Corona-Pandemie

Senat tut sich schwer mit weitergehenden Freiheiten für Geimpfte

Wo das neue Infektionsschutzgesetz jetzt Tests vorschreibt, soll es schon bald auch der Nachweis einer vollständigen Corona-Impfung tun. Mit weitergehenden Freiheiten tut sich der Bremer Senat schwer.
26.04.2021, 21:26
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Senat tut sich schwer mit weitergehenden Freiheiten für Geimpfte
Von Timo Thalmann
Senat tut sich schwer mit weitergehenden Freiheiten für Geimpfte

Bürgermeister Andreas Bovenschulte will die Impfreihenfolge nicht vorzeitig aufheben.

Sina Schuldt/dpa

Einen kaum lösbaren Widerspruch sieht Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) bei der Frage nach mehr und vor allem exklusiven Freiheiten für bereits Geimpfte. „Bei der Gesamtbetrachtung führt das zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, aus der individuellen Perspektive ist es kaum zu begründen, jemandem Grundrechte zu verweigern, der durch sein Verhalten offenbar kaum noch etwas zum Pandemiegeschehen beitragen kann“, kommentiert der Senatschef die jüngsten Beratungen der Ministerpräsidentenkonferenz zum weiteren Fortgang der Corona-Impfkampagne in Deutschland.

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Für unproblematisch hält Bovenschulte und mit ihm die Mehrheit der Länderchefs dagegen eine Gleichsetzung von Geimpften und Genesenen dort, wo andere ihren jeweiligen Zugang durch einen negativen Corona-Test erlangen können. Das betrifft aktuell etwa den Gang zum Friseur, den Besuch in einer Pflegeeinrichtung oder - gekoppelt an bestimmte Inzidenzwerte - die Möglichkeit des Terminshoppings. Der Bund will zeitnah eine entsprechen Verordnung auf den Weg bringen, die vollständig Geimpfte von den jeweiligen Testpflichten befreit.

Aus fachlicher Sicht spricht nach Einschätzung des Bremer Virologen Andreas Dotzauer nichts gegen eine solche Testbefreiung. „Die Impfung senkt selbst bei einer Ansteckung die Virenlast des Betroffenen so erheblich, das eine Übertragung zwar nicht völlig ausgeschlossen, aber doch extrem unwahrscheinlich ist.“ Das sei zugleich der Grund für einen milden Krankheitsverlauf, wenn die Ansteckung trotz Impfung nicht verhindert werde. „Das Risiko des Geimpften für sich und andere ist allemal geringer als das desjenigen mit negativem Schnelltest“, sagt Dotzauer. Sobald „Biotope von Geimpften“ entstehen, könnte nach seinen Worten medizinisch gesehen sogar weitgehend auf alle Schutzmaßnahmen wie Maske und Abstand verzichtet werden.

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Dotzauer spricht sich für einen weitergehenden Abbau von Corona-Beschränkungen für Geimpfte aus, um eine Entscheidung für die Impfung attraktiv zu machen. „Wenn genügend Impfstoff da ist, um die bisherigen Prioritäten aufzuheben, wird man schnell in die Situation kommen, für weitere Impfungen werben zu müssen“, mutmaßt der Virologe. Er plädiert dafür, ab diesem Moment Gruppen ins Visier einer Impfkampagne zu nehmen, die besonders viele, unter Umständen nicht immer freiwillige Kontakte zu anderen haben, etwa durch ihre eher prekäre Lebens- und Arbeitssituation in bestimmten Quartieren der Stadt.

Im Senat sieht man das laut Bovenschulte ähnlich. Derzeit gebe es verschiedene Überlegungen, wie eine solche gezielte Ansprache in einzelnen Quartieren praktisch angegangen werden könne. Konkrete Pläne habe man aber noch nicht. Der Bürgermeister macht zudem deutlich, dass sich diese Fragen erst stellten, wenn die bislang priorisierten Gruppen ihr Impfangebot erhalten hätten. „Eine vorzeitige Aufhebung der festgelegten Reihenfolge will Bremen nicht.“

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