Gutschein bei Vermittlung Gutscheine für Hausnotruf-Vermittlung

Bremen. Der Hausärzteverband Bremen steht wegen einer Vereinbarung mit dem Malteser Hilfsdienst unter Druck. Danach erhalten Praxen Einkaufsgutscheine, wenn sie dem Hilfsdienst Patienten für seinen Hausnotruf vermitteln.
16.05.2013, 05:00
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Gutscheine für Hausnotruf-Vermittlung
Von Sabine Doll

Bremen. Der Hausärzteverband Bremen steht wegen einer Vereinbarung mit dem Malteser Hilfsdienst unter Druck. Danach erhalten Arztpraxen Einkaufsgutscheine im Wert von 60 Euro, wenn sie dem Hilfsdienst Patienten für seinen Hausnotruf vermitteln. Wegen der öffentlichen Kritik haben die Malteser nun das Prämien-Angebot kurzfristig zurückgezogen.

"Dieses Verfahren ist unanständig", urteilt Günther Scherer von der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB). "Ich bin aber sicher, dass der allergrößte Teil der Hausärzte sich davon distanziert." Die scharfe Kritik des stellvertretenden Vorsitzenden der KVHB gilt einer kürzlich getroffenen Kooperation des Bremer Hausärzteverbandes mit dem Malteser Hilfsdienst. Konkret geht es in der Vereinbarung darum, dass Hausärzte Patienten, die für ein Hausnotruf-System infrage kommen, an den Hilfsdienst vermitteln können – und dafür eine Prämie in Form von Einkaufsgutscheinen erhalten. Für Patienten, die im Rahmen dieser Kooperation vermittelt werden, entfällt die Anschlussgebühr für den Hausnotruf in Höhe von 40 Euro.

In einem Anschreiben des Hausärzteverbandes, das in den vergangenen Tagen an die Arztpraxen verschickt wurde und dieser Zeitung vorliegt, heißt es: "Vorteil für das Praxisteam: Nach zweimonatiger Mindestlaufzeit des Hausnotrufanschlusses übersenden wir Ihnen unaufgefordert Ihre Prämien in Form von zwei Einkaufsgutscheinen (...) jeweils im Wert von 30 Euro." Einen Gutschein erhalte der Arzt, den zweiten die Praxisassistentin, die die Beratung übernommen habe.

Nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung wäre dies ein lukrativer Zusatzverdienst, in einer durchschnittlichen Hausarztpraxis gebe es ein Potenzial von 50 bis 100 infrage kommende Patienten. Vorbehaltlich einer rechtlichen Prüfung verstößt dieses Prämienmodell nach Auffassung der KVHB gegen die Berufsordnung der Ärzte. Eine Meinung, die auch der Hausarzt Thomas Liebsch vertritt: "Das Verfahren ist mit meiner Berufsauffassung als Arzt nicht vereinbar, und ich bin mir sehr sicher, dass ich damit für die Mehrheit der Hausärzte in Bremen spreche." Einem Patienten ein Hausnotrufsystem oder eine andere Hilfeleistung zu empfehlen, müsse uneigennützig und unabhängig von eigenen Interessen, und erst recht von einer Prämie, geschehen, betont Liebsch. "Auf diese Weise kann man nicht versuchen, die Verdienstsituation zu verbessern", kritisiert der Mediziner. "Das bringt das Vertrauen in uns Ärzte ins Wanken."

Derzeit laufe eine Imagekampagne der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die das Bild der Ärzte in der Öffentlichkeit verbessern solle. Berichte über Fangprämien von Kliniken an Ärzte und Mediziner, die Geschenke von Pharmafirmen angenommen haben, hätten in den vergangenen Jahren das Ansehen der Ärzte schwer belastet. "Eine solche Vereinbarung, wie sie jetzt getroffen wurde, läuft diesen Bemühungen total entgegen", kritisiert Liebsch. "Eine Prämie anzunehmen, ist unlauter." Die Vorstände der Kassenärtzlichen Vereinigung Bremen, Jörg Hermann und Günter Scherer, befürchten einen erneuten Imageschaden für die Ärtzeschaft: „Wieder einmal ist es einer sehr kleinen Gruppe von Berufsfunktionären gelungen, durch ihre Raffgier einen ganzen Berufsstand in den Schmutz zu ziehen“, heißt es in einer Pressemitteilung am Freitagmorgen. Die KV Bremen werde den Vorgang nun an die Bremer Clearingstelle zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen weiterleiten.

Den Vorwurf, sich unlauter verhalten zu haben, weist der Vorsitzende des Bremer Hausärzteverbandes, Hans-Michael Mühlenfeld, zurück. Er verstehe die Aufregung nicht. "Ich halte die Vermittlung eines Hausnotrufs als Hilfeleistung für absolut sinnvoll. Dafür sehen wir Hausärzte uns in der Verantwortung, dies zu erkennen und eine entsprechende Unterstützung anzuregen", sagt er. Dass Ärzte dafür ein Dankeschön in Form von Einkaufsgutscheinen bekommen, hält der Verbandsvorsitzende nicht für unanständig. "Ich sehe nicht die Gefahr, dass Patienten deswegen etwas aufgedrängt würde", stellt er klar.

Die Ärztekammer sieht Prämiengeschäfte grundsätzlich sehr kritisch. Nach Aussage der Hauptgeschäftsführerin Heike Delbanco gebe es bei der aktuellen Vereinbarung Anhaltspunkte dafür, dass es sich um einem Verstoß gegen die Berufsordnung der Ärzte handele. "Es wird der Eindruck erweckt, dass Ärzte nicht unabhängig sind",erklärt sie.

Unterdessen hat der Malteser Hilfsdienst auf die Kritik reagiert. Wie ein Sprecher erklärt, werde die Kooperation mit dem Hausärzteverband weitergeführt, auf den Einsatz von Prämien aber ab sofort verzichtet. Sie seien ohnehin nicht Bestandteil der Vereinbarung, sondern als Dankeschön an die Hausärzte für die Unterstützung der Initiative gedacht gewesen. Man bedauere, dass dies als unangemessen empfunden worden sei.

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