfirma hatte laut Bundespolizei versucht, den Mann noch aufzuhalten. Nachdem ihr dieses nicht gelungen war, benachrichtigte sie ihren Chef, der dann wiederum die Bundespolizei alarmierte. Ein Sprecher der Bundespolizei sagte, dass es bis zur Alarmierung der Beamten 'etliche Minuten' gedauert habe und der Fluggast in dieser Zeit ohne Weiteres an Bord eines Flugzeugs hätte gehen können.

Die Zuständigkeit für die Kontrolle liegt bei der Regierung von Oberbayern. Deren Regierungspräsident Christoph Hillenbrand erklärte, nach erster Auswertung der Videoaufnahmen habe das Sicherheitspersonal gegen die geltenden Anweisungen verstoßen. Laut Hillenbrand hätte der Passagiere niemals den Laptop vor einer weiteren Kontrolle wieder in die Hände bekommen dürfen. Er ordnete bei der Sicherheitsfirma SGM eine genaue Prüfung des Vorfalls an. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass es sich bei dem Mann um einen eiligen Geschäftsmann handelte und keine Gefahr bestand.

Die Sprecher der Bundespolizei, die gemeinsam mit privaten Flugsicherheitsassistenten für die Passagierkontrollen verantwortlich ist, reden nicht gerne darüber, ob ein solcher Vorfall in Bremen, Hannover-Langenhagen oder Hamburg ebenfalls möglich wäre. 'Wir vergleichen nicht', hieß es an allen drei Flughäfen unisono. 'Wir hatten so einen Fall noch nicht, uns ist noch keiner entkommen', erklärte Werner Rump, Sprecher der Bundespolizei in Hannover. Immerhin fünf Millionen Fluggäste sind im vergangenen Jahr von seinen Leuten und den Assistenten überprüft worden. Nein, Sprengstoff sei nicht gefunden worden - wenngleich die Spürgeräte mitunter Alarm geschlagen hätten. 'Die sind auf bestimmte molekulare Zusammensetzungen geeicht, die aber auch in handelsüblichen Stoffen vorkommen.'

Rumps Kollege Maik Lewerenz will zur personellen Situation an den 16 Kontrolllinien des Hamburger Flughafens 'aus taktischen Gründen' nichts sagen. Nur soviel: 'Die Leute sind sensibilisiert.' Davon geht auch Holger Jureczko in Bremen aus. 'Wir machen unseren Job täglich mit großer Sorgfalt. Obwohl die Sicherheitsmaßnahmen auf hohem Niveau sind, ist der Vorfall ein guter Anlass, in sich zu gehen.'

Auch wenn die drei Sprecher keine Parallelen ziehen wollen - um nicht möglicherweise Trittbrettfahrer zu ermutigen, steht eines fest: Kein Flughafen ist wie der andere. Rein baulich unterscheiden sich der Münchener und der Bremer Airport grundlegend. Die Wahrscheinlichkeit, dass auf dem hiesigen 'City-Airport' jemand die Sicherheitskette durchbricht, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Gastronomie- und Duty-Free-Bereich liegen vor der Kontrolle. Dahinter gelangen Passagiere in übersichtliche, separierte Wartebereiche, ehe sie an Bord gehen.

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