Betreiber will sich wehren

Galopprennbahn: Finale noch offen

Bremen wird dem Rennverein kündigen und die Galopprennbahn in ein Wohngebiet verwandeln. Das ist der aktuelle Stand. Schluss, aus und Ende für das Geläuf in der Vahr. Oder etwa doch nicht?
23.10.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Galopprennbahn: Finale noch offen
Von Jürgen Hinrichs
Galopprennbahn: Finale noch offen

Am letzten Renntag des Jahres an diesem Sonntag könnte es noch mal voll werden auf der Tribüne der Galopprennbahn. Die große Frage ist, was in Zukunft aus dem Gebäude und der dazugehörigen Anlage werden soll.

Christina Kuhaupt

Bremen wird dem Rennverein kündigen und die Galopprennbahn in ein Wohngebiet verwandeln. Das ist der aktuelle Stand. Schluss, aus und Ende für das Geläuf in der Vahr. Oder etwa doch nicht?

An diesem Sonntag noch einmal, dann laufen sie wieder, womöglich der letzte Renntag dieses Jahr, bevor es im Frühjahr weitergeht – in der womöglich letzten Saison. Das ist der Stand, die Stadt wird dem Rennverein kündigen und die Galopprennbahn in ein Wohngebiet verwandeln. Schluss, aus und Ende für das Geläuf in der Vahr. Oder doch nicht?

„Wir werden jede Möglichkeit ausschöpfen, das zu verhindern“, erklärt Frank Lenk, Vorstandssprecher des Rennvereins. Es ist eine regelrechte Kampfansage. Die Mittel dazu sieht Lenk zum Beispiel im Naturschutz: „Wir werden von den Fachleuten genau prüfen lassen, was auf dem Gelände möglicherweise gegen eine Bebauung steht. Gibt es Fledermäuse, Feldhamster, seltene Käfer oder besondere Gräser?“ Untersucht werden solle auch die mehr als 100 Jahre alte Tribüne, eine Holzkonstruktion, die den Denkmalschutz interessieren könnte.

Die Stadt hat das Recht, dem Rennverein die Galopprennbahn wegzunehmen und hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, diesen Schritt zu vollziehen. Voraussetzung ist, dass für das Areal an der Ludwig-Roselius-Allee nicht nur Baurecht geschaffen wird, sondern konkrete Pläne auf den Weg gebracht werden, tatsächlich Häuser zu errichten. Im Gespräch sind bis zu 1000 Wohnungen.

Rennverein will bleiben

Hatte es eine zeitlang so ausgesehen, als ob der Rennverein sich fügt und seine mehr als 150-jährige Tradition in Bremen begräbt, tritt jetzt auf einmal eine neue Entschlossenheit zutage. „Wir wollen bleiben“, sagt Lenk, „auf jeden Fall.“ Unterstützt sieht er sich unter anderem vom Beirat in Hemelingen. Die Rennbahn wird zwar immer der Vahr zugeschlagen, tatsächlich liegt sie aber auf Hemelinger Gebiet.

Beirat und Ortsamt haben in der Vergangenheit wiederholt ihren Unwillen über die Planung zum Ausdruck gebracht, vor allem darüber, dass sie von der Wirtschaftsbehörde im Grunde vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.

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Das gesamte Areal ist 30 Hektar groß. Es gibt dort neben der Tribüne und dem großen Anbau mit den Wettschaltern und gastronomischen Einrichtungen auch ein Hotel, das zur Bremer Atlantic-Gruppe gehört. Und dann natürlich die Rennbahn, sie misst 2600 Meter.

Stadt lässt Golfclub im Ungewissen

Doch das ist noch nicht alles. Im Inneren des Ovals wird Golf gespielt. Das Unternehmen Golf-Range betreibt dort auf 20 Hek­tar eine Neun-Loch-Anlage mit einem Übungsgebiet auch für lange Schläge. Der Pachtvertrag läuft noch bis zum Jahr 2035. Anders als beim Rennverein hat die Stadt kein Sonderkündigungsrecht. Sie muss sich mit dem Betreiber also irgendwie einigen, sollen wie geplant im Jahr 2018 die Bagger anrollen.

Im Januar hatte das Wirtschaftsressort angekündigt, mit Golf-Range Verhandlungen aufzunehmen „Wir werden das Gespräch suchen und ein Angebot vorlegen“, so damals ein Sprecher der Behörde. Doch passiert ist seitdem nichts. „Es hat keinerlei Kontakt gegeben“, erklärt auf Anfrage Golf-Range-Geschäftsführer Hans Peter Thomssen. Verstehen kann er das nicht, „wir wundern uns auch“. Wenn die Stadt solche Absichten hege, sei es eigentlich ihre Pflicht, den betroffenen Pächter darüber rechtzeitig zu informieren. Thomssen: „Elegant ist dieses Vorgehen nicht.“

Das Unternehmen mit Sitz in München betreibt in Deutschland zehn Golfanlagen, die allesamt stadtnah liegen, das ist das Konzept. Der Club in Bremen hat rund 800 Mitglieder. „Die Zahlen waren auch in diesem Jahr wieder erwartbar gut“, sagt der Geschäftsführer. Den Platz aufzugeben, kommt für ihn nicht infrage: „Wir haben den festen Willen zu bleiben.“

Finanzierung ist offenbar kein Problem

Möglicherweise ist es am Ende aber doch nur eine Frage des Preises, ob der Betreiber weiterhin darauf pocht, dass der Pachtvertrag erfüllt wird. Sein Entgegenkommen müsste bezahlt werden. „Klar“, sagt Thomssen, „wenn die mit 100 Millionen kommen, würden wir wahrscheinlich neu überlegen.“ Eine Fantasiesumme und nicht ernst gemeint, aber sie gibt eine Richtung vor, die Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) Kopfzerbrechen bereiten könnte.

Günthner stellt sich die Rechnung seiner Darstellung zufolge so vor: Was hat der Betreiber des Golfplatzes vor gut zehn Jahren beim Bau der Anlage investiert, und welche Einnahmen erzielt er pro Jahr? Daraus ergebe sich, wie hoch der Ausgleich ausfallen muss. Die Finanzierung sei kein Problem: „Wir haben ja die Erlöse aus dem Verkauf der Grundstücke.“

Im kommenden Monat wird die Baudeputation der Bürgerschaft über die Planaufstellung für das Gelände entscheiden. Danach kann die Stadt für den Rennverein die Kündigung aussprechen. In diesem Zusammenhang lädt der Beirat Hemelingen für den kommenden Dienstag, 18 Uhr, im Ortsamt in der Godehardstraße 19 zu einer Planungskonferenz ein. Maßgeblich soll es dabei um die Frage gehen, ob für den Wohnungsbau in dem Stadtteil statt der Galopprennbahn andere Flächen genutzt werden könnten. Erwartet werden unter anderem die beiden baupolitischen Sprecher der Regierungsfraktionen in der Bürgerschaft und Vertreter der Behörden.

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