Ärztemangel Eine medizinische Fakultät ist ein wichtiger Baustein

Zur Bekämpfung des Hausärztemangels in Bremen ist die Einrichtung einer medizinischen Fakultät dringend notwendig. Das sollte gemeinsam auf den Weg gebracht werden, meint Gastautor Hubertus Plümpe.
10.09.2022, 16:53
Lesedauer: 2 Min
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Von Hubertus Plümpe

Der Mangel an der medizinischen Grundversorgung in Bremen kommt nicht überraschend, sondern ist die Folge von vorhersehbaren Fehlentscheidungen der Politik und der Ärzteverbände. Seit Jahrzehnten besteht ein Missverhältnis in der Vergütung zwischen der sprechenden Medizin, insbesondere der Haus- und Kinderärzte, im Verhältnis zu einer eher gerätebasierten Medizin. Kein Zweifel: Die gerätebasierte Medizin ist und bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Diagnostik.

Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung findet nur das statt, was auch digital abgebildet ist. Ein komplexes Zifferngestrüpp, welches mindestens einmal im Quartal verändert wird, erschwert die Darstellung der tatsächlich erbrachten Leistungen. Aber viele Leistungen lassen sich digital nicht abbilden, wie zum Beispiel die Begleitung Sterbender, die Angehörigenbetreuung oder die kollegiale Diskussion mit Fachärzten.

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Die Komplexität des Abrechnungssystems führt dazu, dass viele Leistungsziffern nicht abgerechnet werden oder in Folge einer Priorisierung von Abläufen unter den Tisch fallen. Die Pandemie führt zur zusätzlichen Belastung von Ärzten und medizinischen Fachangestellten. Die hausärztliche Medizin ist auch Erfahrungsmedizin. Während vor Jahren Kollegen mit dem 70. Lebensjahr die Zulassung entzogen wurde, sind wir heute dankbar, dass diese Ärztinnen und Ärzte ihre Erfahrungen und Kompetenzen einbringen.

Im Gegensatz zu vielen Städten wie zum Beispiel Oldenburg hat es die Bremer Politik nicht verstanden, die Voraussetzungen für eine ausreichende ärztliche Versorgung herzustellen. Eine medizinische Fakultät ist ein wichtiger Baustein zur Verhinderung des regionalen Ärztemangels. Die Erfahrung lehrt: Nach dem Studium bleiben viele Mediziner in ihren Unistädten „kleben“: der Stadt, der Liebe oder der Familie wegen.

Es besteht Handlungsbedarf. In keiner anderen Stadt sind die Unterschiede in der Lebenserwartung so krass wie in Bremen (bis zu sechs Jahre). Das hat nicht nur mit der medizinischen Basisversorgung, sondern auch mit einer miserablen Bildungspolitik zu tun. Sie ist aber auch ein wichtiger  Baustein der medizinischen Prävention.

Verbände, Krankenkassen, Politik und Wirtschaft sind aufgefordert, eine basisnahe medizinische Versorgung neu zu bewerten. Leere Kassen sollten nicht zur Kreativlosigkeit verführen. So  könnte man den Zugang zum Medizinstudium  an eine Verpflichtung der Absolventen koppeln, anschließend mindestens zehn Jahre lang in Bremen zu arbeiten. Konkreter Vorschlag: Wir fangen mit 40 Studierenden an. 15 Plätze öffentlich finanziert, 15 privat finanziert, zehn von der Wirtschaft, fünf von den Verbänden, fünf von Krankenkassen.

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Zur Person

Unser Gastautor,

ist Hausarzt und Diabetologe in Bremen-Borgfeld.

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