Umstrukturierung am Airport Bremen

Flughafen lagert Personal aus

Der Flughafen Bremen will etwa 100 Mitarbeiter an eine seiner Tochtergesellschaften auslagern. In einer Erklärung des Unternehmens heißt es, die Umstrukturierung sei nötig, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
22.07.2016, 00:00
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Flughafen lagert Personal aus
Von Lisa Boekhoff
Flughafen lagert Personal aus

Für die Abfertigung des Gepäcks und der Passagiere gibt es in Bremen seit Kurzem einen zweiten Anbieter. Der Bodenverkehrsdienst des Flughafens gerät deshalb unter Druck.

Frank Thomas Koch

Der Flughafen Bremen will etwa 100 Mitarbeiter an eine seiner Tochtergesellschaften auslagern. In einer Erklärung des Unternehmens heißt es, die Umstrukturierung sei nötig, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Seit einigen Monaten gibt es bei der Abfertigung des Gepäcks und der Passagiere Konkurrenz: Ein belgischer Flugzeugabfertiger besitzt seit Januar eine entsprechende Lizenz und darf den Airlines am Flughafen seine Dienste in der Hansestadt anbieten. Dabei ist das Unternehmen Aviapartner offensichtlich günstiger als der flugenhafeneigene Bodenverkehrsdienst, der die Abfertigung bisher allein anbieten konnte.

Hinzu kommt, dass nach Angaben des Flughafens der größte Basiskunde seinen Vertrag zur Bodenabfertigung gerade gekündigt hat. „Wenn wir diesen Basiskunden verlieren, wären wir mit einem Stellenabbau im Bodenverkehrsdienst konfrontiert“, sagt Petra Höfers, Personalleiterin der Flughafen Bremen GmbH. Mit der Umstrukturierung wolle man betriebsbedingte Kündigungen verhindern, sagt Flughafen-Sprecherin Andrea Hartmann.

Um wen es sich bei dem Kunden handelt, dazu gab sie keine Auskunft. EU-Recht zwingt den Flughafen dazu, die Bedingungen des Vertrags angesichts der neuen Konkurrenz neu auszuhandeln.

Enormer Konkurrenzdruck

Inge Briggs, Betriebsratsvorsitzende des Flughafens und des Konzerns, sieht die Pläne der Geschäftsführung dagegen kritisch. „Das heißt für unsere Kollegen Lohndumping.“ Sie befürchtet, dass sich die Stellung ihrer Kollegen in den Tochtergesellschaften verschlechtern könnte. Sehr wahrscheinlich gelte für sie dann nicht mehr der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst.

Interne Verhandlungen zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat und Verdi sind inzwischen gescheitert. An diesem Donnerstag habe man in einem gemeinsamen Gespräch beschlossen, eine Einigungsstelle einzuberufen, sagt Briggs – und damit externe Berater.

In seiner Erklärung verwies der Flughafen auf den enormen Konkurrenzdruck. Jederzeit könnten auch alle anderen Fluggesellschaften mit einer kurzen Frist die Abfertigungsverträge kündigen. Man könne sich nicht mehr darauf verlassen, dass sie sich für das Angebot des Airports entschieden, sagt Höfers.

Bodenabfertigung soll übernommen werden

„Nur über eine Umstrukturierung wird es uns möglich sein, in einen konkurrenzfähigen Wettbewerb zu treten.“ Zudem sei Bremen bundesweit der einzige Flughafen, der noch einen eigenen Bodenverkehrsdienst in der Muttergesellschaft betreibe. Die betroffenen Mitarbeiter, Briggs spricht von insgesamt 130, sollen vom Mutterkonzern in die Tochter Flughafen Bremen Service (BAS) wechseln.

Zu ihnen gehören der Betriebsratschefin zufolge Kollegen, die das Gepäck und die Passagiere zwischen Flugzeug und Flughafen transportieren, das Flugzeug an seinen Platz lotsen und die Abfertigung anleiten. Widerrum sollen 100 Mitarbeiter aus der BAS in eine andere Tochtergesellschaft des Flughafens wechseln, die Flughafen Bremen Elektrik.

Warum der Flughafen dieses Prozedere anstrebe, sei nicht klar geworden. Außerdem habe es in den Gesprächen nicht genügend Raum für alternative, sozialere Möglichkeiten gegeben. Dass bei den Kosten etwas passieren müsse, sei klar. „Aber das kann nicht allein auf dem Rücken der Kollegen ausgetragen werden“, sagte Briggs.

Verdi befürchtet finanzielle Einbußen

Aviapartner ist derzeit noch nicht am Flughafen Bremen tätig. Das Unternehmen könnte aber im Prinzip jederzeit die Arbeit aufnehmen, so Sprecherin Hartmann. Die von der Bremer Luftfahrtbehörde am 27. Januar ausgestellte Lizenz gilt für die kommenden sieben Jahre.

Vera Visser, Verdi-Gewerkschaftssekräterin für den Bereich Verkehr, spricht ebenfalls von erheblichen finanziellen Einbußen für die betroffenen Mitarbeiter – ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Sie kündigt an: „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie sich ihre Arbeitsbedingungen massiv verschlechtern.“

Sollten Tarifverhandlungen nicht entsprechende Ergebnisse bringen, werde man erforderliche Maßnahmen ergreifen. Laut Briggs und Visser stehen die Gespräche aber noch ganz am Anfang; über viele Punkte müsse noch verhandelt werden. Anfang Juli sei man mit den Unterlagen konfrontiert worden, sagt die Vorsitzende des Betriebsrats.

Flughafen reagiert auf Konkurrenz

Auch Visser kann nachvollziehen, dass der Flughafen auf die Konkurrenz reagieren muss. Sie sagt aber auch: „Nicht so.“ Sie kritisiert, dass die Verhandlungspartner auf der Gegenseite einen relativ großen Zeitdruck erzeugten. „Es geht hier ja nicht um ein Brettspiel, auf dem Figuren bewegt werden.“ Sie lobt das Team am Flughafen. „Es leistet seit Jahren gute Arbeit.“ Auch dem Kunden müsse klar sein, dass sich das nicht einfach in aller Eile ersetzen lasse.

Personalchefin Höfers betont ebenfalls das große Know-how der Mitarbeiter, die ihren Job hervorragend erledigten. Es seien die gewachsenen Strukturen der Flughafen GmbH, die den Bodenverkehrsdienst nicht genügend wettbewerbsfähig machten.

Neuer Mitbewerber Nach EU-Recht müssen Flughäfen den Markt für Bodenverkehrsdienste öffnen, wenn sie, wie der Airport in Bremen, mehr als zwei Millionen Passagiere im Jahr befördern. Über europaweite Ausschreibungen müssen sie für diesen Bereich auch Wettbewerber zulassen. Aviapartner bekam am 27. Januar 2016 die Lizenz für den Flughafen Bremen. Sie gilt für sieben Jahre. Das belgische Unternehmen mit Sitz in Brüssel ist in Deutschland bereits an den Flughäfen in Hannover und Düsseldorf tätig.
„Das heißt für unsere Kollegen Lohndumping.“ Inge Briggs, Betriebsratsvorsitzende
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