Christopher Street Day in Bremen

Sich von Mensch zu Mensch begegnen

Die Vielfalt von Lebens- und Familienformen gehört zur Lebenswirklichkeit der Kirche. Toleranz ist die Voraussetzung einer vielfältigen und demokratischen Gesellschaft, meint Gastautor Bernd Kuschnerus.
28.08.2021, 17:32
Lesedauer: 2 Min
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Von Bernd Kuschnerus
Sich von Mensch zu Mensch begegnen

Etliche Aktionen kennzeichneten den Christopher Street Day in Bremen, hier eine auf dem Bahnhofsvorplatz.

Frank Thomas Koch

Vielfalt leben, verstehen, akzeptieren, tolerieren – schon lange bringt der Christopher Street Day (CSD) die bunte Diversität queeren Lebens auf die Straße. Er macht die Unterschiedlichkeit romantischer, sexueller und geschlechtlicher Identitäten sichtbar, klärt über alltägliche Diskriminierung auf und setzt sich für Schutz sowie Gleichstellung ein. So war es auch am Freitag und Sonnabend in der Bremer Innenstadt – mit verschiedenen Veranstaltungen, Aktionen und Demonstrationen.

Seit einigen Jahren findet anlässlich des CSD eine ökumenische Andacht in der Bremer Innenstadt-Kirche Unser Lieben Frauen statt und viele Menschen aus der Kirche nehmen an den dazugehörigen Demonstrationen teil. Der Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche hat sich bereits Ende des letzten Jahrhunderts gegen Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ausgesprochen und mittlerweile gehört die Vielfalt von Lebens- und Familienformen zur Lebenswirklichkeit der Kirche dazu – beispielsweise in Form von kirchlichen Trauungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und Regenbogenfamilien im Pfarrhaus.

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Die Kirche ist natürlich wie die Gesellschaft kein monolithischer Block. Zur Vielfalt gehört manchmal, dass wir Meinungen aushalten müssen, die wir nicht gutheißen oder missbilligen. Schwierig wird es, wenn Menschen oder Gruppen von anderen verlangen, genauso zu sein oder zu leben wie sie selbst. Denn Toleranz ist die Voraussetzung einer vielfältigen, demokratischen Gesellschaft. Toleranz hat aber ihre Grenze bei Menschenfeindlichkeit und Gewalt.

Darum wende ich mich entschieden gegen die Abwertung von queeren Menschen – auch aus den Reihen der Kirche. Menschen dürfen nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden, ebenso wenig wie aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer Herkunft. Für mich gehört es selbstverständlich dazu, auch darüber nachzudenken, wo durch eigene Verhaltensweisen oder Strukturen in der Kirche andere diskriminiert werden. Passiert das, sollte man versuchen, daraus für die Zukunft zu lernen.

Menschen sollten auch in erster Linie als Personen mit jeweils eigenen Begabungen und Interessen wahrgenommen werden, ohne dass sie von außen durch Bilder von Geschlechtsrollen und Geschlechtsidentitäten beschränkt werden. Und ich werbe intensiv dafür, sich einfach von Mensch zu Mensch zu begegnen.

Zur Person

Unser Gastautor

ist evangelischer Theologe und Pastor. Der 59-Jährige ist seit 2019 Schriftführer im Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche.

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