Rudolf Hickel über Hedgefonds "Fondsmanager wollen Renditen um jeden Preis"

Würde die Finanzwelt auch ohne Hedgefonds auskommen? Sind Sie grundsätzlich schlecht? Der gefragte Bremer Ökonom Rudolf Hickel gibt anlässlich des Stellenabbaus bei Mondelez Antworten.
04.11.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Peter Hanuschke

Würde die Finanzwelt auch ohne Hedgefonds auskommen? Sind Sie grundsätzlich schlecht? Der gefragte Bremer Ökonom Rudolf Hickel gibt anlässlich des Stellenabbaus bei Mondelez Antworten.

Würde die Finanzwelt auch ohne Hedgefonds auskommen?

Rudolf Hickel: Die Antwort verlangt eine Definition: Hedgefonds wirken wie Staubsauger. Sie sammeln weltweit Kapital von Vermögenden aber auch Pensionsfonds ein und versprechen diesen eine profitable Anlage. Meistens werden sie von extrem reichen Personen beziehungsweise Familien, die ihr Kapital einbringen, gegründet. Wenn es diese Kapitalsammelstellen nicht mehr gäbe, wäre das wirtschaftlich nicht schädlich. Denn die Fondsmanager wollen ohne Rücksicht auf nachhaltige Unternehmen Renditen um jeden Preis schnell erzielen. Wenn ein notleidendes Unternehmen bei einem Hedgefonds landet, werden die Zukunftsaussichten düster.

Sind Hedgefonds aus Ihrer Sicht grundsätzlich schlecht?

Für die Unternehmenswirtschaft aber auch für die Gesamtwirtschaft sind Hedgefonds gefährlich und oftmals auch schädlich. Franz Müntefering hat deren Wirkung mit dem biblischen Bild von den „Heuschrecken“ zutreffend beschrieben. In die ökonomische Sprache übersetzt, fallen die Hedgefonds über Unternehmen her. Am Ende überlebt oftmals das Unternehmen den Angriff nicht und die Arbeitsplätze gehen verloren.

Es gibt verschiedene Strategien bei Hedgefonds – Gewinnmaximierung spielt bei allen eine übergeordnete Rolle. Was ist so gefährlich daran?

Hedgefonds übernehmen oftmals komplett Unternehmen. Mit dem kurzfristigen Ziel hoher Renditen werden Unternehmen filetiert, Teile werden abgestoßen und der Rest unter massiven Kostendruck gesetzt. Dabei werden die gekauften Unternehmen auch noch gezwungen, Kredite zur Finanzierung des Einkaufs durch die Hedgefonds-Manager zu übernehmen. Verluste sind also vorprogrammiert. Nach den vielen schlechten Erfahrungen kaufen sich heute die Hedgefonds vorzugsweise auch als machtvolle Aktionäre ein, um die Unternehmen das Fürchten zu lehren.

Hedgefonds sind in der Regel global aufgestellt. Lässt sich daraus ableiten, dass deren regionale Beteiligungen einfach nur eine Verfügungsmasse darstellen?

In der Tat, Hedgefonds treten bei der Einsammlung des nach Rendite suchenden Anlegerkapitals global auf. Da spielen regionale Belange oder gar die Beschäftigten vor Ort keine Rolle. Gehen bei einem regionalen Standort die Gewinnerwartungen nicht in Erfüllung, dann wird rücksichtslos ausgestiegen. Anlage suchendes Kapital kennt nur die Verantwortung für schnelle Gewinne.

Mondelez ist mit seinen Produkten gut aufgestellt – allerdings nicht in einem Wachstumsmarkt unterwegs. Was werden die Hedgefonds tun, damit der Konzern dennoch Jahr für Jahr seine Gewinne steigert?

Verglichen mit dem Streubesitz liegen die Kapitalanteile der beiden Hedgefonds bei insgesamt 10,5 Prozent. Den Eigentümern vom Trian-Hedgefonds und dem Pershing-Hedgefonds sagt man eine Freundschaft nach. Trian ist auch an Pepsi beteiligt, daher wird immer wieder über eine Verschmelzung von Mondelez mit Pepsi gemunkelt. In nächster Zeit wird der Einfluss von Kapitalsammelstellen gegenüber dem Streubesitz noch zunehmen. Das Interesse an einer nachhaltigen Unternehmenspolitik, vor allem an motivierten Beschäftigen, verliert an Bedeutung. Zusammenlegungen sowie Verkäufe von Unternehmensteilen und Druck auf die Beschäftigten sind die Hebel der durch hohe Renditen getriebenen Eigentümer. Bei Mondelez ist der Druck, Kosten zu senken, hoch. Die Gefahr eines weiteren Schrumpfens droht. Dabei zeigt sich heute, dass der Abbau von über 60 Stellen durch das Zusammengehen mit D.E. Master Brendes in Bremen zu Gewinn mindernden Belastungen geführt hat.

Die Fragen stellte Peter Hanuschke.

Zur Person: Rudolf Hickel (73) hat den Studiengang Wirtschaftswissenschaften an der Uni Bremen mit aufgebaut. Er übt Berater- und Begutachtungstätigkeiten aus und ist ein gefragter Ökonom.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+