WESER-KURIER-Umfrage zur politischen Stimmung in Bremen Grüne fast gleichauf mit der CDU

Bremen. Bei der Bürgerschaftswahl am 22. Mai könnten die Bremer Grünen erstmals zweitstärkste Partei werden. Das geht aus einer exklusiven Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des WESER-KURIER hervor. Im Moment liegen die Grünen mit der CDU nahezu gleichauf.
19.02.2011, 05:00
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Von Günther Hörbst

Bremen. Bei der Bürgerschaftswahl am 22. Mai könnten die Bremer Grünen erstmals zweitstärkste Partei werden. Das geht aus einer exklusiven Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des WESER-KURIER hervor. Im Moment liegen die Grünen mit der CDU nahezu gleichauf. Stärkste Kraft bleibt die SPD.

Demnach würden derzeit 38 Prozent der Wahlberechtigten mit klarer Parteineigung und der Absicht, auf jeden Fall zu wählen, der SPD ihre Stimme geben. Die CDU kommt auf 23 Prozent, die Grünen liegen bei 22 Prozent. Die Linke würde es mit sieben Prozent in die Bürgerschaft schaffen, die FDP mit vier Prozent knapp scheitern. Forsa hat für die repräsentative Umfrage Ende Januar in Bremerhaven 501 Wahlberechtigte und Anfang Februar in Bremen 807 Wahlberechtigte befragt.

Über die Aussichten der neuen Wählervereinigungen, wie etwa B+B oder BIW, können derzeit noch keine tragfähigen Aussagen gemacht werden. Sie sind noch zu wenigen Bremern bekannt. Die "Bremer und Bremerhavener Wählergemeinschaft" (B+B) kennen 40 Prozent der Wahlberechtigten. Neun Prozent geben an, ihnen unter Umständen auch ihre Stimme geben zu wollen. Bei der Frage, welche Partei sie wählen würden, fände am nächsten Sonntag bereits die Bürgerschaftswahl statt, nannten nur sechs Prozent der Befragten eine der kleineren Parteien oder politischen Gruppen. Das gilt im Moment übrigens auch für rechtsextreme Parteien. "Sie finden", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner, "einige Monate vor der Wahl keine nennenswerte Resonanz oder Zustimmung."

Viel Zustimmung findet dagegen die rot-grüne Koalition im Land Bremen. 39 Prozent der Wahlberechtigten wünschen sich, dass diese beiden Parteien auch nach der Wahl im Mai die Regierung bilden. 25 Prozent wünschen sich eine Große Koalition aus SPD und CDU, sieben Prozent würden gerne CDU und FDP an der Regierung sehen. Eine Möglichkeit, wenn auch eher unwahrscheinlich, wäre zudem eine Koalition aus CDU und Grünen. Schwarz-Grün hätte derzeit mit 45 Prozent auch eine Mehrheit.

Böhrnsen deutlich vor CDU-Herausforderer Mohr-Lüllmann

Hätten die Bremer die Möglichkeit, den Bürgermeister direkt zu wählen, wäre die Sache auch ziemlich eindeutig. Amtsinhaber Jens Böhrnsen (SPD) liegt mit 62 Prozent Zustimmung weit vor seiner Herausforderin Rita Mohr-Lüllmann (CDU). Für sie würden nur 14 Prozent stimmen. Knapp ein Viertel der Wahlberechtigten würde jedoch für keinen der beiden abstimmen.

"Böhrnsens Wert ist ziemlich hoch", sagt Meinungsforscher Güllner. "Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte selten mehr als 60 Prozent bei dieser Frage." So gut der Wert für den Senatspräsidenten in Bremen ist, so schlecht sind die Zahlen für seine Kontrahentin Rita Mohr-Lüllmann. Nicht nur, dass sie insgesamt weit hinter Böhrnsen liegt. Für sie würde selbst nur die Hälfte der bekennenden CDU-Anhänger stimmen (55 Prozent). Ein weiteres Fünftel der CDU-Anhänger (20 Prozent) würde keinen von beiden wählen.

"Wenn das mit der CDU und ihrer Spitzenkandidatin noch was werden soll, dann muss die Partei jetzt schnell etwas unternehmen, um sie bekannt zu machen", sagt der Forsa-Chef. Die Werte für die CDU-Kandidatin nennt er "dramatisch". Aber auch den hohen Wert für Bürgermeister Jens Böhrnsen relativiert der Meinungsforscher: "Bei einer solchen Konstellation nennen die Bürger in der Regel den Kandidaten, den sie kennen."

Politische Stimmung in Bremen von viel Verdruss geprägt

Insgesamt ist die politische Stimmung in Bremen jedoch von viel Verdruss geprägt. Knapp die Hälfte der Wahlberechtigten (46 Prozent) weiß drei Monate vor der Bürgerschaftswahl nicht, wann und ob überhaupt Wahlen stattfinden, 56 Prozent haben noch keine Ahnung, für welche Partei sie stimmen sollen. Und fast zwei Drittel (62 Prozent) geben an, für keine Partei Sympathien zu haben. "Es gibt eine weitverbreitete Egal-Stimmung", hat Güllner festgestellt. "Die Menschen in Bremen sind der Meinung, dass das Leben auch ohne Politik ganz gut funktioniert."

Die Konturen der politischen Stimmung stünden im Großen und Ganzen fest. "Es ist völlig ausgeschlossen, dass sich das noch einmal komplett dreht", sagt der Forsa-Chef. Im Höchstfall könnten sich die Prozentwerte noch ein wenig nach oben oder unten bewegen - je nachdem, wie gut es den Parteien gelingt, ihre Wählerklientel zu mobilisieren.

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