CDU in Bremen Härtere Linie gegen Schulschwänzer gefordert

Bremen. Etwa 600 junge Bremer schwänzen regelmäßig die Schule, jeder Fünfte davon gilt als Totalverweigerer. Das kann so nicht weitergehen, findet Claas Rohmeyer, bildungspolitischer Sprecher der CDU. Er fordert rigoroses Durchgreifen. Damit stößt er allerdings auf wenig Gegenliebe.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Härtere Linie gegen Schulschwänzer gefordert
Von Birgit Bruns

Bremen. Etwa 600 junge Bremer schwänzen regelmäßig die Schule, jeder Fünfte davon gilt als Totalverweigerer. Das kann so nicht weitergehen, findet Claas Rohmeyer, bildungspolitischer Sprecher der CDU. Er fordert rigoroses Durchgreifen. Damit stößt er allerdings auf wenig Gegenliebe.

In der Stadt Bremen gibt es 57.000 Schüler, von denen aber längst nicht alle regelmäßig im Klassenzimmer sitzen. Es gibt zwar diverse Initiativen, die das verhindern sollen, doch für Claas Rohmeyer geht das nicht weit genug. „Wir brauchen ein unmissverständliches Stopp-Schild – und das gleich beim ersten Mal“, fordert der CDU-Politiker.

Und Rohmeyer hat gleich konkrete Ideen, wie ein solches "Stopp-Schild" aussehen könnte. So sollen Lehrer oder Schulsozialarbeiter noch am gleichen Morgen bei den Eltern nachhaken, wo das Kind bleibe. Wenn das Kind tatsächlich unentschuldigt fehle, solle den Eltern sofort ein Bußgeld aufgebrummt werden. Außerdem setzt Rohmeyer auf die Autorität der Polizei. Die Beamten sollten die Schüler notfalls morgens zu Hause abholen und zur Schule bringen.

Keine einheitliche Leitlinie

All diese Möglichkeiten gibt es in Bremen bereits. Doch für Rohmeyer werden sie nicht konsequent genug angewendet. So bestätigt Frank Kunze, Jugendbeauftragter der Bremer Polizei, dass es tatsächlich sogenannte Schulzuführungsfahrten gibt. Eine einheitliche Regelung sucht man indes vergebens. Bisher liegen solche Einsätze laut Kunze im Ermessen des einzelnen Kollegen.

Jeden Schulschwänzer mit dem Streifenwagen zur Schule zu bringen, hält Heidrun Kampe für alles anders als sinnvoll. Die Pädagogin kümmert sich beim Landesinstitut für Schule (LIS) um Schulschwänzer, wobei sie lieber von „Schulvermeidern“ spricht. Sie sieht einen feinen Unterschied zwischen den Begriffen. „Ein Schulschwänzer tut dies ganz bewusst und aktiv“, argumentiert Kampe. Das sei allerdings der kleinere Teil der Kinder, die nicht zur Schule gehen.

Vielfältige Gründe fürs Schwänzen

Die meisten seien Schulvermeider. Sie haben laut Kampe Probleme, die ihnen häufig keine andere Wahl ließen, als der Schule fern zu bleiben. Das können beispielsweise Versagensängste sein oder massive Probleme in der Familie. Damit ist ihrer Meinung nach auch bereits das Hauptargument gegen die morgendlichen Streifenwagenfahrten geliefert: Die Ursachen, warum ein Kind nicht zur Schule gehe, seien zu vielfältig, um ihnen mit nur einer Maßnahme sinnvoll begegnen zu können.

„Für den einen mögen uniformierte Polizisten morgens vor der Wohnungstür eine erzieherische Wirkung haben, andere benutzen das aber nur als Bühne für ihre Selbstdarstellung“, sagt Kampe. Deswegen sei es wichtig, sich zunächst ein Bild vom Schüler, seinem Charakter und möglichen Problemen zu machen, um dann entsprechend reagieren zu können.

Lehrer reagieren oft zu spät

In einem Punkt muss sie ihrem Kritiker Rohmeyer allerdings Recht geben: In Bremen gibt es immer noch zu viele Schwänzer. „Die Lehrer warten häufig zu lange, bis sie etwas tun“, sagt Kampe. Tatsächlich hatte eine anonyme Umfrage unter Bremer Lehrern vor etwa einem Jahr gezeigt, dass die Pädagogen so gut wie nie aktiv werden. Häufig gebe es nicht einmal einen Eintrag ins Klassenbuch.

Bremens Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) gab daraufhin den Auftrag, eine Handlungsanleitung zu erstellen, die den Lehrern klar aufzeigt, wie sie mit Schulschwänzern umgehen sollen. Dieser Leitfaden soll laut Behörde Ende Januar fertig sein.

Claas Rohmeyer verspricht sich allerdings nicht allzu viel davon: „Das ist für die Lehrer nur wieder ein weiterer Zettel, den sie schnell wieder vergessen haben werden“, glaubt der Bildungspolitiker.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+