Inklusion soll in Bremen zur Regel werden

Gemeinsamer Unterricht für alle

Bremen. In Bremen sollen ab dem nächsten Schuljahr flächendeckend alle Schüler mit und ohne Behinderung oder speziellen Förderbedarf gemeinsam unterrichtet werden. Die Abgeordneten müssen dem Plan der Bildungsbehörde noch zustimmen.
18.11.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Gemeinsamer Unterricht für alle
Von Matthias Lüdecke

Bremen. In Bremen sollen ab dem nächsten Schuljahr flächendeckend alle Schüler mit und ohne Behinderung oder speziellen Förderbedarf gemeinsam unterrichtet werden. Das geht aus einer Vorlage für die heutige Sitzung der Bildungsdeputation hervor. Die Abgeordneten müssen dem Plan der Bildungsbehörde noch zustimmen.

Bislang konnten die Eltern der Kinder mit Förderbedarf wählen, ob sie ihr Kind an einem Förderzentrum oder einer Regelschule anmelden. Diese Regelung sollte so lange gelten, bis es an allen Schulen ein Zentrum für unterstützende Pädagogik (ZuP) gibt, das ihnen bei der Umsetzung der Inklusion - also dem gemeinsamen Unterricht - helfen soll. Das soll im nächsten Jahr der Fall sein.

In den ersten beiden Jahren war das Angebot der Regelbeschulung von den Eltern überraschend gut angenommen worden. 2010 entschieden sich 60 Prozent der Eltern von Kindern mit Förderbedarf für diese Option, in diesem Jahr waren es sogar 87 Prozent. Daher begrüßte Andrea Spude, Vorsitzende des Zentralen Eltern Beirats, den Vorschlag der Behörde ausdrücklich - vorausgesetzt die ZuP würden mit den nötigen Ressourcen ausgestattet.

Auch Linke, CDU und Grüne finden den Plan im Grundsatz richtig. Sülmez Dogan, bildungspolitische Sprecherin der Grünen, erklärte jedoch, in der Vorlage seien noch zu viele Fragen zur Umsetzung offen, die in der Deputation zunächst beantwortet werden müssten. Ihr CDU-Kollege Thomas vom Bruch mahnte an, die Umstellung dürfe nicht dazu führen, dass andere Schulformen dafür Stunden abgegeben müssten. Und Linken-Fraktionschefin Kristina Vogt sah diesen Spielraum angesichts der Haushalts-Eckwerte nicht.

Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) will Fragen zur Umsetzung erst heute in der Deputation beantworten. Gleichwohl hatte sie in dieser Woche erneut darauf hingewiesen, dass die Basis für die inklusive Beschulung gesichert sei, zumal Bremen in den vergangenen Jahren massiv sonderpädagogische Lehrkräfte und Referendare eingestellt habe. Zudem werden Sonderpädagogen in dem Maße frei, wie sie an den Förderzentren nicht mehr gebraucht werden. Deswegen hält auch Mustafa Güngör (SPD) den Behördenvorschlag für richtig. "Um die Qualität der Inklusion zu sichern, sollten wir die Ressourcen schnell ins allgemeine Schulsystem umleiten", sagte er, "die Auflösung der Förderzentren ist da der richtige Weg."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+