Made in Bremen Gerüstbauer für digitalen Datenaustausch

Erwin Bartsch hat eine Leidenschaft für Computer und einen Spürsinn für die digitale Revolution. Mit seinem IT-Unternehmen Basys setzt er neben technischen Neuheiten auch auf Zwischenmenschlichkeit.
03.01.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Annica Müllenberg

Erwin Bartsch hat eine Leidenschaft für Computer und einen Spürsinn für die digitale Revolution. Mit seinem IT-Unternehmen Basys setzt er neben technischen Neuheiten auch auf Zwischenmenschlichkeit.

So manch einer, der in der heimischen Garage anfing zu tüfteln, hat es zu Weltruhm gebracht. Bill Gates tat es, der Bremer Erwin Bartsch ebenfalls. Gemeinsam ist den beiden zudem die Leidenschaft für Computer und ein Spürsinn für die digitale Revolution. Ohne einen Blick in die Glaskugel zu werfen ahnten sie, dass den Schaltkreisen und Monsterrechenmaschinen die Zukunft gehören – beide wollten sie mitgestalten, der eine in Amerika, der andere in Bremen.

Bartsch – eigentlich als Physiklehrer – vertiefte sich lieber in Rechner als mit Kreide Formeln an die Tafel zu schreiben. Nach Schulschluss bauten er und ein Schüler Rechner zusammen und verkauften diese. Das war 1988. Aus dem Hobby wuchs das IT-Unternehmen Basys. Leitgedanke: IT-Lösungen von Mensch zu Mensch. Bartsch hat sich mittlerweile aus der Geschäftsführung zurückgezogen. Der Schüler, Udo Albrecht, kann von sich behaupten, dienstältester Mitarbeiter zu sein.

Basys passt längst nicht mehr in eine Garage. Das nach eigenen Angaben führende IT-Unternehmen Norddeutschlands wächst, es wird angebaut. Keine Lager zum Zusammenbasteln von PCs werden mehr gebraucht, sondern Büros. In den vergangenen 27 Jahren hat sich einiges verändert. „Begonnen hat Basys als Hardwarelieferant. In den 90er Jahren bauten wir noch Computer zusammen. Mit Beginn der 2000er Jahre wurden die Dienstleistungen wichtiger“, sagt der Geschäftsführer Stephan Michaelsen.

Nerds, die sich still im Schein des Bildschirms in Datenmengen verlieren, finden sich in den Räumen der Firma nicht mehr. In den Büros wird geschwatzt, ein Kicker steht auf dem Flur – die Kommunikation hat der Technik den Rang abgelaufen. Smalltalk abseits von Cloud-Computing und Workflow-Management gehört dazu, beispielsweise beim Neujahrsempfang, zu dem alle Kunden und Aussteller eingeladen werden, um mal ungezwungen zu klönen. „Diese Veranstaltung kommt ziemlich gut an, auch weil es mal nicht hauptsächlich um Technik geht. Dort bauen wir zu vielen ein Vertrauensverhältnis auf“, erklärt der promovierte Physiker Michaelsen. Im Jahre 2008 übernahm er die Geschäftsführung bei Basys. Im Sommer 2009 kam Olaf Brandt dazu. Gemeinsam bilden sie eine Doppelspitze im Unternehmen.

Brandt bringt auf den Punkt, wie sich das Geschäftsfeld verändert hat: „Beratung hat sich zu einem wichtigen Thema entwickelt. In den Anfangszeiten wurde mit Technikern kommuniziert, jetzt passiert das auf Geschäftsführerebene. Wir haben keine Produkte von der Stange und jeder Kunde ist anders, wir holen ihn jeweils dort ab, wo er ist.“ In den 90er Jahren haben die Mitarbeiter die Infrastruktur gelegt, heute beraten sie in der Chef-Etage, wie die neuen Techniken effizient eingesetzt werden können. Die Geschäftsfelder bewegen sich vom Einrichten einer IT-Infrastruktur, über Wartung und Sicherung derselben bis hin zur Anpassung des Systems an Neuheiten. Die Aufgaben der branchenübergreifend tätigen Dienstleister sind so vielfältig wie der Kundenkreis: Vom Kindergarten, der über eine Plattform alle Mitarbeiter in den einzelnen Einrichtungen vernetzen will, bis zur Reederei, deren Schiffe mit einem IT-System ausgestattet werden sollen – Basys stellt Lösungen für die unterschiedlichsten Wünsche zusammen.

Zu den mittlerweile 250 Stammkunden sind neue aus ganz Norddeutschland dazugekommen. Darunter sind mittelständische Firmen wie auch große Konzerne. So betreut Basys den Landkreis Verden und einige lokale Kliniken, deren Gerüste für digitalen Datenaustausch auf das Bremer Unternehmen zurückgehen. Die Mitarbeiter haben auf einem großen Bildschirm im Blick, ob es irgendwo klemmt. Wenn ein rotes Lämpchen blinkt, schreiten die Administratoren zur Tat.

Im Gegensatz zu Bill Gates, der sein Garagen-Start-up zu einer Weltfirma aufzog, bevorzugt die Basys-Geschäftsführung ein moderates Wachstum. „Wir möchten eine Geschwindigkeit, die angenehm ist. Uns ist wichtig, dass man sich kennt und wir den Kunden aufsuchen können“, sagt Michaelsen. Seitdem er mit seinem Kollegen Brandt als Duo die Geschäftsführung übernommen hat, verdoppelten sich nach eigenen Angaben Umsatz und Personal. Nunmehr 40 Mitarbeiter sind für Basys tätig – und es können noch mehr werden. Der Fachkräftemangel macht auch vor der Zentrale an der Hermine-Seelhoff-Straße nicht Halt: „Wir bilden jedes Jahr IT-Systemkaufleute und Fachinformatiker aus und halten dieses Personal“, sagt Brandt. Der Markt sei leergefegt, kompetentes Personal teuer und schwer zu finden, deshalb setzt die Firma verstärkt auf die Ausbildung.

Flexibilität gehört zum Job – der Markt für Informationstechnik ist schnelllebig und geprägt vom Wandel. Die Basys-Mitarbeiter behalten die Trends im Blick. „Wir versuchen, den Kunden schon im Vorfeld neue Strukturen anzubieten“, erklärt Brandt, dessen Leben sich bei Basys noch einmal um 180 Grad wandelte. Als mathematisch-technischer Assistent lernte er den Fachinformatiker von der Pike an im Unternehmen – nun leitet er den technischen Bereich und berät auf Geschäftsführerebene.

Derzeit fragen die Kunden häufig nach IT-Sicherheit, grenzenlosen Zugriff auf Daten mittels Cloud-Computing und Lösungen für das papierlose Büro. Letzteres ist für Michaelsen persönlich ein schwer umsetzbares Unterfangen – sein Schreibtisch wird auch zukünftig von Papier geflutet sein. In Zeiten unsichtbarer Datenströme möchte er etwas fest im Griff behalten, auch auf die Gefahr hin, altmodisch zu wirken.

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