Home & Marine Electronic Systems Geräuschlose Gewinner

Der Luxusjachten-Ausstatter Home & Marine Electronic Systems ist an diesem Dienstag vom Wirtschafts- und Strukturrat Bremen-Nord mit dem Unternehmenspreis 2016 geehrt worden.
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Geräuschlose Gewinner
Von Carolin Henkenberens

Der Luxusjachten-Ausstatter Home & Marine Electronic Systems ist an diesem Dienstag vom Wirtschafts- und Strukturrat Bremen-Nord mit dem Unternehmenspreis 2016 geehrt worden.

Auf den ersten Blick sieht der Showroom aus wie ein großes, nobles Wohnzimmer. Eine Sitzecke, ein Esstisch, ein heller Teppich und ein weißes Sideboard. Wenig deutet darauf hin, was hier präsentiert werden soll, womit das Unternehmen, das an diesem Dienstag vom Wirtschafts- und Strukturrat (WIR) Bremen-Nord mit dem Unternehmenspreis 2016 geehrt worden ist, sein Geld verdient.

Dann öffnet Geschäftsführer Eric Schädler eine der Schranktüren. Und siehe da: Wo andere Leute Porzellanteller verstauen, verbergen sich bei Home & Marine Electronic Systems eine Musikanlage und ein TV-Receiver. Und als wäre das nicht genug, lässt sich per Wisch auf dem Tablet ein riesiger Fernseher von der Decke klappen.

Einige weitere Wischs und James Bond rast einem Ganoven hinterher, der Boden vibriert vom Sound. Aus einem unauffälligen schwarzen Schrank fährt, ebenfalls mit einem Tippen, leise surrend ein Bildschirm empor.

Genau diese Mischung aus Luxus und Zurückhaltung ist das Geschäft von Home & Marine: Das Vegesacker Unternehmen installiert seinen Kunden hochwertige Bildschirme und Lautsprecher, und zwar genau so, dass sie leicht verschwinden – in der Decke oder in Möbeln, hinter Stoffpaneelen oder einer zweiten Wand.

Die Kunden des Unternehmens sind Besitzer von Megajachten, also Schiffen mit einer Länge von mehr als 100 Metern. Sie mögen Luxus, aber auch ihre Privatsphäre.

15 Millionen Euro Jahresumsatz

„Wir machen Konzepte für gesamte Schiffe“, erklärt Günter Trempnau, der das Unternehmen im Jahr 2000 gründete und seit 2003 Schädler als zweiten Geschäftspartner an seiner Seite hat. Schädler (48) und Trempnau (59) sind Radio- und Fernsehtechnikmeister und kennen sich von einem früheren Arbeitgeber. 65 Mitarbeiter hat Home & Marine (H&M), neben Vegesack gibt es in Hamburg einen weiteren Sitz. Der Jahresumsatz liegt laut Trempnau bei zehn bis 15 Millionen Euro.

„Home & Marine erhält den Preis, weil wir überzeugt sind, dass das Unternehmen eine besondere Strahlkraft für Bremen-Nord hat und es dort ein exzellentes Miteinander gibt“, sagt Christoph Jendrek vom WIR.

Zudem sei der Frauenanteil in Führungspositionen, zwei von sechs Managementposten sind weiblich besetzt, gut. Bei H&M sei es selbstverständlich, dass Männer in Elternzeit gehen oder Mitarbeiter aus dem Homeoffice arbeiten, um Familie und Beruf besser vereinen zu können, betont Geschäftsführer Trempnau.

Mit dem Unternehmenspreis, der in diesem Jahr zum 15. Mal vergeben wird, will der Wirtschafts- und Strukturrat das Image des Wirtschaftsstandorts Bremen-Nord verbessern. „Wir wollen zeigen, dass wir gute und herausragende Unternehmen haben“, sagt Jendrek.

Bremen-Nord hinkt hinterher

Die Region hinkt nämlich immer noch anderen Bremer Stadtteilen hinterher, was die Wirtschaftsentwicklung angeht. Bremen-Nord hat den Strukturwandel nach der Schließung von Firmen wie der Vulkan-Werft und der Woll-Kämmerei bis heute noch nicht überwunden.

Home & Marine indes beweist, dass es auch in Bremen-Nord weltweit aktive Firmen gibt. Die Kunden hätten oft mehrere Wohnsitze auf der ganzen Welt, erzählt Trempnau. Sie lassen ihre Schiffe von Werften wie Lürssen, Abeking und Rasmussen oder Blohm+Voss bauen.

Die Ingenieure von H&M entwickeln das Entertainment-Konzept. Sie bestimmen also, wo Lautsprecher oder Kabel hinkommen. Sie geben die Pläne zum Verbau der elektronischen Geräte und Kabel an die Werften. Ein Tischlerunternehmen fertigt die Möbel an.

Vom ersten Tag der Planung bis zur Fertigstellung vergingen oft zwei bis drei Jahre, erzählt Trempnau. Die Entscheidung, welcher Fernseher verbaut wird, werde erst im letzten möglichen Moment getroffen. „Die Technik ändert sich einfach so schnell und wir wollen die bestmögliche einbauen.“

Mal sei es Sony, mal Panasonic oder eine andere Firma. Damit beim Einbau an Bord Zeit gespart wird, montieren Elektro-Spezialisten von H&M in der Werkstatt auf dem Firmengelände die Anlagen auf sogenannten Racks vor. Das sind Gestelle, die später nur noch in die Möbel eingeschraubt werden müssen. Die Lifte, mit denen sich die TV-Geräte von der Decke klappen lassen, produziert das Tochterunternehmen Okugi.

Kreative Kundenwünsche

Der Kreativität der Kundenwünsche seien kaum Grenzen gesetzt, sagt Trempnau. So habe ein Kunde an Deck seiner Jacht Plasma-Fernseher anbringen wollen. Das sei schon wegen der Wasserspritzer eine Herausforderung. Aber in diesem Fall auch, weil der Kunde mit seiner Jacht im Roten Meer fährt, wo es sehr heiß ist.

Das Problem: Plasma-Fernseher halten nur einer Temperatur von maximal dreißig Grad Celsius stand. Die Lösung war eine Kühlung, die das Gehäuse konstant bei 25 Grad hält. „Das war schon eine technische Herausforderung“, gibt Trempnau zu.

Wer ihre Kunden sind, darüber möchten und können die Firmeninhaber nicht sprechen. „Unsere Kunden schätzen ihre Privatsphäre“, sagt Trempnau. „Verschwiegenheit ist das oberste Gebot.“ Deshalb darf H&M auch keine Fotos von eingebauter Technik auf den Schiffen machen.

Für die Eigenwerbung ist das ein Nachteil. Die beste Werbung sei daher eine ­direkte Empfehlung. H & M stattet nicht nur Jachten, sondern auch Häuser aus – daher auch der Firmenname. In der Regel seien dies die gleichen Kunden wie jene, deren Jachten sie einrichten. Momentan mache dies aber lediglich fünf Prozent des Umsatzes aus.

Und wie viel kostet so eine Ausstattung? „Einen zweistelligen Millionenbetrag“, antwortet Trempnau knapp. Als die beiden durch ihre Werkstatt führen, zeigt Trempnau auf einen Schaltschrank. „Der ist etwa so viel Wert wie ein freistehendes Einfamilienhaus in St. Magnus.“ Ebenso wie ihre Kunden bleiben die Firmeninhaber lieber im Hintergrund. „Schreiben Sie nicht zu viel, weniger ist mehr“, sagt Günter Trempnau zum Abschied.

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