Gastkommentar

Medienabhängigkeit: Die Sucht der Zukunft

Manche Jugendliche zeigen einen riskanten Konsum beim Nutzen neuer Medien. Immer mehr Zeit wird mit Online-Spielen verbraucht. Gastautor Berthold Reetz von der Ambulanten Suchthilfe erläutert die Gefahren.
03.07.2021, 18:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Bertold Reetz
Medienabhängigkeit: Die Sucht der Zukunft

Online-Spiele sind heute immer und überall möglich. Die Suchtgefahr ist groß.

Sina Schuldt/DPA

Durch die Pandemie hat sich das Leben in vielen Lebenssituationen sehr verändert. Auch der Gebrauch von neuen Medien spielt in vielen Bereichen des Alltags eine immer größere Rolle. Bankgeschäfte, Einkäufe und Kommunikation sind einige Bereiche, in denen viele Menschen diese Medien nutzen. Die meisten Menschen gehen mit den Medien selbstbestimmt um. Einige entwickeln jedoch einen riskanten Konsum oder sogar eine Abhängigkeit über Online-Rollenspiele, Ego-Shooter, Sexseiten, Chats und Shopping-Plattformen – und das sind nur einige Beispiele für die Vielzahl von Möglichkeiten, die die digitalen Medien bieten.

Bereits 2019 wies eine Drogen-Affinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf eine erhebliche Steigerung der Mediennutzung zwischen 2015 und 2019 hin. "Medien-und Internetabhängigkeit ist quasi die Droge der Zukunft", sagte die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU).

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut einer aktuellen Studie der Krankenkasse DAK und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gibt es hochgerechnet auf die Einwohnerzahl Bremens rund 4200 Kinder und Jugendliche mit riskantem oder pathologischem Gaming-Verhalten. Etwa 3800 Kinder und Jugendliche zeigen ein problematisches oder pathologisches Nutzungsverhalten.

Nach den Angaben des Universitätsklinikums und der DAK stieg die Nutzungsdauer von Online-Spielen im ersten Lockdown vor mehr als einem Jahr um 75 Prozent. Bei den sozialen Medien waren es rund 66 Prozent. Während Elf- bis 18-Jährige vor der Corona-Pandemie an Werktagen 83 Minuten täglich am Computer spielten, waren es während des zweiten Lockdowns ab November bereits durchschnittlich 115 Minuten. Die Nutzungsdauer von sozialen Medien stieg werktags von durchschnittlich 116 auf 147 Minuten.

Vor dem Hintergrund des erhöhten Risikos, im Jugendalter an einer Sucht zu erkranken, sind diese Zahlen alarmierend. Seit Januar 2018 bietet die Fachstelle Medienabhängigkeit der Ambulanten Suchthilfe Bremen als erstes Angebot in Bremen eine umfassende ambulante Unterstützung für Menschen mit problematischem oder abhängigem Medienkonsum und für deren Angehörige.

Die Finanzierung dieses Projektes endet am 31. Dezember. Für die Ambulante Suchthilfe ist es unvorstellbar, dass man die Hilfesuchenden im Regen stehen lässt. Der Senat ist aufgefordert, eine Fortführung dieses Angebots zu ermöglichen.

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