Kommunale Kliniken in Bremen Gesundheit Nord macht zehn Millionen Euro Verlust

Bremen. Die Bremer Klinik-Dachgesellschaft "Gesundheit-Nord" (Geno) hat in der ersten Jahreshälfte 2010 ein Minus von neun bis zehn Millionen Euro geschrieben. Der Grund dafür scheint ganz einfach zu sein.
19.09.2010, 08:20
Lesedauer: 3 Min
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Gesundheit Nord macht zehn Millionen Euro Verlust
Von Michael Brandt

Bremen. Die Bremer Klinik-Dachgesellschaft 'Gesundheit-Nord' (Geno) hat in der ersten Jahreshälfte 2010 ein Minus von neun bis zehn Millionen Euro erwirtschaftet. Das geht aus einem Halbjahresbericht der Bremer Gesellschaften hervor. Der Grund dafür scheint ganz einfach zu sein.

Als Grund für das Millionenloch geben die Verantwortlichen unter anderem den dreiwöchigen Streik im Mai und Juni dieses Jahres an. Der Halbjahresbericht der Bremer Gesellschaften soll nun am Dienstag im Senat diskutiert werden. Die Geno will auf die Entwicklung unter anderem mit verstärktem Personalabbau reagieren.

Im Mai hatten die Gewerkschaften zum Arbeitskampf aufgerufen. An den städtischen Kliniken blieb lediglich die Notversorgung aufrecht, die Hälfte der OP-Säle stand leer. Die Ärzte waren unter anderem auf die Straße gegangen, um eine bessere Vergütung von Nacht- und Bereitschaftsdiensten zu erstreiten. Nicht zwingende Operationen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Für die Geno bedeutete dies offenbar einen herben finanziellen Ausfall. Zusammen mit den anschließenden Tarifabschlüssen und 'Verzögerungen bei den Zentralisierungen' ergibt sich eine Prognose, die für das Jahresende die besagten neun bis zehn Millionen Euro Minus bedeuten könnte.

Den Unterlagen für den Senat zufolge will die Klinik-Holding aber gegensteuern. 40 Stellen sollen über Plan abgebaut werden. Dabei sollen vor allem Angestellte in der Verwaltung dazu überredet werden, Abfindungen anzunehmen.

Außerdem geht die Gesundheit Nord offenbar davon aus, dass rund 60 Prozent der entgangenen Einnahmen aus der Streikzeit in der zweiten Jahreshälfte wieder aufgefangen werden können. In den Papieren heißt es: 'Dafür wurde bereits während des Streiks durch sorgfältige Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten die Grundlage gelegt.' Sachkosten sollen gespart und verstärkt Überstunden abgebaut werden. So setzt die Dachgesellschaft darauf, dass unter dem Strich am Ende des Jahres nur ein Minus von ein bis zwei Millionen Euro bleibt.

14 Gesellschaften mit Problemen

Die Monatszahlen für Juli würden belegen, dass dieses Ziel erreichbar sei. Den Sanierungsweg der Kliniken sieht die Gesundheit Nord durch diese Entwicklung nicht als gefährdet an. Die Geno hat außerdem angekündigt, dass nach dem dritten Quartal eine genauere Prognose abgegeben werden soll.

Dem Senat liegt am Dienstag der Halbjahresbericht der städtischen Gesellschaften vor. In schematischen Darstellungen wird dabei die Geschäftsentwicklung skizziert. Demnach bleiben aktuell 14 von 31 GmbHs hinter den Erwartungen zurück. Dazu gehören zum Beispiel die Bremer Bäder, für die sich vor Beginn der Hitzewelle ein eher problematisches erstes Halbjahr abzeichnete. Mit der Sonne in der zweiten Jahreshälfte kamen aber auch die Badegäste, und so soll am Jahresende unter der Bilanz der Bäder ein kleines Pluszeichen stehen. Bekanntlich ist einer dieser Fälle auch das Theater Bremen, das nicht nur mit einem Minus bei der Seebühne an der Waterfront zu kämpfen hat, sondern auch die Personalkosten erheblich zu niedrig angesetzt hat und nun den Konsolidierungskurs komplett neu durchrechnen muss.

Praktisch auf einem Nullpunkt ist die Gewächshaus-Einrichtung Botanika im Rhododendronpark angekommen, auch wenn die Zahl von 15000 Besuchern, die für das erste Halbjahr angepeilt wurden, sogar knapp überschritten wurde. Bekanntlich wird die Botanika, die seit Jahren existenzielle Probleme hat, derzeit mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm umgebaut und um Seminarräume erweitert. Der Neustart als Umwelt-Bildungseinrichtung steht bevor.

Probleme kündigt auch der Flughafen an. Die Zahlen sehen hier zunächst gut aus. Mit gut 1,2 Millionen Fluggästen im ersten Halbjahr liegt der Flughafen sogar noch leicht über den erhofften Zahlen. Bis zum Ende des Jahres soll sich das auf 2,6 Millionen Passagiere steigern. Allerdings erwartet die Flughafen GmbH erhebliche Kosten durch ein neues Fluglärmgesetz, dass am 1. Januar in Kraft getreten ist. Bis Ende des Jahres sollen Gutachten vorliegen, die die genauen Folgen und Kosten beziffern, heißt es im Bericht.

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