Die CDU-Kandidatenliste steht Fast ein Drittel stimmt gegen Röwekamp

Bremen. Die CDU hat gestern ihre Kandidatenliste zur Bürgerschaftswahl unter Dach und Fach gebracht. Viele Delegierte dokumentierten durchweg mit ihrer Stimmabgabe, dass sie mit dem Listenvorschlag des Landesvorstands nicht einverstanden waren.
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Fast ein Drittel stimmt gegen Röwekamp
Von Wigbert Gerling

Bremen. Wahlgänge statt Weihnachtsbummel: Die CDU hat gestern ihre Kandidatenliste zur Bürgerschaftswahl unter Dach und Fach gebracht. Position für Position wurde 50 Mal abgestimmt - nun steht die Liste für den 22. Mai 2011. Der Vorschlag der Parteispitze kam durch. Nummer eins ist Rita Mohr-Lüllmann, die bereits kürzlich vom Landesparteitag zur Spitzenkandidatin gekürt worden war. Es folgen Parteichef Thomas Röwekamp und Ex-Staatsrätin Elisabeth Motschmann.

Gestern 10 Uhr, Grand Hotel Bredenstraße: Das waren Termin- und Ortsvorgabe für die 90 Delegierten, die über fünf Stunden hinter verschlossenen Türen per Abstimmungs-Marathon die Liste aufstellten. Überwältigende Resultate blieben gestern die Ausnahme. Ein besonders gutes Ergebnis erzielte Wilhelm Hinners auf Rang 14. Er bekam 84 Ja-Stimmen. Ansonsten war nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen offenkundig: Etwa ein Viertel, manchmal auch rund ein Drittel der Delegierten dokumentierten durchweg mit ihrer Stimmabgabe, dass sie mit dem Listenvorschlag des Landesvorstands nicht einverstanden waren.

Rita Mohr-Lüllmann fand die Unterstützung von 73 Delegierten, für Röwekamp stimmten nur 63 Christdemokraten, für Motschmann 62. Ex-Senator Jörg Kastendiek bekam auf Platz vier 70 Stimmen, Luisa-Katharina Häsler 55, Heiko Strohmann 66. Susanne Grobien kam auf 56 Stimmen, Thomas vom Bruch auf 70, Silvia Neumeyer auf 67 und Carl Kau als Nummer zehn auf 69. Heikel wurde es auf Rang 31: Nur zwei Stimmen weniger, und der langjährige Bildungspolitiker Claas Rohmeyer wäre durchgefallen.

"Auf eine harte Probe gestellt"

Parteichef Röwekamp erklärte anschließend, die Kandidatenauswahl "und der offene Diskussionsprozess haben unsere Partei in den zurückliegenden Wochen auf eine harte Probe gestellt". Umso mehr freue er sich, dass die Delegierten nun eine Liste "von herausragender Qualität" beschlossen hätten und "die Partei geschlossen in den Wahlkampf ziehen" könne.

Die Aufstellung der Kandidaten hatte in den vergangenen Wochen den Eindruck einer politischen Zangengeburt erweckt. Manche sagten voraus, im Grand Hotel stehe das ultimative Duell bevor, da Ex-Senator Jens Eckhoff bei der Abstimmung über Platz zwei Thomas Röwekamp herausfordere. Aber Eckhoff, Vorsitzender im CDU-Stadtbezirksverband Mitte/Östliche Vorstadt, hatte zwei Tage vor der Delegiertenversammlung klargestellt, dass er in den kommenden vier Jahren den Schwerpunkt auf seine berufliche Arbeit lege und deshalb nicht kandidiere.

Rohmeyer fällt in Hemelingen durch

Nominierung von Bürgerschaftsbewerbern in den Stadtbezirken, Listenvorschlag des Landesvorstands, Delegiertenversammlung mit dem finalen Beschluss - dies ist der politische Dreisprung auf dem Weg zur CDU-Kandidatenliste. Kontroversen um die Platzierung von Personen für die Parlamentsliste der CDU, die 2007 mit 23 Abgeordneten in die Bürgerschaft eingezogen war, hatte es auch vor früheren Wahlkämpfen immer wieder gegeben. Diesmal kam es allerdings überdurchschnittlich heftig. Im Vorfeld der Versammlung hatte es mehr Schlagzeilen gegeben, als der CDU lieb sein konnte. Das erste parteiinterne Beben drang nach außen, als der langjährige Abgeordnete und Landesschatzmeister Wolfgang Schrörs bei der Nominierung in Schwachhausen nicht zum Zuge gekommen war. Bald folgte die Forderung, ein Parteigericht müsse den Fall noch einmal genau unter die Lupe nehmen. Dann fiel der Bildungspolitiker Claas Rohmeyer in Hemelingen durch. Wieder kamen Zweifel auf, ob die Wahl korrekt gewesen sei. Dann trat

die Parlamentarierin Iris Spieß aus der CDU aus und in die SPD ein. Und immer noch gab es keine Beruhigung, auf der Ebene der Ortsverbände rumorte es. Unter anderem ging bei Röwekamp schriftlich die Ankündigung von Parteifreunden ein, sie würden sich aus dem Wahlkampf ausklinken. Anfang Dezember erklärte Schrörs, er lege sein Amt als Schatzmeister nieder und werde auch nicht mehr kandidieren. Insgesamt gab es bis gestern fünf Absagen - neben Eckhoff und Schrörs verzichteten auch Viola Mull und Michael Jonitz, beide aus Mitte/Östliche Vorstadt, sowie Andreas Jacobsen, Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung und Chef der Christdemokraten in der Neustadt.

"Seiteneinsteiger" behaupten sich

Nachdem die Stadtbezirksverbände der CDU in den vergangenen Wochen ihre Wunschkandidaten präsentiert hatten, war vom Landesvorstand eine Vorschlagsliste mit den Kandidaten erstellt und abgestimmt worden: Ganz vorne Rita Mohr-Lüllmann, auf Platz zwei Parteichef Thomas Röwekamp, dahinter die früherere Staatsrätin Elisabeth Motschmann. So soll es nun bleiben. Auch die drei "Seiteneinsteiger", die der Vorstand in seinen Vorschlag unter den ersten 20 Rängen einbezogen hatte, konnten sich behaupten - Luisa-Katharina Häsler, knapp über 20 Jahre alt, der türkischstämmige Oguzhan Yazici und der parteilose Joachim Feldmann, Präses der Handwerkskammer.

Für die laufende Legislaturperiode hatte die stadtbremische CDU 19 Parlamentssitze errungen, Bremerhaven vier. In der Seestadt entscheidet die CDU heute. Auf Rang eins: der Abgeordnete Bernd Ravens.

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