Rot-grüner Bürgerschaftsantrag

Gedächtnisort Elefant

Ein rot-grüner Bürgerschaftsantrag fordert die Debatte über Bremens Rolle in der Kolonialgeschichte. Im Januar wollen die Koalitionäre den Antrag auf die Tagesordnung der Stadtbürgerschaft bringen.
16.12.2015, 00:00
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Gedächtnisort Elefant
Von Frauke Fischer
Gedächtnisort Elefant

Das bekannte Antikolonialdenkmal in Form eines Elefanten aus Backstein.

China Hopson

Ein rot-grüner Bürgerschaftsantrag fordert die Debatte über Bremens Rolle in der Kolonialgeschichte. Im Januar wollen die Koalitionäre den Antrag auf die Tagesordnung der Stadtbürgerschaft bringen.

An schönen Tagen dient er Schülerinnen und Schülern des nahegelegenen Hermann-Böse-Gymnasiums als Plattform für eine Pause in der Sonne. Und zur Freimarktszeit verabreden sich Bremerinnen und Bremer am Elefanten, um von dort zur Bürgerweide aufzubrechen.

Doch das Backstein-Monument, das 1932 als Reichskolonialdenkmal eingeweiht und Jahrzehnte später in ein Antikolonialdenkmal umgedeutet wurde, hat eine Vergangenheit, an die sich aus Sicht der SPD- und der Grünen-Fraktion bislang zu wenige Menschen erinnern. Die kolonialistische Geschichte Deutschlands, insbesondere Bremens, sollte im Unterricht intensiv behandelt werden, das Übersee-Museum dem Kolonialismus als dunkles Kapitel deutscher Geschichte einen Schwerpunkt widmen.

Mit solchen Forderungen wollen die Koalitionäre im Januar einen Antrag auf die Tagesordnung der Stadtbürgerschaft bringen. „Wir sollten nicht schweigen“, sagt Elombo Bolayela (SPD). Gemeinsam mit Ralph Saxe und den grünen Fraktionskollegen werben die sozialdemokratischen Abgeordneten für ein schlüssiges Erinnerungskonzept.

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Eine Rolle dabei spielen Straßennamen, die an Akteure des Kolonialismus’ erinnern, ohne dass deren Rolle einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist. Wer denkt schon an den Bremer Kaufmann Lüderitz und seinen folgenreichen Kaufvertrag über einen Landstrich in Afrika auf dem Boden des heutigen Namibia, wenn er durch die Lüderitzstraße in Schwachhausen fährt? Nach Ansicht des grünen Politikers Ralph Saxe, der sich auch im Verein „Der Elefant“ für die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte und den Erhalt des Mahnmals einsetzt, sollten belastete Namen nicht von Straßenschildern verschwinden, sondern erklärende Zusätze erhalten. Das könne dazu beitragen, die Kolonialgeschichte „im dauerhaften Gedächtnis der Stadtgesellschaft zu verankern“, so Saxe. Weitere Beispiele seien die Nachtigalstraße und die Vogelsangstraße. Die Namensgeber waren ebenfalls Beteiligte am Land- und Rechteerwerb in der späteren Lüderitzbucht im heutigen Namibia.

Die Rolle Bremens im Kolonialismus sollte nach Meinung Saxes und Bolayelas auf den Lehrplan der Bremer Schulen. Und das Übersee-Museum sollte dem Thema einen Schwerpunkt in der Dauerausstellung widmen, meinen die Politiker.

Dauerausstellungsprojekt für 2018 geplant

Wiebke Ahrndt, Direktorin des knapp 120 Jahre alten Übersee-Museums, ist für die Idee sehr offen. „Es ist für uns eine essenzielle Frage, was es für ein Museum heißt, seine Wurzeln in der Kolonialzeit zu haben“, sagt sie. Geplant sei für den Herbst 2018 ein Dauerausstellungsprojekt zur Geschichte des Überseemuseums. Und dieses setze sich dann auch mit dessen Entstehung in der Kolonialzeit auseinander und ordne sie ein.

Bremen solle sich „auf Bundesebene dafür einsetzen, dass der Völkermord an den Völkern der Nama und Herero offiziell anerkannt wird“, fordern die Antragsteller weiter. Die Bundesregierung hatte im Juli in dem Zusammenhang erstmals von Völkermord gesprochen. Saxe ist der Ansicht, das reiche nicht aus: „Die Bundesregierung als Rechtsnachfolger muss sich offiziell entschuldigen und der historischen Verantwortung gerecht werden. Es gehört zu unserer Geschichte, dass es nicht nur gute Tage gab.“

Die Bremer stehen mit ihrem Ansinnen übrigens nicht allein. Auch in Hamburg ist vor einigen Jahren das Thema Koloniale Erinnerungskultur vorangetrieben worden. Der dortige Senat hat in diesem Sommer ein Konzept auf den Weg gebracht, dessen Kern eine wissenschaftliche Aufarbeitung des kolonialen Erbes der Hansestadt ist.

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