Jüdische Gemeinde in Bremen

Finanzhilfen nach Grabschändung

Bremen. Bürgermeister Jens Böhrnsen und Bürgermeisterin Karoline Linnert haben dem jüdischen Friedhof in Hastedt einen Besuch abgestattet und damit ihre Solidarität ausgedrückt. Auf dem Friedhof war es Anfang August zu Schändungen an zwölf Gräbern gekommen.
10.08.2010, 19:20
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Von Bernd Schneider
Finanzhilfen nach Grabschändung

Grigori Pantijelew von der jüdischen Gemeinde mit Bürgermeisterin Karoline Linnert und Jens Böhrnsen, Präsident des Sena

Jochen Stoss

Bremen. Es war ein demonstratives politisches Signal der Solidarität Bremens mit der jüdischen Gemeinde: Gemeinsam statteten Bürgermeister Jens Böhrnsen und Bürgermeisterin Karoline Linnert gestern dem jüdischen Friedhof in Hastedt einen Besuch ab. Nachdem Unbekannte Anfang August Grabsteine zerstört hatten, wollten beide deutlich machen, was Linnert so formulierte: „Wir sind als Staat weder indifferent noch gleichgültig gegenüber einer solchen Tat.“

„Mich schockiert es immer wieder, dass es solche Idioten gibt, die nichts gelernt haben und mit solchen Taten provozieren wollen“, sagte Böhrnsen. Diese Provokation richte sich letztlich „nicht gegen Einzelne, sondern gegen die ganze Stadt, und wir setzen ein Zeichen dagegen.“

In der Nacht auf den 3. August zwölf Grabsteine umgeworfen und teils zerstört worden. „Das betrifft durchweg Gräber aus den 1920er- und 1930er-Jahren“, hat Grigori Pantijelew festgestellt. Er ist stellvertretender Vorsitzender der israelischen Gemeinde in Bremen. Der Friedhof sei Teil der Geschichte Bremens, „dass man so etwas zerstören kann, verstehe ich nicht“, sagte Rabbiner Netanel Teitelbaum. „Das hat ja nicht nur mit der jüdischen Gemeinde zu tun.“ Nach jüdischer Tradition sei der Friedhof Ort ewiger Totenruhe, die Gräber würden auch nicht nach 25 oder 30 Jahren neu belegt. Die Zerstörungen richteten sich also gegen „Menschen, die sich nicht wehren können“. Nun sollen die Grabsteine wieder aufgerichtet und repariert werden, teils muss der Steinmetz zerbrochene Platten auch komplett ersetzen. Hinterbliebene haben die in den 20er- und 30er-Jahren gestorbenen Bremer Juden nicht, sagt Grigori Pantijelew, diese seien in der Shoa umgekommen oder geflohen. Damit die Gemeinde die Kosten in noch unbekannter Höhe nicht allein tragen muss, haben Böhrnsen und Linnert gestern Finanzhilfen in Aussicht gestellt.

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