Gastkommentar über freiwilliges Engagement

Freiwilliges Engagement in Zeiten von Corona

Einsamkeit nimmt in Zeiten von Corona zu, das belegen Untersuchungen. Trotz der Pandemie ist ein Engagement für andere Menschen machbar und wichtig, meint Gastkommentatorin Lena Blum.
18.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lena Blum

Spätestens in der Corona-Krise ist Einsamkeit auch in Deutschland als weit verbreitetes Problem verstärkt in den Blick geraten. Das ist gut so, denn die Gefahr ist groß, dass Menschen, die unter Einsamkeit leiden, aus unserer Wahrnehmung verschwinden. Erhebungen aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass Handlungsbedarf besteht: Laut des Deutschen Alterssurveys lag die Einsamkeitsquote im Jahr 2020 bei Menschen im Alter von 46 bis 90 Jahren bei rund 14 Prozent und damit etwa 1,5-mal höher als in den Vorjahren.

Und auch Menschen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren fühlen sich laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zunehmend psychisch belastet und in vielen Fällen auch einsam. Betroffen sind also nicht nur ältere Menschen, sondern auch Studierende, Auszubildende, Schülerinnen und Schüler, Arbeitslose und Alleinerziehende.

Hinter den nüchternen Zahlen verbergen sich Erfahrungen und Gefühlslagen, von denen uns auch die Menschen immer wieder berichten, die sich freiwillig für andere engagieren: In Einkaufshilfen, Spaziertandems oder am Sorgentelefon wurde für viele Freiwillige spürbar, was es für andere Menschen heißt, sich in Krisenzeiten allein zu fühlen. Eine Belastung, die im schlimmsten Fall krank macht.

Freiwilliges Engagement kann hier lindernd wirken und erfüllende soziale Kontakte ermöglichen. Aber das es tut nicht nur denen gut, die einsam sind. Es kann auch für viele Menschen ein Weg sein, die eigene Einsamkeit zu verringern. Die Mithilfe in einem Projekt, in dem Menschen gemeinsame Interessen teilen und ihre eigenen Fähigkeiten einbringen, hilft dabei, Anschluss zu finden und sich wieder als mit anderen verbundenen Menschen zu erfahren. Das ist aus der Forschung bekannt, die zeigt, dass „Gemeinschaft erleben“ eine der stärksten Motivationen ist. Freiwilligen-Agenturen erfahren dies tagtäglich konkret in ihrer Arbeit mit Menschen, die für andere zum Beispiel in Patenschaftsprojekten, der aufsuchenden Altenarbeit, bei Spielenachmittagen oder in ökologischen Projekten aktiv werden.

Die Corona-Krise erschwert das Engagement an einigen Punkten, macht es aber keineswegs unmöglich. Kreative Ideen wie der Zuhör-Kiosk in Berlin, in dem Menschen spontan unter freiem Himmel ins Gespräch kommen, reagieren unmittelbar auf die Bedürfnisse von Menschen. „Gemeinsam gegen Corona“ hat von Anfang an immer auch „Gemeinsam gegen Isolation und Einsamkeit“ bedeutet – sowohl aufseiten der Freiwilligen, wie auch bei denen, für die sie sich engagieren.

Info

Zur Person

Unsere Gastautorin

ist Leiterin der Freiwilligen-Agentur Bremen. Die Freiwilligen-Agentur initiiert eigene Angebote und berät Menschen, die sich engagieren wollen.

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